Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte

unedel ſei, das werde bald der edlen Seele Thekla's weichen; er werde erſtarken an dem beſten Herzen und danach trachten, durch Wort und Tha machen, was er verſchuldet an Cornelia, am an ihnen Allen. Und darum Schweig

Schmerzlich mußte es nun freilichtf von Chriſtel zu vernehmen, daß durch d ihre Freundſchaft am Ziele ſei. Mit Haus je in Berührung zu kommen, das wollten Beckers natür⸗ lich vermeiden, und eine Begegnung wäre doch, hätten ſie den harmloſen Verkehr fortgeſetzt, unver⸗ meidlich geweſen. Was erklärlicher, als daß die Braut Chriſtel's Benehmen höchſt ſonderbar fand, daß ſie daſſelbe nicht zu faſſen vermochte? Sie verlangte Auf⸗ klärung ihretwillen verweigerte unſer Ehepaar die⸗ ſelbe, ihr zu Liebe lud es den Schein des ſonderbar⸗ ſten Benehmens auf ſich. Es ließ nur etwas von Familienbeziehungen und Zerwürfniſſen fallen, und Thekla, die ſich das ſelbſtverſtändlich reimen konnte, ging mit größtem Staunen und mit Groll im Herzen.

Derweil hatte Hans ſeinem Vater geſchrieben. Eine Unwahrheit gebar die Andere: der Gedanke an Thekla habe ihm in Halle die Ruhe geraubt, ihret⸗ willen ſei er bereits im vorigen Jahre mit tiefſter Trauer von Lauchſtedt geſchieden und jetzt, dem väter⸗ lichen Verbote entgegen, wieder hergeeilt. Er liebe

über die Maßen und ſei nun der Glücklichſte der

Glücklichen, denn er werde wiedergeliebt un nur den einen heißen Wunſch: daß der V Wahl gutheißen und Thekla ſeine Tochter möchte.

Nach Empfang dieſer Mittheilung lagerte auf der Miene des Barons keine Wolke des Mißmuthes mehr. Hätte der Arzt nicht abermals ein Veto ein⸗ gelegt, ſo würde er trotz ſeiner Kränklichkeit ſofort den Reiſewagen beſtiegen und den Weg nach Lauchſtedt eingeſchlagen haben. Wie hatte er ahnen können, daß damals eine Dillburg⸗Dillenberg den Sohn ge⸗ feſſelt! Der arme Hans! Wie ſchwer er ſich wohl im vorigen Sommer von Lauchſtedt losgeriſſen, was er wohl in Halle gelitten! Hätte er doch ſchon damals ſein Herz ausgeſchüttet! Aber freilich, er habe nichts Halbes berichten, erſt Gewißheit erlangen wollen o dreimal über das anonyme Schreiben, worin ſein Sohn ſo grauſam verleumdet worden, worin von einer Komödiantin, einemWeibsbild die Rede ge⸗ weſen!Geprieſen ſei dieſe Verlobung! rief der Baron ſich zu.Nun wird Hans jeglichen Leichtſinn abſtreifen, nun wird er ſich auf die Wiſſenſchaft werfen; und wenn das Studium und die Reiſen beendet, dann ſoll die Hochzeit mit einem Glanze gefeiert werden,

nenn

wie er dem Erbe des Barons von Blumenthal ge⸗ erſt athmete er wieder leicht auf.

Folge. 627 bührt. Zwar iſt Thekla arm, allein die Familie iſt eine höchſt reſpectabele. Das Geſchlecht derer

von Dillburg-Dillenberg iſt ein uraltes, einer der Dillburgs ſoll neben Gottfried von Bouillon bei Merſeburg gegen Rudolf von Schwaben gekämpft haben. Mit Gold und Perlen, mit Seide und Sammet ſoll mein Sohn die Braut überſchütten wir können das ja! Während des ganzen Winters hat der Aermſte ſo karge Wechſel erhalten verwünſcht ſei der ano⸗ nyme Brief! Aber jetzt, jetzt werde ich Alles wieder gutmachen! Thekla ſoll glänzen, alle Augen auf ſich ziehen, man ſoll überall ausrufen: ⸗Welch' ein Glück für die Dillburg⸗Dillenberg! Welche Roben, welche Juwelen! Natürlich, ſie wird ja die Schwiegertochter des Barons von Blumenthal!

Hans empfing durch die Poſt den Segen und Geld wie Heu.

Nun ſchwamm Hedwig Wilberg in einem Meer der Wonne. Sofort mußte ihr Freund für Kleid, Hut, Tuch und Handſchuhe Sorge tragen. Jetzt flößte er ihr einenrieſigen Reſpect ein. Welch' ein Glück, daß ſie von ihrem Zweifel nichts hatte merken laſſen! Zuerſt zwar, als er die Verlobung verkündet, war ſie grauſam zuſammengefahren, allein als er gleich darauf verſichert, daß ihre Freundſchaft dennoch die alte bleiben werde, da hatte ſie denimfamen Schreck ſofort wieder abgeſchüttelt. Auch ſie empfand kein

Mitleid mit der ſo grauſam Betrogenen, auch ihr

ſchwebten nur immer der koloſſale Erfindungsgeiſt,

6 die göttliche Leichtlebigkeit und der famoſe Witz vor.

Hei, wie luſtig! Nicht Thekla, die ja durchaus keinen Tand verlangte, empfing Gold und Perlen, Seide und Sammet, Alles dies fiel in Hedwig's Schooß. Aber nur vorſichtig, nur vorſichtig! Für dasGäns⸗ chen mußte ja unſer Junker derraſend Verliebte bleiben wie die Komödie enden würde, daran dachte er nicht. Während des Tages ſchmachtete er an Thekla's Seite: er pflückte Blumen mit ihr, er führte ſie und die Tante durch die Allee und in's Theater, nur ver⸗ mied er das Paradies.Da oben iſt ein abſcheulicher Zugwind, der meinem Thekelchen ſchaden könnte, pflegte er zu ſagen. Sie hatte ſogleich nach ihrem letzten Beſuche bei Beckers wiſſen wollen, in wiefern denn Hans mit Herrn oder Frau Becker verwandt ſei und warum er nie darüber zu ihr geſprochen. Ei, wie da unſer Junker im erſten Moment die Farbe gewechſelt! Denn daß Thekla mit dieſerSippſchaft verkehre, das hatte er unmöglich ahnen können, und erſt, als er herausgehorcht, daß Beckers niemals von ihm geſprochen, daß ſie nun erklärt hätten, ihr freund⸗ ſchaftlicher Verkehr mit Thekla ſei jetzt am Ziele, da Den Gähnkrampf,