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Die Entlarvten ſitzen in der Hölle. An Rettung iſt nicht mehr zu denken. Beckers hier— Hans iſt verloren! Von Collegen umgeben— Hedwig ſieht ſich ſchon vor Goethe's Richterſtuhl geſchleppt und nach
furchtbarer Donnerrede ausgeſtoßen!
„Meine Herrſchaften,“ ſpricht Haide,„betreten Sie einſtweilen das Häuschen. Ich werde zur Milch⸗ ſpenderin eilen und um Gläſer und Stühle bitten. Gleich bin ich wieder bei Ihnen. Mundſchenk Ge⸗ naſt mag derweil die Flaſchen entkorken.“
Ein Aeußerſtes wagt da Hans. Mit verſtellter Stimme ruft er den Nahenden zu:„Das Paradies iſt beſetzt!“
„Ah,“ macht die Geſellſchaft,„wir ſind nicht allein;“ und Genaſt lacht:„Ein koſendes Pärchen. Bitte, meine holden Unbekannten, laſſen Sie ſich nicht ſtören, im Paradieſe iſt für Alle Platz.“
Hans und Hedwig haben ein Gefühl, als ob ſie von tauſend Teufeln langſam geſchunden würden.
Der Mond empfindet auch nicht das geringſte Mitleid.
Unfer Junker ſchäumt.„Wir waren zuerſt hier! Wir wollen allein ſein!“ Diesmal vergißt er über dem Zorn die Stimme zu verſtellen und—
„Hans!!“ rufen Becker und Chriſtel, und„Die Wilberg!!“ ruft Genaſt, dem vor Staunen und Schreck die Flaſchen entſinken.
Dann wird's einen Moment ſtill.
Chriſtel weint Thränen innigſten Mitleids.„Arme, arme Thekla!— Ach, Heinrich, hätten wir doch ge⸗ ſprochen, ſie vor dieſem Menſchen gewarnt! Wir hegten eine zu gute Meinung von dem—“
„Nichtswürdigen!“ braust Becker auf.„Mit dem erſten beſten Stocke möchte ich ihn ſo lange ſchlagen, bis—“
Genaſt fällt ihm in die Rede:„Dieſe Wilberg! Ha, ha, eine nette Collegin! Ein Anderer mag be⸗ greifen, wie ſie uns nur ſo lange ſo täuſchen konnte!“
„Kinder,“ ruft jetzt Vohs, der Schweigſame, „deshalb braucht unſer Vergnügen nicht zu Waſſer zu werden. Seht, da kommt Haide mit der Frau und Gläſern und Stühlen.“
„Mit dieſer Wilberg,“ verſichert Mama Porth, „ſpreche ich nie, nie wieder!“
„Und warum verſchwindet ſie nicht auf franzö⸗ ſiſch?“ meint ihr Gatte.
„Sie iſt zu Eis erſtarrt,“ erklärt Vohs.
Allerdings ſteht Hedwig wie angewurzelt da. Vor ihrem Auge tanzt Alles. Sie iſt nicht im Stande, die Collegen zu bitten, ihr zu verzeihen, dieſen Auf⸗ tritt zu vergeſſen; ſie iſt im wahrſten Sinne des Worts verſtummt.
Rovellen⸗Zeitung.
Jetzt findet Hans, der derweil an ſeiner Unter⸗ lippe genagt, die Sprache wieder. Einen Nichts⸗ würdigen hat Becker ihn genannt—„Herr!“ ruft er, „erkläpen Sie ſich deutlicher, oder—!“
Haide, Vohs, Genaſt und Porth brechen in ein lautes Gelächter aus.
Chriſtel gewahrt ein Gewitter, welches auf ihres Mannes Stirn emporſteigt. Sie bemüht ſich, es zu verſcheuchen, und deshalb bittet ſie:„Komm, lieber Heinrich, wir laſſen uns nieder. Freunde, kommt. Dieſer Menſch ſoll uns die Freude nicht ſtören.“
„Wir waren zuerſt hier,“ verſetzt mit ſchneiden⸗ der Stimme Junker Hans,„Niemand hat hier etwas zu ſuchen!— Mademoiſelle Wilberg, ſetzen Sie ſich. — Ich möchte doch wiſſen, wer uns vertreiben will!“
Ueber Becker's Stirn zuckt der erſte Blitz:„Bube! Frecher Bube!“
Der Junker greift nach einem der Stühle, welche
die Häuslerin gebracht.„Noch ein Wort, Canallle,
und ich zerſchmettere Dir den Schädel!“ „Heinrich! Heinrich!“ fleht Chriſtel.
„Wir wollen gehen!“ rufen die Andern.
„Gehen?“ ruft Becker und ſeine Geſtalt zittert. „Dieſes Schurken willen gehen?— Macht der Bube jetzt Platz?!“ Aus Hans' lebenden Lippen bricht ein ſataniſches Lachen.„Der Junker dem— dem— Komödianten weichen? Das wäre! Mein Herr, Sie moͤgen in einem Tollhauſe zur Welt gekommen ſein, ich nicht!— Heda, Häuslerin, Milch her!“ Daß trotz aller Vorſicht ſein verwegenes Spiel entdeckt, das weiß er ja zur Ge⸗ nüge; aber deshalb vor„Plebs“ den Degen ſenken? Nein, bis zum letzen Momente ein ganzer von Blu⸗ menthal! 5 Der Mond verbirgt ſich hinter einer Wolke. Becker's, des beißblütigen Mannes, Rechte zuckt nach der geladenen Piſtole. Er ringt auf's Neue nach Worten, doch die Stimme verſagt ihm.
ſich das Geſindel packen? Eine dem Oheim zur Laſt fallen, dann davonlaufen, dann
die Schweſter verführen, dann—“
Der Piſtolenhahn knackt—
„Allmächtiger Gott!— Heinrich!!“ ſchreit Chri⸗
ſtel und ſpringt hinzu, ihrem Manne die Waffe zu
entreißen.. Die Männer werfen ſich dazwiſchen— Hedwig
kreiſcht— die Damen Porth ſinken in Ohnmacht—
Ein Druck, ein Blitz— ein Augenblick das Alles
infame Brut! Erſt
— ein Schrei— Hans bricht zuſammen.
(Forſetzung folgt.)
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Aber Hans iſt um Worte nicht verlegen.„Wird
An
Un


