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* 1 dienlich ſind, und war's nicht dem werthen Hofrath nach jedem gelockerten Weſtenknopfe wohler geworden?
Und der Herr Conſiſtorialrath? Mochten Speiſen
und Getränke auch noch ſo vortrefflich ſein, er vergaß doch nie das Amt, welches er bekleidete, nie ſtreifte er die Würde ab, nie nahm er die bekannte ſchwarze Brille von der Naſe; allein heute hatten die Brillen— gläſer doch bedeutend an Schwärze verloren und der, obgleich ſo mäßig genoſſene Wein war dem ſteten Gedanken an„Renien“ dennoch höchſt zuträglich ge⸗ weſen.
Kurz: weder Wieland noch Herder hatten dem Winke Chriſtel's widerſtehen können, um ſo weniger, da ihnen Goethe auf halbem Wege entgegenkam. Die Hände fanden ſich, Wieland ſpitzte ſogar die Lippen, nachdem er gerufen:„Herr Bruder, trotz«fade und leer⸗, trotz der„zierlichen Jungfrau von Weimar⸗!“
„Vergeſſen ſei's,“ ſagte Herder mit entſprechender Handbewegung.
Ein wenig ſeitwärts lehnte Chriſtel an einem leeren Stuhl. Ihr ſtrahlender Blick ſchweifte zum Herzog und der Herzogin hinüber. Karl Auguſt, mit einer Fiſch⸗ und Champignonpaſtete beſchäftigt, hatte nichts von dem Allen bemerkt; Anna Amalia hingegen, die nie über der Tafel die Umgebung vergaß, war keine Bewegung entgangen. Und jetzt, Chriſtel's Blick erhaſchend und darin deren Wunſch leſend, bat ſie leiſe den Sohn, einen Augenblick den Appetit zu zähmen. Verwundert ſchaute der Fürſt auf. Dann flüſterten Beide zuſammen, dann lachte und nickte der Herzog und die Herzogin lachte und nickte auch und hob den Fächer gegen Chriſtel und da—
Flog dieſe wie ein Pfeil herbei und wieder hin⸗ über zum Herrn und Meiſter. Und blitzſchnell war Goethe von Herder's und Wieland's Seite verſchwun⸗ den und gleich dem Winde eilte er um die Tafel und zu den Herrſchaften und— 4
„Na, Wolfgang,“ rief Karl Auguſt, der ſich dieſer vertraulichen Anrede hisher nur unter vier Augen
bedient,„na, das Segelſtreichen iſt geweſen und das
Hühnchen gründlich gepflückt!“
„Wie Anno 83“ lachte die Herzogin. ſtrengem Winter—“
„Kommt der Lenz deſto lieblicher in's Land,“ fiel der Dichter, ſich verneigend, ein.
Horch! da bittet Wieland um's Wort. Schäumt nicht der Champagner Clicquot veuve? Fürwahr, mit dieſem Göttertrank kommt erſt die rechte und ächte Begeiſterung über Wieland. Wie ſein Auge funkelt, wie die Rede von ſeiner Lippe ſprüht!„Meine Herr⸗ ſchaften,“ ruft er,„wir feiern Hochzeit und Geneſung. Zum dritten Male: das junge Paar hoch! und zum
„Nach
solge 663 erſten Male: Die hoch, die Einigen unter uns eine Medicin gebracht, welche wunde Herzen ſo gründlich geheilt hat, daß ſie geſund bleiben bis zum letzten Schlage! Hoch der weibliche Arzt! Hoch die Spen⸗ derin des Frohſinnes und der Heiterkeit! Euphroſyne hoch!“ 4
Und ringsum ein Jubel:„Hoch Euphroſyne!“
Und Chriſtel jauchzt:„Mein Goethe! Wieder mein Goethe!“ 4
In dieſem Augenblick öffnet ſich eine Seitenthür, und was dem Baron geahnt, trifft richtig ein: Corona Schröter, Genaſt und Haide, die ſich vorhin von der Tafel fortgeſchlichen, ſtehen verkleidet da; ſie führen einen Vorſpielſcherz von Herrn von Kotzebue auf. O, iſt Papa Baron darüber erfreut! Der Inhalt: ein junger Mann, kaum trocken hinter den Ohren, läuft einer Theaterſchönen nach, die, da ſie einen Tugend⸗ panzer trägt, von dem Anbeter nichts wiſſen will und ihn ſchließlich an ſeinen Vater verräth— dieſer In⸗ halt ſteigert trotz ſeiner Dürftigkeit die ſchon hoch⸗ wogende Heiterkeit. Bedarf es Kopfzerbrechens? Die Bezüge liegen ja ſo nahe, als hätte der unſterbliche Kotzebue das Stück zu dieſem Tage geſchrieben. Corona ſtellt das Rudelchen, Genaſt den Junker Hans, Haide den Baron dar; und wie Vater und Sohn, ungeachtet dieſes Entſchleierns der Vergangenheit, fröhlich mit den Fröhlichen ſind, und wie Thekla lacht: „Lieber Hans, Dein Frauchen iſt nicht eiferſüchtig!“ und wie der Baron auch dieſes Stück ſehr moraliſch findet und abermals erkärt, daß es von größter Wich— tigkeit ſein würde, wenn jede kleine Stadt ihr Theater haben könnte, denn ein ſolches befördere Bildung, Sitte und Anſtand in ganz erſtaunlichem Grade!..
(Schluß folgt.)
Gedichte von Ludwig Evers.*)
Ade!
Noch einen Gruß zu dieſer Stund', Noch einen Kuß auf roſ'gen Mund, Noch einen Druck von weicher Hand— Es ruft die Pflicht zum Waffenſpiel, Die Freiheit iſt das große Ziel,
Die Freiheit und das Vaterland!
Wie Frühlingsgrüßen, holde Maid,
Iſt deiner Liebe Seligkeit,
Gedichte von Ludwig
1868.
)„Aus Evers.
vergangenen Tagen“. Leipzig, Verlag von Otto Wigand 9 9


