Jahrgang 
27-52 (1867)
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2 E,=

War das nicht ſein bewährter, Sein lieber Schmeichellaut?

O komme, Langentbehrter! Schon harret dein die Braut.

Ich ſeh' die Pforten ſpringen, Die Wände ſtrahlen hell,

Ich hör' die Orgel klingen,

Der Prieſter iſt zur Stell'.

Nun halte mir die Treue, Nun gieb mir das Geleit,

So mag ich ohne Reue

Dann ruh'n an deiner Seit'.

Sie wand den Schmuck der Weide Statt Myrthen ſich in's Haar, Der Tod im Prieſterkleide Empfing ſie am Altar.

Es kniete zu ihrer Rechten Der ſchöne, bleiche Genoß; Das Volk aus Grabesnächten Durch die Kirche ſich ergoß.

Sie hauchte froh beklommen IhrJa da war's vorbei: Die Lichter all' verglommen, Verſtummt die Orgelei.

Die Schatten, leiſe wallend, Den Gräbern ſchritten zu, Es klang ihr Lied verhallend: Erquicklich iſt die Ruh'.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Unter den Penchuenchen. Roman in drei Bänden von Gerſtäcker. Jena, bei Coſtenoble. 1867.

Wenn Sie dieſe dreibändige Erzählung leſen, wird Ihnen dabei ein früheres Reiſewerk des weitge⸗ wanderten Weltpilgers:Achtzehn Monate in Süd⸗ amerika als Studie und Grundlage, die ſehr wohl benutzt iſt, zur Erinnerung kommen. diesmal in der Wahl und Bearbeitungsart ſeines neuen Werkes eine verſtändige, höchſt lobenswerthe

Selbſterkenntniß verrathen, die dem Ganzen zu Gute

kommt. Er fühlte, daß ſeine Stärke nur in der an⸗ ſchaulichen Schilderung der realen Wirklichkeit, be⸗

ſonders der fremden liegt, einer dankbaren wie

dankenswürdigen Vermittlerrolle, bei welcher ihm ein

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Novellen⸗Jeitung.

Gerſtäcker hat⸗

hausbackener, aber oft natürlich friſcher Humor und eine geſunde vorurtheilsfreie Lebensauffaſſung viel⸗ ſeitig zu gute kommen. Die freie Erfindung und Ausführung eines Romans zum idealen Kunſtwerke ſind nicht dieſes Autors Miſſion. Seine Muſe geräth in bedenkliche Situationen, wenn ſie poetiſiren und componiren will, ſtatt unbefangen zu beſchreiben. Recht wohl aber ſteht ihr ein Hineindichten einfachſter Handlung in ferne Lande und ethnographiſche Zu⸗ ſtände und eigenthümliche Verhältniſſe an. Einem ſolchen Bilde kann er ſeine reichen Erfahrungen und Erlebniſſe ungeſchminkt einverleiben. Ein derartiges Gemälde liegt uns hier vor. Ein Häuptling der Penchuenchen, Jenkitruß, raubt beim Ueberfall einer Hacienda die Tochter eines reichen Chilenen. Dieſer unternimmt einen gewagten, aber glückgekrönten Zug ins Innere des Penchuenchenlandes, um ſein Kind, das indeſſen das Weib des Kaziken geworden, loszu⸗ kaufen. Ein paar zu Abenteuern aufgelegte Deutſche, zum Exempel ein Doctor Pfeifel und Juriſt Reiwald begleiten ihn, ſie werden von dem kühnen Häuptling Jenkitruß, der eine Geſtalt der Wirklichkeit iſt, gut aufgenommen, obgleich er vorläufig nicht daran denkt, die ſchöne Irene zurückzugeben. Einſtweilen veran⸗ ſtaltet er zur Zerſtreuung ſeiner ſelbſt und ſeiner Gäſte mit dieſen und ſeinen drei Frauen eine Jagdpartie in den Pampas, aus der ich eine Epiſode mittheilen will. Man hat Hirſche und Guanakos aufgeſpürt

und Jenkitruß giebt Befehl, das Wild jagdgeracht.

zu umzingeln.

Mit einer Ordnung und Umſicht wurde dabei das Ganze ausgeführt, von der beſonders Reiwald, ein paſſionirter Jäger, entzückt war. Kaum zeigten ſich übrigens die Reiter auf dem höheren Lande oder mußten ſich vielmehr zeigen, weil ihnen das Terrain keinen Schutz mehr bot, als ſich das Wild auch be⸗ unruhigt fühlte. Ein ganzer Schwarm langbeiniger Caſuare gab zuerſt den Alarm und ſuchte nach Süden zu auszubrechen. Dabei nahmen ſie genau die Rich⸗ tung, in welcher der Doctor jetzt, ſeine Reihe haltend, langſam angeritten kam. Als ſie ſeiner anſichtig wurden, ſtutzten ſie allerdings und wollten ſich rechts wenden, aber dort bemerkten ſie ebenfalls die auf⸗ ſteigenden Geſtalten neuer Feinde, und nun war kein Halten mehr. In toller Flucht brachen ſie hindurch und der Doctor, um den es ein paar Secunden lang von Caſuaren ordentlich ſchwärmte, gerieth dadurch ſo in Aufregung, daß er gar nicht wußte, auf welchen der großen, langbeinigen Vögel er zuerſt zielen ſollte. Er bemerkte dabei gar nicht, daß eine der jungen indianiſchen Frauen ihr Pferd ebenfalls aus der Linie gelenkt hatte und gerade auf ihn zuflog.