Jahrgang 
27-52 (1867)
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Novellen

kennen zu lernen, eine Olla potrida beſtellt, die eines der trefflichſten, köſtlichſten Gerichte iſt, die je meinem Gaumen

geſchmeichelt haben. Ein Gemenge verſchiedenen Fleiſches

trefflicher Würſte und Hachées, ſchmackhaften Kohles und

anderer Gemüſegattungen, unter welchen ſich, zum Schreckern

civiliſirter Leſer, auch Zwiebel und Knoblauch befinden, wird durch Oel verbunden, und giebt eine außerordentlich nahr⸗ Seit ich ſelbſt das Gericht gekoſtet habe, be⸗ greife ich die rührende Freude Don Quixote's und anderer Helden bei der Ausſicht, ein ſolches in irgend einer Poſada zu finden. Nach Tiſche wurden Cigarrillos zur Hand ge⸗ nommen, und ſo verbrachte ich, duftenden Rauch in die Lüfte ſendend, auf einem ſpaniſchen Schaukelſtuhl, die Füße auf

inen Rohrmatte, die heute ſo abſonderlich zögernde

e durch Dunkelheit kühl erhaltenen Gemache. Die Uhr ſpielte öfters ungeduldig in den Händen; endlich

rückte der Zeiger der zum Gefechte beſtimmten Stunde ent

hafte Speiſe.

einer fe Zeit in

gegen.

Freudig flogen wir in die wie für einen Cardinal roth ausgefütterte Equipage, und holpernd ging es zur Arena de Kampf. las Corridas, einem großen, auf einem freien Platze ſtehen⸗h quet Ulanen hielt die Wache ſten, ſchönſten Erſ

den runden Gebäude; ein Pi vor demſelben. Wir wollten wurden aber, unſeren Billeten gewieſen. Nachdem wir uns hatten, kamen wir durch eine, nach de nende Galerie an eine kleine Pforte, einig

ttelthore eindringen,

iner Seitenpforte inaufgedrängt latze ſich öff⸗ male Stuf

rieen, in dem weiten, impoſanten Raume der Arena. Wir wurden an eine eiſerne Baluſtrade zwiſchen zwei Säulen zu einer Steinbank geführt, welche aus beſonderer Gnade für uns mit einer Holzlehne verſehen war. Zwiſchen Stein und Eiſen mußte man ſich einpferchen ſo gut es ging. Im ge⸗ wöhnlichen Leben haſſe ich es, in ſo engem Raume zwiſchen zahlreichem Publicum zu ſitzen, doch was brächte man nicht für Opfer für das Schauſpiel, das uns erwartete! Nachdem wir uns geſetzt, konnten wir den weiten freien Raum vor uns, die Galerieen unter und hinter uns betrachten. Die Arena, welche in ihrer Form viel Aehnlichkeit mit den an⸗ tiken hat, iſt nur in der einen Hälfte von Stein; die andere iſt aus Holz gezimmert. Dächer, von leichten Arcaden ge⸗ tragen, ſchützen auf der einen Seite die Zuſchauer vor der glühenden Sonne. In der Mitte der ſteinernen Abtheilung erhebt ſich die mit der Krone gezierte königliche Loge, unter derſelben wölbt ſich ein großes Thor; dieſem über iſt die Loge des Impreſario's de la Corrida, ebenfalls über einer breiten Pforte. Der innere Raum der Arena, in welchem der Kampf ſtattfindet, iſt länglichrund; eine ziemlich hohe Breterwand ſchützt das Publicum halbwegs vor den Gefahren des Kampfes. An einzelnen Puncten der Wand ſind Oeffnungen, vor welchen ſich Holzſchirme befinden, die mit Attributen der Corrida bemalt ſind; ſie dienen den Kämpfern als Zuflucht.

Blicke ich in die weiten Räume, denke ich an das Kom⸗ mende, ſo erfaßt mich eine Bangigkeit, ein Zweifel, ob ich das blutige Spiel, welches ſich vor mir bereiten ſoll, zu be⸗ trachten im Stande ſein werde. Schon will ich die Arena verlaſſen, eine innere Bewegung will mich von meinem Sitze treiben, doch die immer mehr und mehr ſich füllenden Galerieen feſſeln mich, der Anblick des regen Treibens be⸗ wältigt für den Augenblick das bange Gefühl. Hunderte von Farbentönen der Sonntagskleidung verſchmelzen ſich in Logen und Galerieen, die den bunten Bretern eines Blu⸗

en hinan, und ſtanden nun plöͤtzlich unter den inneren Gale⸗

Puncte gegen⸗

r⸗Jeilung.

