Jahrgang 
27-52 (1867)
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Novellen

einem politiſchen Intereſſe vergiftete Kaiſerin noch geheilt werden kann, muß man dann die Nachforſchungen nicht in einen neuen Weg lenken und die Heilung anderswo ſuchen, als in dem ohnmächtigen Verfahren einer Wiſſenſchaft, wel⸗ cher das Uebel unaufhörlich das Concept verrückt?

Ich ſtelle die Frage, ohne wohlverſtanden ſie zu löſen, aber es giebt noch eine andere, welche Jedermann leiſe an ſich richten wird:

Muß man für dieſe unglückliche Prinzeſſin wünſchen, daß der Schleier, welcher ihr die Vernunft verdunkelt, geho⸗ ben werde und daß ſie den ganzen Umfang ihres Unglücks überblicken könne?

Was mich betrifft, ſo habe ich kein Bedenken, ſie mit Nein zu beantworten und ich werde ſicher nicht allein dieſer Mei⸗ nung ſein. C.

Ritterliche Büge aus der abenteuerlichen Moriskenzeit.

Der beliebte und bekannte Beförderer ſpaniſcher und orientaliſcher Poeſie, Schack, der über der Finfluß der mauriſch⸗arabiſchen Herrſchaft in Spanien und Sicilien ſo intereſſante Details dargeſtellt hat, ſpricht auch als Verthei⸗ diger über den ritterlichen Sinn jener vielverketzerten Moris⸗ ken und es ſei geſtattet, von ſeinen Beiſpielen hier einige anzuführen.

Ich bin weit entfernt, ſagt er, den Urſprung des Ritterthums, wie man es lange gethan, im Orient zu ſuchen; allein es iſt Thatſache, daß viele von den Ideen und Grund⸗ ſätzen, welche ſein Weſen ausmachen, ſchon von Alters her unter den Arabern herrſchten. Die Verehrung und Beſchir⸗ mung der Frauen, der Ruhm kühn beſtandener Abenteuer, die Vertheidigung der Schwachen und Unterdrückten bildeten,

neben der Ausübung der Rache, den Kreis, in dem ſich das

Leben der alten Wüſtenhelden bewegte, und wer den merkwürdigen RomanAntar lieſt, ſieht mit Ueberraſchung die morgenländiſchen Recken meiſt von den nänlichen Impulſen bewegt, wie die Paladine unſerer Rittergedichte. Dieſe Denk⸗ und Empfindungsweiſe der Araber verfeinerte ſich dann unter dem Einfluſſe der höheren Civiliſation, zu der ſie im Abendlande gelangten, und ſchon im neunten Jahrhundert begegnen uns Verſe andaluſiſcher Dichter, welche ganz das zarte Gefühl, die faſt andächtige Verehrung zeigen, welche der chriſtliche Ritter der Dame ſeines Herzens widmete. Der Einfluß des nämlichen Himmels, unter dem Muhame⸗ daner und Chriſten ſo lange auf der Halbinſel lebten, die

vielfachen Berührungen, die trotz des gegenſeitigen Glaubens⸗

haſſes nicht ausbleiben konnten, entwickelten ſpäter mehr und mehr eine Uebereinſtimmung beider Nationen in jenem Rittergeiſt, der aus dem innerſten Weſen eines jeden von ihnen hervorgegangen. Wie derſelbe unter den Arabern verbreitet war, bezeugen chriſtliche wie muhamedaniſche Geſchichtſchreiber gleichmäßig. Als König Alfonſo VII. die Feſtung Oreja belagerte, brachten die Araber ein großes Heer zuſammen, um die Uebergabe zu verhindern, aber wandten ſich nicht direct gegen das Lager Alfonſo's, ſondern gegen Toledo, deſſen Umgegend ſie verwüſteten, damit der Feind veranlaßt würde, die Belagerung aufzuheben und zur Vertheidigung ſeiner Hauptſtadt herbeizueilen.Da nun erzählt der Chroniſtdie Königin von Caſtilien, welche in Toledo weilte, ſich ringsum von den Muhameda⸗ nern eingeſchloſſen ſah, ſandte ſie Boten an dieſelben, welche in ihrem Namen ſo zu ihnen ſprechen mußten: Seht ihr

Zeitung.

