Jahrgang 
27-52 (1867)
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Novellen⸗Zeitung.

Es ruft im Sturm und Sonnenſchein Das Aehrenfeld, der Buchenhain,

Der Halm, der hin zur Erde ſinkt,

Der Baum ruft, der aus Wolken trinkt, Die Flur, ob Blüthenſchmuck ſie füllt, Ob ſie in Schnee und Eis ſich hüllt, Der Sturmwind, der das Meer durchwühlt, Das Lüftchen, das mit Blumen ſpielt, Es ruft der Horen Wechſeltanz,

Es ruft der Tag im Sonnenglanz,

Im Sternenkranze ruft die Nacht:

Es iſt ein Gott, der uns gemacht!

Horch! wie rings Lobgeſänge ſteigen Empor zu ihm, dem Herrn der Welt! Ihn preiſt, da ſeine Menſchen ſchweigen, Ihn preiſt und lobet Wald und Feld. Die Lerche dort in blauer Höh',

Das Heimchen hier im grünen Klee,

Im Felſenthal der Waſſeerfall,

In Buſch und Hain die Nachtigall Was lebt und webt und loben kann, Es ſtimmt dem Herrn ein Loblied an. Ihn preiſt des Zephyrs ſanftes Weh'n, Der Windsbraut heulendes Getön,

Der Donner, der im Wetter grollt, Der Strom, der über Felſen rollt,. Das Bächlein und das weite Meer Sie jauchzen auf zu Gottes Ehr'.

O Menſch, ſtimm' in das Lob mit ein, Daß nicht die Steine für Dich ſchrei'n! Auf! auf! bring' ihm Aubetung dar, Ihm, der da iſt, ſein wird und war!

Du fragſt, warum ich weine? Wer iſt, ihn auszuſprechen Den tiefen, tiefen Schmerz, Wenn man im Tod ſieht brechen Das treue Mutterherz;

Wenn nach dem letztenn er Das Mutteraug' ſi ßt, Das uns mit gleicher Liebe

Im Glück und Leid begrüßt;

Wenn unter'm Todeskampfe Die Mutterhand erbebt, Die Hand, die ohn' Ermüden Für uns geſchafft, gewebt;

Die Hand, die uns getragen, Die Hand, die uns gepflegt, Die uns in Krankheitstagen Den Pfühl zurecht gelegt,

Die in der Gluth des Fiebers Den matten Leib erfriſcht, Die Hand, die manche Thräne Vom Auge uns gewiſcht!

Du fragſt, warum ich weine?

O, wirſt mich nun verſteh'n: Ich hab' im Todtenſchreine Das Mutterherz geſeh'n!

An die Nacht.

Stille Nacht! dein tiefer Schatten Deckt die weite Erde zu;

Allen Müden, Kranken, Matten Spendeſt Stärkung du und Ruh'.

Von des Tages Lärm und Schwalle, Von der Arbeit Druck und Laſt Finden ſie nun Alle, Alle

Die erſehnte kurze Raſt.

Nur in meines Buſens Klopfen Regt ſich mächtig noch der Schmerz. Deines Friedens einen Tropfen Gieß, o Nacht, auch in mein Herz!

Hülle, hülle meine Wunden,

Meiner Seele Weh und Leid,

Hüll' es ob auch nur auf Stunden In den Schlei'r Vergeſſenheit!

Ach! ich bin des Kampfes müde; Sehne mich nach kurzer Ruh'! Komm und ſchließ, o ſüßer Friede, Mir das heiße Auge zu!

Litekariſche Briefe von Otto Banck.

Altisländiſche Volksballaden und Helden⸗ lieder der Färinger von P. J. Will n. Bremen, bei Geisler.

Indem Sie ſich der tüchtigen U en auf ähnlichem Gebiete erinnern, welche Roſa Warrens edirte und welche in dieſem Blatte eine Erwähnung fanden, werden Sie bei näherer Bekanntſchaft mit dem vorſtehenden Buche finden, daß daſſelbe ebenfalls ein lobenswerthes Verdienſt hat. Der mit der hochnor⸗ diſchen und ſcandinaviſchen Dichtkunſt vertraute und rühmlichſt bekannte Autor überſetzte hier viele oft ur⸗