mengeſtelles gleichen. Die ſchlanken Männer mit ihren kleinen runden Filzhüten, ihren geſtickten Jacken und den rothen Schärpen wogen in ſteter Unruhe, lärmen, ſchreien und pfeifen, um ſo den Chorgeſang zum kommenden Schau⸗ n ſpiele einzuüben. Hunderte von Fächern klappern und rau⸗ ſchen in unaufhörlicher Bewegung. Die Abanicos der Rei⸗ chen ſchimmern in China's lebhaften Farben, während die Armen und das ſtarke Geſchlecht, welches ſonſt dieſe In⸗ ſtrumente nicht braucht, ſich Kühlung mit erſt heute gekauften Fächern von Rohr und Papier, auf welchen eine Scene des Torillos und ſpaniſche Gelegenheits⸗Verſe abgedruckt ſind, zuwedeln. Dunkle Köpfchen mit glühenden Augen, friſchen Jasmin und Roſen unter dem Spitzenſchleier im Rabenhaare, die Mantille leicht um die Schulter geſchlungen, wiegen ſich in munterem Scherze und lebhaftem Geplauder auf den ſteinernen Sitzen. Bewegen ſich die rothen Lippen, um von heiteren Tanzgeſchichten zu ſprechen? Muſtern die ſcherzen⸗ den Augenſterne die luſtigen Reihen der kommenden Tänzer? Nein: Sevilla's Töchter freuen ſich nur auf den blutigen Einige Officiere in reicher Uniform traten aus der inter uns befindlichen Thür, und mit ihnen eine der reizend⸗ cheinungen, die mir in ſpaniſchen Landen vorgekommen iſt; ſie nahm in unſerer Nähe ihren Platz, ſo daß ich ihr Mienenſpiel, jede ihrer Bewegungen beobachten konnte. Jetzt ſchien ſie nur mit einem Anbeter zu ſcherzen; aber ich nahm mir vor, ſie in der Folge in den blutigen Augenblicken zu beobachten. Der Lärm der Menge und das Rauſchen der Fächer wurde immer lauter, immer ungedul⸗ diger. Zwiſchen das allgemeine Getobe tönten die gellenden Stimmen der Verkäufer von Erfriſchungen. Man denkt ſich, daß die ſchönen Lippen von Spaniens Töchtern nur an Ge⸗ frornem Kühlung ſuchen, daß die Perlenzähne, mit welchen jeder Mund in Sevilla geſchmückt iſt, nur Bisquit zerknittern möchten: O nein! So wild die Spanier in ihren Veanü⸗ gungen ſind, ſo urſprünglich ſind auch die Gegenſtände, welche ſie an ihren Gaumen bringen: Waſſer und ii ſtreng⸗ ſten Sinne des Wortes ſpaniſcher Wind waren es, welche die Runde machten. Von Letzterem lernte ich nun den wahren Urſprung kennen, den ſchon ſein Nante verräth. Die große weite Arena hatte ſich gefüllt, die Sonne vergoldete, wahrſcheinlich zum nicht ſehr großen Vergnügen 3 Derer, denen ſie ihren hoißen Kuß ſchickte, einen Theil des 5 4 Gebäudes. Ein tiefblauer Himmol wölbte ſich über dem weiten Raume zur ſchönſten Decke. Jiamer lärmender wurde die bunte, maleriſche Menge; man klopfte auf die hölzernen Breter, das Volk begann in das Recht, welches es ſich durch 5 Jahrhunderte erworben hat, einzutreten: in das Recht, durch n ſein Geſchrei das Spiel wenigſtens zum Theul zu lenken, I Die Zuſchauer fühlten, daß die Stunde ſchon herangerüc de ſei, und ich theilte ihre Ungeduld mit unbegreiff. Ermſſer ung. Da ſchmetterten die Trompeten, das Thor dee 0b⸗ 1a9 uns gegenüber, öffnete ſich, der Lärm wurde 191. allgemeinte, gleich den Wogen einer ſich überſtürzenden Fluth; alle Blicke lenkten ſich in die Arena auf einen Mann, welcher auf einem ſpaniſchen ſtarken Gaule erſchien. Unſer italieniſcher Lohnlakai machte uns mit dieſer Figur und den kommenden Eigenthümlichkeiten bekannt. Es war der Unter nehmer, der herein ritt, um ſich den Schlüſſel zur Eröffnung des Feſtes von den in der großen Loge ſitzenden Autoritäten zu holen. Gewöhnlich iſt es der Herzog von Montpenſier, welcher den Schlüſſel zuwirft; doch heute war der Prinz nicht zugegen. Der Impreſario ließ ſein Pferd unter dem Jubel der Menge halten. Der üpanier, der, wie alle Süd⸗

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