denn nicht, daß es euch nicht zur Ehre gereichen kann, wider mich, die ich eine Frau bin, zu kämpfen? Wenn ihr kämpfen wollt, ſo geht nach Oreja und greift den König an, der euch mit Waffen und aufgeſtellten Schlachtreihen erwartet! Als die Fürſten, Feldherren und das ganze Heer der Araber dieſe Botſchaft vernahmen, ſchlugen ſie die Augen empor und erblickten auf einem hohen Thurme des Alcazar die Königin, wie ſie in vollem Kronſchmuck auf einem hohen Throne ſaß und von einer ganzen Schaar edler Frauen umgeben war, welche zum Schalle von Pauken, Cythern, Cymbeln und Lauten ſangen. Sobald die Fürſten, Feldherren und das Heer ſie erblickten, ſtaunten ſie, wurden beſchämt, beugten ihre Häupter vor der Königin und zogen ab. Arabiſche Autoren berichten aus dem Leben des, durch ſeine wunder⸗ bare Stärke berühmten Kriegers Hariz mehrere Vorgänge, die in einem Ritterromane Platz finden könnten. König Alfonſo von Caſtilien, erzählen ſie, war begierig, den Vielgeprieſenen kennen zu lernen und ließ ihn einladen, ihn in ſeinem Lager zu beſuchen. Hariz nahm, nachdem ihm eine Anzahl vornehmer Chriſten als Geißeln für feine Sicherheit geſtellt waren, die Einladung an und überſchritt die Grenze des Chriſtenlandes. Wie er gepanzert und in voller Kriegsrüſtung durch die Straßen von Calatrava hinritt, ſammelte ſich das Volk

längs des Weges und betrachtete ſtaunend ſeinen rieſenhaften

Körperbau, ſeine ſtattliche Erſcheinung und die Zier ſeiner Waffen, indem es ſich Geſchichten von ſeinen tapferen Thaten erzählte. So gelangte er zum Lager des Königs, wo ihm Alfonſo und die Vornehmſten des chriſtlichen Heeres mit

Willkommgrüßen entgegentraten. Während Harizſich anſchickte,

vom Roß zu ſteigen, ſtieß er ſeine Lanze mit ſolcher Gewalt in den Boden, daß der König ſofort von der Wahrheit deſſen überzeugt wurde, was er von ſeiner gewaltigen Stärke gehört hatte; die chriſtlichen Ritter aber wurden ungeduldig, ihre Kraft mit der ſeinigen zu meſſen, und der Stärkſte von ihnen forderte ihn zum Kampfe. Auch Alfonſo drückte den Wunſch

aus, zu ſehen, wie der berühmte arabiſche Held die Probe

beſtehe; Hariz jedoch erwiderte:Der Tapfere kämpft nur mit Solchen, deren Kraft der ſeinigen gleich iſt; möge man mich denn widerlegen, wenn ich behaupte, daß Keiner von Allen hier meine Lanze aus der Erde, wo ich ſie eingepflanzt, zu reißen vermag; wer es vollbringt, mit dem zu kämpfen bin ich bereit, ſei es nun Einer oder ſeien es Zehn! Alsbald ſprengte der ſtärkſte der Chriſtenritter heran, aber er konnte die eingepflanzte Lanze nicht von der Stelle bewegen; nachdem derſelbe Verſuch mehrmals vergebens wiederholt worden war, forderte dann der König den Hariz auf, zu zeigen, ob er ſelbſt das Kraftſtück ausführen könne, und dieſer, ſein Roß antrei⸗ bend, riß, indem er nur die Hand ausſtreckte, die Lanze aus dem Boden. Alle Ritter bewunderten den tapferen Araber ungemein und der König trat zu ihm hinan, indem er ihm hohe Ehren bezeigte. Andere hierher gehörige Fälle ſind folgende: Alfons XI. hielt Gibraltar umzingelt und die Stadt war nahe daran, ſich zu ergeben, als er plötzlich an der Peſt ſtarb. In Folge davon ward die Belagerung aufgehoben

und die Chriſten, fürchtend, auf dem Rückzuge von den Feinden angegriffen zu werden, trafen Anſtalten, um ſie zurückzutreiben.

Aber heißt es in der ſpaniſchen Chronik kaum erfuh

die Mohren, der König Don Alfonſo ſei geſtorben, ſo gaben ſie in ihrem Heere den Befehl, es ſolle Keiner ſich unterfan⸗ gen, eine Bewegung gegen die Chriſten zu machen oder Kampf mit ihnen anzufangen. Alle hielten ſich ruhig und ſagten unter einander, an jenem Tage ſei ein edler König und Fürſt geſtorben, der nicht blos den Chriſten zur Zierde

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