Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierle Jolpe. 651

Magen und weitem Geyiſſen verſehenes Subject in geborenen angenehm vermitteln hilft. Somit iſt es Amerikaſein Leben macht, gleichviel, in welcher in Summa erfreulich, den fleißigen, ruheloſen Gerſtäcker Handthierung ſeine wechſelnden Geſchäfte beſtehen. Eine hier auf einem Gebiete und in einer Form wir⸗ wirklich verdienſtliche Geſtalt ſcheint mir indeß die ken zu ſehen, welche ihm zugehörig ſind und dem eines Halbindianers zu ſein, der als typiſche Cha⸗ Maße und der Art ſeines Talentes vollkommen ent⸗ raktererſcheinung dem Leſer das Verſtändniß der Ein⸗ ſprechen.

Feuilleton.

Zur Erinnerung an Joſeph Handn. den großen Haydn von einem Naſenpolypen zu befreien, und (Schluß.) mit Mühe nur entging er den gewaltſamen Vorbereitungen

Dreißig Jahre lang hatte Haydn als Fürſtlich zu dem Liebesdienſte der Operation. 4 3 Eſterhazy'ſcher Capellmeiſter gewirkt, als der Tod des Fürſten, Doch länger als 1 Jahr ließ ſich Haydn nicht halten; welcher zugleich die Auflöſung der Capelle zur Folge hatte, mit Lobeeren gekrönt und mit Guineen bereichert, kehrte er eine völlig neue Wendung ſeines Lebens veranlaßte. England nach Wien zurück, zur Freude ſeiner dortigen Verehrer, unter ſollte jetzt der Schauplatz ſeiner größten Triumphe werden. denen er leider ſeinen Mozart vermißte. Die innigſte, Ein gewiſſer Salomon aus Cöln, Violiniſt in London, hatte ſeltenſte Achtung hatte Beide verbunden. Schon 1794 ſehen Haydn ſchon öfter brieflich eingeladen, die Leitung dortiger wir Haydn wieder in London; noch glänzender als das erſte Concerte zu übernehmen. Dieſer Salomon befand ſich gerade Mal wird er empfangen und gefeiert, und ſelbſt König in Deutſchland, um neue Mitglieder für einen Londoner Georg III. bemühte ſich, den herrlichen Meiſter ganz an Concert⸗Verein zu erwerben, als er vom Tode des Fürſten London zu feſſeln. Aber vergeblich; nach zweijährigem Aufent⸗ Eſterhazy hörte. Sogleich eilte er nach Wien und trat bei halte zog es ihn wieder nach ſeinem Wien. Immer höher Haydn mit den Worten ein:Machen Sie ſich reiſefertig; hatte man ihn hier, vom Beifalle des Auslandes entzündet, in vierzehn Tagen gehen wir nach London. Haydn ſträubte ſchätzen lernen; Kaiſer Joſeph II. hatte auf ſeinen Reiſen ſich anfangs, berief ſich auf ſeine Unkenntniß der engliſchen erſt erfahren, welchen Schatz er an dem Wiener Muſikus Sprache, ſeine Unerfahrenheit im Reiſen; auch hatte ihn ſein beſitze. Haydn bezog nun ein eigenes Haus in der Vorſtadt verſtorbener Gönner durch Ausſetzung von 1000 Gulden und genoß die Früchte ſeines Ruhmes in freudigem Behagen.

thrlich in ſo ſorgenfreie Stellung gebracht, daß er zufrieden Von jeder amtlichen Thätigkeit zurückgezogen, lebte er lediglich

war. Auch Mozart hatte ſeinem Papa Haydn, wie er ihn der Compoſition. Und immer ſteigerte ſich ſeine muſikaliſche

verehrend nannte, abgerathen, aber Salomon wußte alle Schöpferkraft er componirte die großen Oratorien: die Einwendungen zu beſeitigen; zu Ende des Jahres 1791 Schöpfung und die Jahreszeiten. traten Beide die Reiſe nach London an; mit ihr trat Haydn Der Name Oratorium wird dadurch erklärt, daß

aus bisher engen Verhältniſſen in die große Welt ein und Philipp von Neri, der ſpätere Heilige, welchem man die ſtieg zu ausgezeichneter, perſönlicher Stellung. Unter der Einführung der geiſtlichen Singſpiele, um 1540, zuſchreibt, auszeichnenden Anerkennung, die ſeinem Genie, wie ſeiner während der Advent⸗ und Faſtenzeit, wo die Theater kindlich beſcheidenen Perſönlichkeit in London gewidmet wurde, geſchloſſen waren, ſolche geiſtliche Muſikaufführungen in ſchwang ſich ſeine künſtleriſche Thätigkeit höher und höher; ſeinem Betſaal ſtattfinden ließ. Jetzt haben ſich denſelben die ſchönſten Inſtrumentalwerke ſchuf Haydn unter dieſen auch die Räume des Concertſaales und des Theaters geöffnet, erhebenden Eindrücken, und die Jahre, die er in England und wir haben öftere Gelegenheit, Oratorien, namentlich zubrachte, rechnete er zu den erfreulichſten ſeines Lebens. auch Haydn'sSchöpfung undJahreszeiten zu hören.

England, das auf praktiſchen Gebieten ſo große Männer Den Text zurSchöpfung hat ein Engländer verfaßt, zählt, hat allerdings Dichter unſterblichen Ruhms geboren; in der Abſicht, der große Händel ſolle ihn componiren. aber wie in der Malerei, ſo in der Muſik fehlt es ihm heute Allein Händel ſtarb und Niemand wagte ſich an die hohe an Größen. Darum fuchten die Engländer durch Heran⸗ Aufgabe. Da übergab man Haydn den Text, der ihn jedoch ziehung namentlich deutſcher Meiſter das Fehlende zu ergänzen. mit anderen Papieren von London aus mit ſich nahm, ohne Den großen Händel, den Componiſten desMeſſias, der weiter daran zu denken. Da war es ein Zufall, der ihn früher 30 Jahre in England gelebt, nennen ſie geradezu den ernſter darauf lenkte, wie wir denn ſchon geſehen haben, daß ihrigen. Wir wiſſen, daß ſpäter unſer C. M. von Weber ſeine Anregung zur Oper, zum Quartett, zur Symphonie dem Rufe nach London folgte; und eine große Verehrung zufälligen Anläſſen zu verdanken war. Das wahre Genie für Muſik wohnt wirklich den Engländern inne. Erklärlich ſucht nämlich nicht, ſondern läßt ſich finden. Die Bekannt⸗ daher die begeiſterte Aufnahme Haydn'ſcher Compoſitionen, ſchaft mit van Swieten, dem in der engliſchen Sprache und der Wetteifer der vornehmſten Kreiſe, ihrem Meiſter gründlich bewanderten kaiſerlichen Bibliothekar, war die Aufmerkſamkeiten zu bereiten. Trugen doch die Damen Ürſache, daß Haydn dieſes vergeſſenen Textes gedachte und einmal Stirnbänder, worauf ſein Name geſtickt war; die Swieten ihn in freier Form verdeutſchte. Eine fürſtliche Univerſität Oxford ertheilte ihm die Doctorwürde. Ein Geſellſchaft ſchoß ſofort 500 Ducaten zuſammen als Honorar Chirurg auch wollte durchaus die Chre ſich nicht nehmen laſſen, für die Compoſition derSchöpfung. Schon ziemlich