— Vierte tlaſſe daß man Sie die ganze Strenge der Geſetze fühlen läßt.“ den⸗ Der junge Mann brach in ein helles Gelächter dem aus.„Ja, ja,“ rief er,„an dem guten Willen dazu und zweifle ich nicht! Für den Augenblick ſeid Ihr Fran⸗ enen zoſen ja die Herren und wir ſind die Knechte, warum ihn alſo nicht Jemand auf die Galeeren ſchicken, oder vor ihm ein Kriegsgericht ſtellen, der ſich die Freiheit nimmt, nem ein deutſches Mädchen vor Euren Zudringlichkeiten
zu ſchützen! Aber Eins, mein Herr, haben Sie dabei ſich nicht überlegt: Sie haben nicht bedacht, daß es Ihnen ſſicht etwas ſchwer fallen möchte, ſich meiner unbedeutenden ehre Perſon zu bemächtigen.“ aden„Nicht ſo ſchwer, wie Sie glauben,“ antwortete rzen Lacombe, indem er ſich, in das Haus zurückkehrend, eſes faſt am Ausgang des Gartens nochmals umwendete, be⸗„Vergeſſen Sie nicht, daß ich hier in Mademoiſelle eſſen Suſanne für Ihre Perſon einen Bürgen beſitze und tän, daß ich damit alſo zu jeder Zeit im Stande ſein werde, Ihren Namen und Ihre Wohnung zu er⸗ zeſe, fahren.“ man Das junge Mädchen erbebte.„O, mein Gott,“ Srolz rief ſie, erſchrocken die Hände ringend,„o, mein Gott, gkeit was haſt Du mit Deiner Hitze angefangen, Georg!“ ſcher„Was hindert mich denn, dem verwünſchten
prahler für immer den Mund zu ſtopfen?“ rief dieſer,
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volh udem er unter ſeiner blauen Matroſenjacke ein
äön Unges Meſſer hervorzog.„Verdammt will ich ſein, wenn 1
cht ſchon mancher bravere Kerl unter einem tüchtigen eſſerſtich verblutete, und warum ſollte ich daher dieſen
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der ade gegen verwünſchten Franzoſen mehr on ickſicht nehmen, der ſich kein Gewiſſen daraus machen d, Dich anzuklagen und Dich nöthigenfalls in aus Kerker zu bringen, wenn er damit ſeine Rache nng rriedigen kann„— ſig„Georg,“„wiederholte Suſanne, indem ſie ſich end ſem in den⸗Weg warf,„ich bitte Dich um Gottes⸗ iſes len, mäßige Dich, erwäge die Folgen einer ſolchen lgitigem Hitze— laß uns überlegen, es wird noch „ n Aderen Ausgang geben, um der Gefahr, wenn 44 ie ſolche droht, auszuweichen.“ 9„So entſchließe Dich kurz,“ antwortete der Mann, 79 lchen wir unter dem Namen Georg kennen gelernt 5 haddn—„hier kannſt Du nicht länger bleiben. Komm e mit mir, wie Du gehſt und ſtehſt, ich werde Dich d in Sicherheit bringen und über Dich wachen.“
—„O, Georg,“ rief das Mädchen, und Thränen ge⸗ benetzten dabei deſſen Wangen,„habe ich nicht ſchon den leichtſinnig genug gehandelt, indem ich Deinen Bitten
1 und Deinen Schmeichelworten Gehör ſchenkteund Dir nen meine Ehre und meine Zukunft Aueſuaun Und wo üh⸗ habe ich Dich kennen gelernt— ſprich, war es ein gen/
Folge. 693
Ort und eine Geſellſchaft, die für ſittſames Mädchen paßten?“—
„Was redeſt Du da?“ „Man ſollte faſt meinen, Du hätteſt Dein ganzes Leben unter Quäkern oder Herrnhutern zuge⸗ bracht... Wo Du mich kennen lernteſt? Nun, Mädchen, ich denke, auf den Ort kommt es dabei nicht an und ich meine, es iſt eben kein Verbrechen, wenn ſich zwei Herzen beim Klange der Muſik und im wirbelnden Tanze finden; und wenn die Geſellſchaft, die Du in der Vorſtadt St. Georg, im luſtigen Seefahrer⸗, an⸗ trafſt, auch gerade nicht die feinſte war, ſo fanden ſich dort doch brave ehrliche Burſchen ein und Du kannſt Dich nicht beklagen, daß Dir einer derſelben unhöflich in den Weg getreten iſt.“
Suſanne ſchwieg einen Augenblick, indem ſie dabei traurig und nachdenkend zu Boden blickte. Dann aber richtete ſie ihren Kopf empor, und indem ſie dabei dem Mann ihrer Wahl bittend ins Auge blickte, ſagte ſie mit ſanfter, beruhigender Stimme: „Sechs Monate kennen wir uns nun ſchon, Georg, und Niemand weiß bis jetzt um unſer Geheimniß.“
„Nun, fällt es Dir darum ſchwerer, daſſelbe zu bewahren?“ fiel ihr Geliebter in einem halb lachenden, halb trotzigen Tone ein.
I„Das gerade nicht,“ enltgegnete das junge Mädchen,„obgleich es den Augen meiner Schweſter und meines Schwagers doch nicht mehr lange ver⸗ borgen bleiben wird— nein, Georg, das iſt es eben nicht, was mich quält, ſondern das Dunkel, in welches
ern
rief ihr Geſellſchafter.
Du Dich, mir AAegeuliber, fortwaͤhrend ſo beharrlich in Bezug auf Deine Perſon und D Deine Verhältniſſe hüllſt.“
Hätte die Finſterniß es nicht verhindert, ſo
würde Suſanne haben gewahren können, wie bei dieſer Bemerkung das Geſicht des jungen Mannes zuerſt eine tiefe Röthe und dann ein dunkler finſterer Schatten überflog. Wir haben aber dem Leſer ſchon früher bemerkt, daß in ſeinem Weſen ein gewiſſer Trotz lag, welcher darauf hindeutete, daß ſeine Stel⸗ lung in der Welt eine ſolche war, welche ihn auf Menſchen und Verhältniſſe die ſonſt üblichen Rück⸗ ſichten nicht nehmen ließ. Dies bekundete er auch jetzt in ſeiner Antwort.
„Höre, Mädchen,“ ſagte er,„Du haſt mich oft den wilden Georg nennen hören und geſehen, wie ſelbſt die verwegenſten Burſchen Bedenken trugen, mit mir anzubinden. Warum wühlſt Du in meinem Innern durch ſolche Fragen? Genügt Dir nicht an die ſo treu und uneigennützig iſt, wie Deinem Ge⸗
meiner Liebe, dieſelbe nur jemals von einem Manne, ſchlecht gegenüber, empfunden ward?“


