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aus ſchießen wollte, ſprang ab, fehlte ein Guanako und ſchoß dann einen an ihm vorüberflüchtenden Altthier eine Ladung Schrot auf's Blatt, daß es in ſeinen Fährten zuſammenbrach.
So ſehr ihn aber das erlegte Stück auch freute, ſo wandte er doch faſt keinen Blick darauf, denn gar nicht weit von ihm entfernt flog der Laſſo des Ka⸗ ziken aus, und der Puma wurde von dem ſich im Nu herumwerfenden Pferd in ſeinem nächſten Satz zurück und auf die Seite geriſſen. Jenkitruß übrigens, der die Natur dieſer Beſtien genau kannte, ſpornte ſein Pferd aus allen Kräften, um dem„Pangi“ keine Möglichkeit zu geben, wieder auf die Füße zu kommen. — Der Cuguar aber war raſcher und gewandter als der Rappe, der nicht ſo ſchnell dem Befehle Folge leiſten konnte. Wie vom Boden emporgeſchnellt, fuhr er in die Höhe, und ſein ſcharfer Biß traf im Nu den Laſſo— doch umſonſt— das zähe, trockne, elaſtiſche Leder konnte er nicht ſo raſch durchbeißen, und ohne auch nur einen zweiten Biß zu verſuchen, warf er ſich ſchon im nächſten Augenblick direct auf ſeinen Feind.
Jenkitruß ſelber hatte ihn aber nicht eine Se⸗ cunde aus den Augen verloren und ſchien gar nicht geſonnen, ſich in zu großer Nähe mit ihm einzulaſſen.
Wohl ſprengten jetzt noch zwei andere Indianer her⸗
bei, ehe dieſe aber herankommen konnten, wollte er ſelber mit ſeiner Beute fertig werden. Auch das Pferd hatte jetzt wohl gemerkt, um was es ſich hier handle, denn nun griff es plötzlich mit allen Kräften aus— der Cuguar ihm nach, aber der ſchleifende Laſſo hinderte dieſen im Sprung; er vervickelte ſich mit einer Vordertatze darin und war augenblicklich wieder geworfen un dim Schlepptau. Jetzt aber kümmerte ſich der Häuptling nicht mehr um den Laſſo, der auch gut genug an ſeinem Sattelgurt befeſtigt hing.— Die Bolas, die er bis dahin in der linken Hand ge⸗
halten, griff er wieder auf, und wie er ſie nur in
Schwung gebracht, zügelte er ſein Pferd ein, warf es herum und hielt, dem Feinde die Stirn bietend. Der Cuguar, durch den Laſſo über den Boden geſchleift, hatte bis jetzt keinen Fußhalt faſſen können, kaum aber ließ die Kraft nach, die ihn über die Erde riß, als er auch wieder mit ungeſchwächter Wuth auf die Tatzen ſprang; ſtolz richtete er ſich auf und ſchaute ſeinem Gegner in's Auge— aber er ſprang nicht. „Oho!“ lachte da der Indianer,„glaubſt du, mein Burſche, daß ich dich freigegeben habe?“— Und ohne mit dem Wirbeln der Bolas einzuhalten, griff er nach dem Laſſo herunter, der jetzt angeſpannt über ſeinem linken Knie lag, und riß daran. Kaum
aber fühlte der Cuguar den Ruck, als auch der alte
Novellen⸗Zeitung.
Grimm erwachte,— er wußte, er war gefangen, und mit einem heiſern Ton, mehr Röcheln als Schrei, ſprang er gegen das Pferd an.
Dieſes wollte ſich allerdings zitternd zur Seite wenden, aber feſt im Zügel hielt es der Häuptling und in demſelben Moment auch flog die in der Hand des Penchuenchen furchtbare Waffe ihrem Ziel ent⸗ gegen und traf den Cuguar mitten vor die Stirn, daß er machtlos, todt zuſammenbrach.
Raſch— nur zu raſch ging dieſe Scene vorüber, aber Reiwald geſtand ſpäter, daß er in ſeinem Leben nichts Prachtvolleres, nichts Entzückenderes geſehen habe, als dieſen jungen, kräftigen Indianer, wie er den Löwen der Pampas fing und nicht feig zu Tode ſchleifte, ſondern ihm männlich keck begegnete und ihn erlegte.
Jetzt aber brach auch ein wildes, dröhnendes Jubelgeſchrei aus, das die Luft erfüllte,— da und dort ſprengte wohl noch ein einzelner Indianer hinter dem jetzt ausgebrochenen Wild her, um eines der Guanakos einzuholen, die lange nicht ſo flüchtig ſind, als die Hirſche, aber die Uebrigen ſammelten ſich wieder nicht weit von dort, wo ſich der Kazike befand, und ſchleppten ihre Beute zuſammen. 4
Und wie reichlich war die Jagd ausgefallen! Sieben Guanakos, zwei Hirſche, zwei Altthiere, drei Caſuare und der Puma lagen auf der Decke, und die Jäger hatten jetzt Vorräthe genug, um ſchon eine. kurze Zeit damit auszuhalten, wenn ſelbſt nichts An⸗ deres in den nächſten Tagen erlegt werden ſollte.
Es wird ſich aus dieſer Schilderung die lebhafte Natürlichkeit ergeben, mit welcher die einzelnen Hand⸗ lungen und Vorfälle dem Leſer dargeſtellt ſind. Man
kann dabei nicht über jene Idealiſtrung klagen, welche
heutzutage bei transatlantiſchen Romanen üblich iſt und um die Wilden einen unwahren Verklärungs⸗ ſchein verbreitet. Gerſtäcker hat Land und Leute mit unbefangenen Augen geſehen und von den unſaubern, wenig poetiſchen Gebräuchen dieſer Naturvölker genug
erdulden müſſen, um die Schwärmerei derjenigen
Stubengelehrten zu verlieren, die jene Gegenden und ihre Bewohner nur aus der literariſchen Schönfärberei übertreibender Büchermacher kennen gelernt haben. Innerhalb jener oft genrebildlich ſehr frappanten Wahrheit, mit welcher Gerſtäcker ſeine Penchuenchen gezeichnet, hat er doch manche Geſtalten zu einer et⸗ was edleren Region erhoben und wir dürfen gar nicht bezweifeln, daß bei den Indianern auch ritterliche Ausnahmeerſcheinungen ſich vorfinden.
Mit vielem Humor und derber Komik iſt die Figur eines Deutſchen geſchildert, der den ſeltenen Namen Meyer trägt und als unverwüſtliches, mit gutem
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