Jahrgang 
27-52 (1867)
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Dierte Holge. 675

Seine kurze Meinung war: man ſolle ſie an ihrem ſyne einen heitern Abſchied nehmen. Sie rief noch Verlangen nicht hindern; ſo wird von Denen geſprochen, in den Wagen:Auf Wiederſehen! Bringen Sie die einRettungslos an der Stirn tragen. Ihrem Töchterchen recht was Schönes mit!

Genug, mit einigen leichten Rollen nahm Chriſtel Und dann? Immer größer war der Zwang, den ihre Thätigkeit wieder auf. Wie freudig ward ſie Chriſtel ſich auferlegte. Sie hatte einſt Goethe von willkommen geheißen! Ueber Erwarten war das, was einem Maler mit Namen Pretel erzählen hören, den ſie leiſtete, ja, es wollte der Mehrzahl dünken, als Lavater ob ſeiner grenzenloſen Energie den Mann habe ſich die vielgeprieſene Milde in ihrem Spiele mit der eiſernen Stirn genannt und nun fuhr's noch geſteigert. Wer hätte darüber glücklicher ſein durch ihr Köpfchen, es dahin zu bringen, daß ſie die können, als ſie ſelbſt? An ihre Krankheit dachte ſie: Frau mit der eiſernen Stirn genannt werde. Und nun gar nicht mehr und ihr innigſter Wunſch war darum, mochten auch Alle noch ſo ſehr bitten und jetzt der: die Blama inJulius von Tarent von V warnen, ließ ſie vom Studium und Spiel nicht ab, Leiſewitz darzuſtellen. Uns iſt bekannt, daß Goethe ja, gerade die Rollen wählte ſie jetzt aus, welche die dieſe Dichtung ſchon lange gern auf die Breter ge⸗ größte Anſtrengung erforderten. Heute Emilia Galotti, bracht hätte, allein was erklärlicher, als daß er trotz⸗ morgen Ophelia; dann Egmont's Klärchen, dann dem und nun mehr wie je mit der Scenirung der⸗ Iſabella in Beck'sQuälgeiſter und dann? ſelben zauderte? Wie ſchwierig und angreifend warLiebhaber und Nebenbuhler von Ziegler ward eine Rolle wie Blama! Doch Chriſtel ließ mit Bitten gegeben. Die Marie in dieſem Stücke war eine von nicht nach und abermals forderte der Arzt, daß ihren Chriſtel's anmuthigſten Rollen. Deshalb war das Wünſchen Folge geleiſtet werde; da gelangte an Becker Haus bis zum Dache gefüllt. Aber wie auffallend und Genaſt der Befehl,Julius von Tarent unver⸗ matt die kleine Frau diesmal ſpielte und wie ſie zu zuüglichauszutheilen. weilen in der Rede ſtockte und wie

Um dieſe Zeit kam die Brieftaube aus Rom an. Genaſt trat beim Beginn des dritten Aufzuges Heinrich Meyer meldete ſeine Abreiſe aus der ewigen vor die Rampe. Er wollte ſprechen, ihm verſagte Stadt und ſprach ſeine große Freude über die bevor⸗ die Stimme, er konnte nur mit den Achſeln zucken. ſtehende Begegnung mit Goethe in Stäfa aus. Jetzt V Doch das Publicum verſtand ihn und entfernte ſich

aber verwünſchte der Dichter den Schloßbau und den ſchweigend, tief traurig....

ihm gewordenen Auftrag; er habe jede Luſt zur Reiſe Mußte Chriſtel erkennen lernen, daß der große verloren; mindeſtens wolle er warten, bis Leiſewitz' Erntemann ſelbſt über eiſerne Stirnen ſpottet? Dichtung über die Breter gegangen; wenn ſein Lieb⸗ Der Tod? Hätte man ihr vom Tode geſprochen,

ling im Stande ſei, ſolch' eine Partie ohne nach⸗ ſie würde gelächelt haben. Nach Weimar verlangte

vgne jede Beſorgniß von ihm Abſchied nehmen. wollte ſie dort, ſich der Ruhe hingeben, um dann

Und ſiehe da! die vielbeſprochene Tragödie ward wie neugeboren zum Schauplatz ihrer Thätigkeit zurück⸗ gegeben und Frau Becker entwickelte ein begeiſtertes kehren zu können. Das waren ihre Worte, als ſie und begeiſterndes Spiel. Mit einem Blumenregen in der Nacht, die dem unterbrochenen Schauſpiel folgte, ward ſie überſchüttet. Am nächſten Morgen kam die Beſinnung wiederfand; und ſogleich befahl der Goethe zu ihr. Allerdings, er ſtutzte, als er ihr in's Arzt, ſchleunige Anſtalten zur Abreiſe zu treffen. Auge ſah, allein je häufiger er fragte, wie ſie geſchlafen?Madame Becker verläßt uns! hieß es am andern je öfter ließ ſie einprächtig, prächtig hören. Daß Morgen in Lauchſtedt, und Jeder, der über einen ſich während der ganzen Nacht kein Schlummer ihrer Wagen verfügte, eeilte ſich, ihn Heinrich anzubieten; erbarmt, das hätte ſie um keinen Preis geſtanden; allein die Herzogin Mutter beſtand darauf, daß der was wäre die nächſte Folge geweſen? Man würde ihre genommen werde, da er auf vier Pariſer Doppel⸗ ihr Ruhe aufgedrungen und Goethe ſeine Abreiſe federn ruhe. verſchoben haben. Und dennoch zauderte er. Er be⸗ Die Abfahrt ging vor ſich. Ganz Lauchſtedt war gehrte den Rath des Arztes. Und dieſer? Um Chriſtel's um den Wagen verſammelt, die Kranke noch einmal und um Goethe's willen mußte er ſofort für die Reiſe zu begrüßen, noch einen ihrer ſüßen Blicke zu erhaſchen. ſtimmen; ein einziges Achſelzucken, ein leiſeſtes Be⸗ Vergebliche Wünſche. Die in der Nacht zurückgekehrte denken hätte von Beider Augen die Binde geriſſen; Beſinnung warbeimerſten Morgenſtrahl wieder gewichen, und das mußte er, um nicht den Seelenfrieden zu und den zahlloſen Freunden ward kein Gruß, kein untergraben, ſo lange wie möglich verhindern. Wort des Abſchieds. Chriſtel wurde in den Wagen

Deshalb konnten der Dichter und ſeine Euphro⸗ gehoben, auf den Vorderſitz gelegt, und ganz laugſam,

tbeilig⸗ Folgen darzuſtellen, ſo könne er ja getroſt ſi 3 ie 2 ſchließe jeſe 4 SJolg. ſie, nicht um da die Augen zu ſchließen geneſen ¹ V