Jahrgang 
27-52 (1867)
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cakteriſirten.

Aber wenn man einem Manne ſein Herz ſchenkt, wenn man ſeine ganze Zukunft in deſſen Hände legt, ſo will man doch auch wiſſen, wer er iſt und was er treibt, fiel Suſanne ſchüchtern ein.

Der junge Mann brach in ein helles, bitteres Gelächter aus.

Du zeigſt Dich alſo nicht beſſer, als die Anderen, rief er,und der ganze Muth Deiner Liebe beſteht darin, mich neugierig auszufragen. Wer ich bin, willſt Du wiſſen? Nun, ich bin ein wilder, verwegener Menſch, der das Leben zum Ueberdruß genoſſen und der Welt jetzt den Fehdehandſchuh hingeworfen hat. Aber Du kannſt mich wieder aufrichten, Suſanne, Du vermagſt mich mit dem Leben wieder zu verſöhnen, fuhr er weicher fort,und in dieſem entſcheidenden Augenblick, den Du ſelbſt heraufbeſchworen, will ich darüber Gewißheit haben.

Dieſe letzten Worte wurden abermals mit jener Heftigkeit ausgeſtoßen, welche den Sprecher cha⸗ Er ſtand noch immer vor dem jungen Maädchen, indem er deſſen Hand in der ſeinigen hielt,

und ſein flammender Blick der Spiegel eines leidenſchaftlichen, ungeordneten Lebens ſchien mit Ungeduld in deſſen Innerem leſen zu wollen.

Nun, antwortete mir, Suſanne, rief er faſt gereizt, als dieſe noch immer ſchwiegantworte mir, denn ich muß wiſſen, ob Du den Muth haſt, unter allen Umſtänden mein Schickſal mit mir zu theilen, ob Du bereit biſt, Dein Loos an das meinige zu ketten. Auf Roſen wirſt Du nicht wandeln, das will ich Dir vorherſagen, aber giebt es eine Frau,

die im Stande iſt, meinen wilden, ungeſtümen Sinn zu bändigen und mein zerriſſenes Herz zu heilen, ſo biſt Du es, und nun wähle und entſcheide, denn ich bin nicht der Mann, welcher ſich mit einer halben Antwort begnügt; ich muß Gewißheit haben!

So möge Gott mir vergeben, wenn ich unrecht thue! rief Suſanne, indem ſich ihre Augen mit Thränen füllten.Aber Du weißt wohl, welche Ge⸗ walt Du über mich ausübſt und daß ich nicht die Kraft beſitze, mich von Dir zu trennen. Hier nimm mich, für jetzt und für immer, aber bedenke wohl, Georg, welche Verpflichtung Du dadurch auf Dich ladeſt. Ich habe Muth, ich kann mit Dir leiden, mit Dir darben; dies Alles werde ich entſchloſſen ertragen. Aber wäreſt Du im Stande, mich zu hinter⸗ gehen, fände ich die Liebe nicht bei Dir, welche ich vorausſetze, behandelteſt Du mich roh und herzlos ſiehe, dann wäre dies mein ſicherer Tod und Du würdeſt ein Verbrechen auf dein Gewiſſen laden, über welches Du einſt vor dem ewigen Richter Rechenſchaft

geben müßteſt.

Novellen⸗Zeitung.

Genug! antwortete ihr Geſellſchafter.Ueber ſeiner Liebe und Zärtlichkeit wirſt Du Dich nicht zu be⸗ fune klagen haben, und in dieſer Beziehung ſoll Dich der für!

Schritt nicht gereuen, den Du in dieſer Stunde ge⸗ en than haſt. Doch nun laß uns weiter überlegen. Hier d in dieſem Hauſe darfſt Du nicht länger bleiben; bei elf. Deiner Schweſter und bei Deinem Schwager findeſt junger Du keinen Schutz, und der Franzoſe wird Dich äng⸗ naßn ſtigen und verfolgen, und es käme am Ende dann Umiif doch noch dazu, daß ich ihm den Garaus machte. Menſc Faſſe alſo einen Entſchluß, denn Deine Lage drängt in ze dazu und es bleibt Dir keine Zeit mehr, viel zu ſeine überlegen. lberii Mein Entſchluß iſt gefaßt, entgegnete Suſanne; 15, morgen mit dem Früheſten verlaſſe ich den Hof und lüh begebe mich nach Hamburg, zu meinem Pathen, dem der g Meiſter Stich. Seine Frau hat mich lieb und ſie eunget bedarf ſchon längſt einer Stütze in der Haushaltung. Weſe Und nun geh, Georg, und ſetze Dich durch ein längeres meiſte Verweilen nicht noch weiterer Gefahr aus geh, unnt ü und wenn Du mir morgen früh entgegenkommen willſt, Benet ſo triffſt Du mich gegen ſieben Uhr zwiſchen hier und was dem Dammthor auf dem Wege, welcher an der Alſe ur entlang führt. ſhe Die Mahnung des jungen Mädchens, daß der uaſ

Geliebte es verlaſſen möge, war keine überf ſe denn eben ließen ſich Stimmen am Eingaß Gartens vernehmen und deutſche Laute verp. 1 lIn ſich mit franzöſiſchen. Während die Pächte uſ zorniger Stimme den Namen ihrer Stiefſchw 2 dl

und Capitän Lacombe mitunter dazwiſch ge

derben Fluch ertönen ließ, zog Georg Su R⁴ einmal mit Innigkeit an ſein Herz, flüſten wfit 1 gute Nacht zu und ſchwang ſich dann eren 7 A digkeit und Kraft über die gwig Hecke, het den Garten einfaßte, indem er dsbei faſt gleſig

in der Finſterniß verſchwand. Das junge Pue aber wich dem ihm drohenden Sturme dad 1 daß ſie in einen Seitenweg einbog und D7)

eher erreichte, bevor ihre Verwandten Kh da tän Lacombe wieder dorthin zurückkehrten. b ſie ſich auf ihr Stübchen zurück, und während Mah ſ die Pächterin, ihrer übelen Laune unten noch imt b

durch Schalten Luft machte, packte Suſanne ein kleines Bündel von Wäſche und Kleidungsſtücken zuſammen, 1 denn ſie hatte den Entſchluß gefaßt, den Hof mit

dem Früheſten zu verlaſſen, um der Verabredung ge⸗ 1 mäß bei ihrem Pathen in Hamburg eine Zufluchts⸗ 1 ſtaͤtte zu ſuchen. In

Nachdem Georg ſich von Suſanne getrennt hatte,h

blieb er noch einige Minuten in der Nähe des Gartens

lauſchend ſtehen; als aber die Stimmen, welche bei

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