Jahrgang 
27-52 (1867)
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Novellen

als ob's zum Friedhof ginge, ſetzte ſich das Gefährt in Bewegung.

Wenig ſpäter folgten die Herrſchaften nebſt Herrn von Blumenthal. Und wer nun mit der grauſigſten aller grauſigen Launen durch Lauchſtedt rannte? Natür⸗ lich, unſer Kirms. Ruinirt ſei das ganze Theater! Keine Beckerin, kein Becker nichts, gar nichts mehr! O, das käme von dem millionenmal ver⸗ wünſchten Heirathen! Abſcheulich leer ſei's jetzt im Hauſe, weil die Liebhaberin fehle. Und wie ſich Jeder im Spiel zwinge; natürlich, die Gedanken wären drüben in Weimar. Und daß man auf Goethe Rückſicht nehme, das verſtände ſich ganz von ſelbſt, allein zu weit dürfe man darin doch auch nicht gehen! Ihm verſchweigen, daß Chriſtel auf den Tod liege? Nicht einmal andeuten, daß ſie von Neuem erkraukt? So wolle es der Arzt, und das ſcheine ihm, Kirms, durch⸗ aus verkehrt gehandelt. Denn nun müſſe er thun, als ſei nichts vorgefallen, und mit der Geſellſchaft, die am liebſten in der nächſten Stunde nach Weimar liefe, ruhig hierbleiben und trotz der leeren Bänke weiterſpielen laſſen. O die Heirath! O die Aerzte! O die Rückſicht!

So wetterte der Land-Kammerrath an allen Ecken und Enden, während vor den Augen Derer, die Chriſtel umſtanden, ein Hoffnungsſtern nach dem andern ſank. Der Schlummer war wieder von ihr gewichen, ſie wußte jetzt, wo ſie weilte und wer neben ihrem Lager ſtand, und ſie freute ſich dieſer Umgebung und der Ruhe, der ſie ſich hingeben konnte. Ja, ſo werde ſie bald geneſen und dann wie neugeboren in Goethe's Arme fliegen, wenn er heimgekehrt aus dem Lande der Freiheit. Nur den väterlichen Freund nichts von ihrer Krankheit wiſſen laſſen!Verſprechen Sie es mir, bat ſie. Sie meinte, es würde ihn doch beunruhigen, obgleich er ja am beſten wiſſe, daß ihr Leiden gleich einem Schatten ſei, der über einen ſonnigen Weg huſche..

O, glücklich Der, der ſo hinübergehen kann, mit

einem Lächeln auf der Lippe!. Nagt ein Wurm in diefe Bruſt? Blickt der

Himmel mit neidiſchem Auge auf Euphroſyne? Ver⸗

langt es die Engel in der Höhe nach einem Genoſſen? Fraget nicht. Verhüllet das Haupt und weinet.

Mehr oder weniger: Trödel iſt doch Alles!..

In der Nebenſtube weilten die Trauernden: die Fürſtin, Corona Schröter, der Baron. Hatte nicht Anna Amalia einſt geſprochen:Liebe Chriſtel, wenn ich ſterbe, mußt Du dabei ſein? Bah, ſo iſt's in der Welt: wir machen Pläne und Freund Tod ſchlägt ein Schnippchen. Lache doch, wer kann! Der Baron

Zeitung.

nach Berlin eingeſchlagen, zurückrufen ſollte; doch mußte nicht ihr unerwartetes Eintreffen die Kranke ſtaunen machen, ihre Bruſt mit trüben Ahnungen er⸗ füllen? Und aus demſelben Grunde hatte es der Medicus für gut befunden, nur unwahre Nachrichten an Goethe gelangen zu laſſen; er ſagte ſich ſehr rich⸗ tig, daß Goethe, ſobald man ihm die Augen öffne, unverzüglich heimkehren und daß damit von Chriſtel's Augen die Binde geriſſen würde.

Ein ſtarkes Herz, das Heinrich's. Da ſaß er nun am Sterbebette und las der Frau aus einem winzigen, eben in Braunſchweig erſchienenen Büchlein vor, welches der Drucker, Herr Friedrich Vieweg, auf Goethe's Wunſch an Beckers geſendet. Es warHer⸗ mann und Dorothea. Immer wieder mußte Heinrich von vorn beginnen, und beſonders war es der Ge⸗ ſangMutter und Sohn, aus dem Chriſtel ein Hauch der Unſterblichkeit anwehte. Wenn der Mann ſchwieg, ließ ſie das Büchlein ſich reichen und legte es auf ihr Herz und faltete die Hände darüber und dachte an Den, deſſen Herzen dieſer wunderbare Sang entſproſſen:o, wenn du geneſen biſt, und er kehrt zurück wird das ein ſeliges Wiederſehen!

Und eine Minute, eine heimliche Thräne folgte der anderndie Stunde rennt auch durch den rauhſten Tag. 3

Von Kirms kamen Jammerbriefe nach Weimar: die Geſellſchaft habe keine Ruhe, ſie ſpiele grund⸗ ſchlecht, was natürlich kein Wunder wäre; das Publi⸗ cum würde nächſtens ganz fortbleiben und bald kein Groſchen mehr einkommen. Da orduete der Herzog

Goethe's Recht zu verantworten wiſſen.

Zwei Tage darauf rollten die bekannten Theater⸗ wagen durch's Weimarer Thor.

Und die Sonue ging auf und nieder, kürzer wurden die Tage, der Monat September war da.

Der Schlaf weilte viel und lange an Chriſtel's Lager; enn ſie erwachte, lächelte ſie. Häufig kamen Briefe aus Stäfa. Der Arzt wußte, daß bald Einer

aber er ſagte nichts.

Und der 22. September des Jahres 1797 brach an und die goldigſte Herbſtſonne lag auf den Dächern und Silberfädchen durchzogen die klare Luft. Aber alle Menſchen waren traurig, ſehr traurig; denn ob⸗ gleich der Arzt ſtumm wie das Grab war, ſo fühlten doch Alle, daß die liebe ſüße Frau zum letzten Male in die Sonne blicken würde.

Und ſie ſchaute hinein lange, lange, und dann nahte wieder der Schlaf und küßte ſie auf die Augen.

hatte geſchwankt, ob er ſeine Kinder, die den Weg

Nacht war's, da ſie erwachte; auf zwoͤlf ging die Uhr.

ſchleunige Rückkehr an; er werde dieſen E Errn

vor der Thür ſtehen und die Senſe ſchärfen würde;

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