628 Novellen⸗Zeitung.
der ihn häufig anwandelte, wußte er geſchickt vor Thekla zu verbergen; erſt Abends, an Hedwig's Seite, ſtellten ſeine Lippen und Naſenflügel jenes Zittern ein, von dem wir Alle zu erzählen wiſſen, wenn wir aus gewiſſen muſikaliſchen Kränzchen heimkehren oder von ſogenannten Leſeabenden mit vertheilten Rollen erlöſt ſind, die*——
Denn wenn die Sonne ſank, verabſchiedete er ſich von den Damen, die er natürlich nur dann in's Theater führte, wenn Hedwig auf der Bühne beſchäf⸗ tigt war. Unſere kleine Braut freilich fühlte ſich bis zum Schlafengehen gar ſo allein, aber dennoch ertrug ſie dieſe einſamen Stunden um Hans' willen gern, ſehr gern. Er ſtudirte ja und arbeitete an einem großen Werke über Ritter⸗ und Mönchsorden bis um die Mitternacht! Und wenn man, während er über dieſer rieſenſchweren Arbeit ſitze, auch tauſendmal an ſeine Thür poche, ſo werde er doch nicht einmal öffnen, hatte er verſichert. Zuweilen, bevor ſich Thekla ent⸗ kleidete, trat ſie wohl noch an's Fenſter und ſchaute hinüber. Gern hätte ſie dann einen Flügel empor⸗ geſchoben und„Gute Nacht!“ gerufen, allein niemals wagte ſie das, ihm war ja ſelbſt die kleinſte Stoͤrung ſo äußerſt verhaßt. Wie ſorgſam hatte er die Gar⸗! dinen zugeſteckt, wie traulich brannte dahinter das Licht Unſere Argloſe bangte, er möchte ſich zu viel zumuthen, er ſei auch gar nicht auf ſeine Geſundheit bedacht; man könne ihm das nächtliche Studium ſchon anſehen
Und wieder einmal iſt die Regenzeit, dieſe nigerin des Badelebens, in's Land gekommen. T
finſtern Wolken über Lauchſte dtſtehen ſo unbeweglich,
als ob ſie angebunden wären, und vom Morgen bis zum Abend ſeufzen die eingeſperrten Fremden:„Es
Ende der Saiſon regnen wollte!“ ruft Hans,„denn
Derweil wird's unten im Städtchen lebendig. Die Theatervorſtellnng, die heute Viele angelockt, eendet.„Minna von Barnhelm“ iſt „Die Leute eilen durch Pfützen ihren allein die Schirme brauchen nicht erden, der Regen hat nachgelaſſen. n im Paradieſe wiſſen nichts davon, Wind die verſchlungenen Wolken be⸗ ſiegt hat. Sie denkt an die Handſchuhe mit durch⸗
nähten Stulpen und an den Sapphirring, und er
denkt:„Wenn's doch immer und immer regnen wollte!“
Als in Lauchſtedt bereits wieder Grabesſtille
herrſcht, verlaſſen die Schauſpieler die Garderoben
und das Theater. „Hoſianna!“ ruft Haide,„Gott Pluvius hat ſein Hoflager verlegt!“ „Spenden wir ihm ein Dankopfer!“ ruft Vohs. „Willſt Du ein Rind ſchlachten oder eine ſuper⸗ feine Flaſche Naumburger austrinken?“ fragt Genaſt. „ Ich ſtimme für den Naumburger,“ wirft Becker ein. „Eine köſtliche Luft,“ ſagt Chriſtel. „Italieniſches Klima,“ lacht Frau Porth. „Die Frau,“ ſcherzt Herr Porth,„hat eine ſolche Sehnſucht nach Italien, daß ich ſtündlich fürchte, ſie i ber Nacht davongehen und—“ d dann laufen wir hinterdrein,“ ruft ſeine iederike.
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ud„ſchreitet man langſam vorwärts. l bleibt ſtehen.„Ach,“ ſeufzt ſie,„nun in die ſchwüle Stube, und draußen iſt noch
chtige Luft. Nein, ich mag nicht hinein! Wer regnet immer noch!“—„O, wenn's doch bis zum geht mit mir ſpazierensn 8 „Wir Alle!“ antwortet Genaſt.
Deine Stube kommt mir mit jedem Tage enger und niedriger vor!“ Er ruft das, während ſie vor der ſauren Milch im Paradieſe ſitzen, und Hedwig ſtimmt ihm vollkommen und natürlich aus dem Grunde bei, weil der Regen, der reichlich durch die Ritzen des
„Unmöglich,“ rufen Frau und Demoiſelle Porth; „oben trocken, unten aber deſto näſſer!“
„In Italien, mein liebes Frauchen, wird's auch
Pfützen geben,“ entgegnet der Gatte.
„Wie zimperlich!“ verſetzt Chriſtel.„Wenn ein
Paradieſes ſickert, ihre Garderobe verdirbt; und das Wäſſerchen kommt— hopſa! ſind wir drüben. Und kann ihr nur lieb ſein, denn je früher hat der Galan wer zurückbleibt, hat es mit mir verſcherzt!“
für die neueſten Modekleider zu ſorgen. Eben erzählt ſie mit verſtändlichen Seufzern von
„Ei, ei!,“ ruft Haide aus. „Alſo,“ meint Genaſt,„Keines ſchließt ſich aus.
Handſchuhen mit durchnähten Stulpen, welche die Und wißt Ihr was? Wir klettern empor zum Para⸗ Generalstochter aus Wittenberg trage. Er verſichert, dieſe.“
daß er nicht eher raſten werde, als bis ſie im Beſitz
ſolcher Handſchuhe ſei. Darauf findet ſie ihn noch gleiten, hinfallen, uns beſchmutzen“— giebt Frau
„Himmel, der ſteile Weg! Wir werden aus⸗
millionenmal reizender und geht zu einem Sapphirringe Porth zu bedenken.
über, den ſie jüngſt an der Hand einer Dame bemerkt;
„Dann ſtehen wir wieder if und bitten oben
und wer beſchreibt nun ihr Entzücken, als er auch den um Waſſer,“ verſetzt Haide.
Sapphirring gcceptirt!
„Es ſei!“ declamirt Chriſtel.
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