Jahrgang 
27-52 (1867)
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es anders ſein, als ein neuer Act der Brutalität gegen die Beſiegten!

Wer ſind Sie? fuhr der Officier, ſtolz den Kopf erhebend, dazwiſchen.

Ein deutſcher Mann, dem das Blut bei dem Anblicke des verhaßten Feindes ſeines Vaterlandes in den Adern kocht, und der gekommen iſt, Sie An⸗ ſtand und Sitte zu lehren.

Wollen Sie mich damit reizen, oder wollen Sie mich dadurch einſchüchtern? fragte Lacombe, verächt⸗ lich mit den Schultern zuckend.Es iſt wirklich zum Lachen! Sie erſcheinen hier, ohne daß Sie Jemand gerufen hat, Sie ſtellen ſich mir drohend gegenüber und am Ende werde ich noch erleben, daß Sie von mir verlangen, ich ſoll Ihnen Abitte thun.

Mir nicht, aber dieſem jungen Mädchen hier.

Und weshalb?

Weil Sie ſich zudringlich gegen daſſelbe gezeigt

haben. Bah, lachte der Capitän höhniſch,meinen Sie, daß ich in dies Land gekommen bin, um mich zu langweilen? Doch genug und der Officier erhob drohend ſeinen Armfort, Unverſchämter, wenn Sie ſich nicht einer fühlbaren Strafe ausſetzen wollen!

Jetzt blitzte es aber in den Augen des jungen Mannes zornflammend, und indem er mit drohend erxhobener Fauſt und mit zuſammengepreßten Lippen vor Lacombe trat, rief er:

Gemach, mein Herr Franzoſe, gemach, laſſen Sie ſich dieſen Uebermuth vergehen! Und jetzt entfernen Sie ſich auf der Stelle, oder bei Gott!...

Unverſchämter! rief nun auch der Capitän, ſich ſtolz emporrichtend,Sie wagen es, Ihre Hand nach mir auszuſtrecken! Haben Sie vergeſſen, Sclave, daß Sie einem Ihrer Herren gegenüberſtehen?... Wohlan, Sie wollen es nicht anders und ſo mag es geſchehen ich werde Sie dem Kriegsgerichte überliefern!

Während der Officier dieſe Worte ſprach, um⸗ faßte ſeine Rechte zugleich den Arm des Fremden, in der Abſicht, dieſen feſtzuhalten. Aber er hatte die Kraft ſeines Gegners nicht erwogen, welcher ſich, in

dem er einen dumpfen Ausruf der Wuth hören ließ, mit einem einzigen Ruck frei machte und gleichzeitig ſeinen Angreifer an der Bruſt packte und dieſen heftig zu ſchütteln begann.

O, hätten wir nur Beide Waffen, rief er, es ſollte dann ein Kampf auf Leben und Tod werden! Aber ſo... nun, ich will Ihnen, Sie Uebermüthiger, wenigſtens zeigen, daß die deutſche Kraft noch nicht erlahmt iſt, ich will Ihnen für einige Zeit die Liebes⸗ gedanken vertreiben... ich will Sie mit unſerem

Novellen⸗

Jeitung.

heimathlichen Fauſtrecht bekannt machen und erlaſſe daß Ihnen dafür Ihr Kriegsgericht! läß Indem der junge Mann dieſe Worte in leiden⸗

ſchaftlicher Erregtheit ausſtieß, fuhr er fort, dem alls Franzoſen mit Entſchloſſenheit zu Leibe zu gehen, und zwe dieſer fühlte bald, daß er es mit einem überlegenen zoſe Gegner zu thun habe. Er rang, um die gegen ihn alſo gerichteten Angriffe abzuwehren, und es gelang ihm ein endlich auch, ſich für einen Augenblick von ſeinem ein Angreifer loszumachen. zu .Iſt es nun genug? fragte dieſer, indem er ſich nich mit hochathmender Bruſt und mit geröthetem Geſicht etwe dem Franzoſen gegenüber ſtellte.Eine kleine Lehre Per

für Ihren Uebermuth konnte Ihnen nichts ſchaden

und ich denke, Sie werden ſich dieſelbe zu Herzen Lack nehmen. Sollten Sie aber dennoch fortfahren, dieſes faſt junge Mädchen durch Ihre Zudringlichkeiten zu be⸗. läſtigen, ſo halten Sie ſich überzeugt, daß ich zu deſſen Suf Schutz in der Nähe ſein werde und dann, Capitän, daß ſprechen wir ein ernſtes Wort miteinander! er Das wird ſich finden, entgegnete der Franzoſe, fah indem ſich ſeine Brauen zuſammenzogen und man 3 es ihm deutlich anſah, daß ſich ſein militäriſcher Stolz rie da egen empörte, mit einem Menſchen in Thätigkeit wa

gerathen zu ſein, von dem er nicht wußte, zu welcher Claſſe der Geſellſchaft er ihn zählen ſollte; denn war. ſeine Sprache auch ſehlerfrei, ja ſogar ausdrucksvoll, und lag in ſeinen Geſichtszügen auch Etwas, was ihn als einen den höheren Ständen angehörenden Manu 4 bezeichnete, ſo machte ſich doch auch wieder bei ihm 2 ſo Manches bemerkbar, aus dem ſich eine gewiſſe Ver wilderung eckeynen ließ, welche bei ſolchen Perſon hervortritt, die aus den urſprünglichen guten Verhä niſſen, in denen ſie lebten, durch eikene Schuld heraus⸗ geriſſen ſind und die nunmehr im Niederen Umgange und im Genuſſe roher Vergnügungen ihre einſtig beſſere Vergangenheit zu vergeſſen und ⸗Die mahnende Stimme ihres Inneren durch ein wildes, zügelloſe Leben zum Schweigen zu bringen ſuchen. N 3

Solche Betrachtungen mochten ſich wohl auf Capitän aufdrängen und bei ihm den Entſchluß 8 Reife gebracht haben, für den Augenblick das Fo) zu räumen und ſeinen Rückzug anzutreten. S Stolz empoͤrte ſich aber dagegen, irgend einen Sch⸗n von Furcht blicken zu laſſen, und indem er ſich daher jetzt langſam auf dem Abſatz herumdrehte, um int das Haus zurückzukehren, ſagte er, zu dem Fremdenn ge⸗ wendet, mit drohender Stimme und zornblitzenden Augen:

Wir herden uns wiederſehen, daraluf können Sie ſich verlaſſen und dann ſollen Sie der gebüh⸗ renden Strafe nicht entgehen; ich werde Sorge tragen,