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Haltloſigkeit gezeigt hatte, übernahm das Kuppleramt,
ſondern es half dabei auch noch ein Weib, die Be
und um ſein Gewiſſen zu beruhigen, ſchrieb
immer ſtreng wahrheitsgetreu ſind, ſagt er unter Anderm:
„Nunmehr noch etwas von meiner vorigen Lebens⸗
geſchichte. Ich habe zwei Schweſtern zu Weibern gehabt. Auf eine ſonderbare Art, zu weitläufig hier zu erzählen, kam ich dazu, die erſte zu heirathen, ohne ſie zu lieben. Ja, ſchon als ich mit ihr vor den Altar trat, trug ich den Zunder zu der glühendſten Leidenſchaft für die zweite, die damals noch ein Kind und kaum vierzehn bis fünfzehn Jahre alt war, in meinem Herzen. Ich fühlte das wohl; allein aus ziemlicher Unbekanntſchaft mit mir ſelbſt hielt ich es, ob ich's mir gleich nicht ganz ableugnen konnte, höch⸗ ſtens für einen kleinen Fieberanfall, der ſich bald geben würde. Hätte ich nur einen halben Blick in die grauſame Zukunft thun können, ſo wäre es Pflicht geweſen, ſelbſt vor dem Altar vor dem Segensſpruch noch zurück zu treten. Mein Fieber legte ſich nicht, ſondern wurde durch eine Reihe von faſt zehn Jahren immer heftiger, immer unauslöſchlicher. In eben dem Maße, als ich liebte, wurde ich von der Höchſtgeliebten wieder geliebt. O, ich würde ein Buch ſchreiben müſſen, wenn ich die Martergeſchichte dieſer Jahre und ſo viele der grauſamſten Kämpfe zwiſchen Liebe und Pflicht erzählen wollte. Wäre das mir ange⸗ traute Weib ein Weib von gemeinem Schlage, wäre ſie minder billig und großmüthig geweſen(worin ſie freilich von einiger Herzens⸗Gleichgültigkeit gegen mich unterſtützt wurde): ſo wäre ich zuverläſſig längſt zu Grunde gegangen und würde jetzt dieſe Zeilen nicht mehr ſchreiben können. Was der Eigenſinn weltlicher Geſetze nicht geſtattet haben würde, das glaubten drei Perſonen ſich zu ihrer allerſeitigen Rettung vom Verderben ſelbſt geſtatten zu dürfen. Die Angetraute entſchloß ſich, mein Weib öffentlich
er ſeiner Braut vor ihrem definitiven Entſchluß einen Brief
voll„offener“ Geſtändniſſe über ſich und ſeine Lage. Wir wollen hier Einiges aus dieſem Briefe leſen, um wenigſtens zu zeigen, daß er nach„ſeiner Art“ das Möglichſte that oder wenigſtens zu thun gedachte. Nach⸗ dem er manche Erörterungen angeſtellt, die leider nicht
Novellen⸗Zeitung.
Einzige, Höchſtgefeierte meines Herzens; allein nach kurzem, glückſeligem Beſitze verlor ich auch ſie am 9. Januar 1786, nach der Geburt der jüngſten Tochter, an einem hektiſchen Fieber. Was ihr Beſitz, was ihr Verluſt mir war, das ſagen meine Freuden⸗ und Trauerlieder. Seit dieſer Zeit bin ich einſam und trau⸗ rig mit ſehnendem Herzen.
Kann Eliſen der Mann noch reizen, der ſo vor
ſelbſt eben nicht zum Vortheile geredet. Etwas iſt indeſſen doch wohl Demjenigen erlaubt, zu ſeinem Beſten zu ſagen, der keinen ſeiner wichtigſten Fehler vorſätzlich verſchwieg. Dem Weibe, das mich, ſo wie ich da bin, zu lieben vermag, und welches ich mit voller Freude wieder liebe, darf ich ein nicht unglück⸗ liches Leben verſprechen. Iſt es ihr ſüß, von mir geliebt, an meinem Buſen gehegt und gepflegt zu werden, ſo wird es ihr nie an voller Genüge ermangeln. Denn wenn ich einmal recht und von Herzen liebe, ſo liebe ich gewiß unveränderlich und keine Fülle des Genuſſes kann mich des geliebten Weibes ſatt und überdrüſſig machen, ſo gemein auch die Bemerkung iſt: der Genuß ſei das Grab der Liebe. Nur After⸗ liebe, die den heiligen Namen nicht verdient, erkaltet im Bette der Ehe. Der wahren Liebe, meiner wahren Liebe bleibt dies immer ein Brautbett. Auch das Weib, welches ich unglücklich wäre nach der unzer⸗ trennlichſten Verbindung nicht mehr zu lieben, darf wenigſtens keine unedle und rauhe Begegnung von mir fürchten. Das bezeuge mir noch in jener Welt Die, mit welcher ich zehn Jahre ohne ein rohes, un⸗ freundliches. Wort verlebte, ob ich ſie gleich nicht liebte. Eher möchte ich vielleicht fähig ſein, mit der Höchſtgeliebten meines Herzens, doch nur über gearg⸗ wohnten Mangel an ihrer Gegenliebe, zu hadern. Gott bewahre mich vor einem Weibe, das mich für meine Liebe nicht vollauf wieder liebt! Noch bin iich in dieſem Falle zwar nicht geweſen, aber mich däucht, es würde von allen möglichen der ſchlimmſte ſein. Leicht könnte ich dann der unerträglichſte Menſch werden. Denn es kommt mir vor, als ſei ich großer Eiferſucht fähig. Freilich nicht, nach gemeiner Männer Weiſe, zum Hüten und Auskundſchaften der Schritte und Tritte meines Weibes; nicht zur Einſchränkung
Auszehrung, die in ihrer Familie erblich war. Im
⸗ Jahre 1785 heirathete ich öͤffentlich und förmlich die ſitzerin jenes Journals. Die romantiſch abenteuer⸗
lich geſchloſſene Bekanntſchaft endete raſch mit einer übereilten Heirath. Bürger fühlte dieſe Uebereilung
ihr daſteht? Noch habe ich, wie mir vorkommt, mir
und vor der Welt nur zu beißen, und die Andere, ihrer Freiheit in irgend einer Art des Umganges: im Geheimen es wirklich zu ſein. Dies brachte nun ſaber heimliche Verzweiflung würde mein Herz zerflei⸗ zwar mehr Ruhe in Aller Herzen; aber es brachte ſchen, und in der grauſenden Geſtalt eines Höllen⸗Ver⸗ auch eine andere höchſt angſt- und kummervolle Ver⸗ dammten würde ich vor ihrem Angeſichte umher ſchleichen. legenheit zu Wege.— Nun, Eliſe, prüfen Sie ſich und mich! Erkun⸗ Im Jahre 1784 ſtarb meine erſte Frau an der digen Sie ſich wo möglich nach mir und meinen


