Jahrgang 
27-52 (1867)
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Dierte Folge.

gereicht habe, ſondern durch den auch den mauriſchen Rittern viele Ehre widerfahren. An dem Tage, als die Chriſten dann aus ihrem Lager vor Gibraltar mit der Leiche des Königs Don Alfonſo heimzogen, kamen alle Mohren von Gibraltar aus der Stadt, ſtanden ganz ruhig, ſahen dem Abzuge der Chriſten zu und erlaubten nicht, daß Einer ſie angriffe. Bei der Belagerung der Feſtung Baza durch das katholiſche Königspaar ließ der Marques von Cadiz den Befehlshaber der Araber, Cid Hiaya(Jahja), um kurze Einſtellung der Feindſeligkeiten erſuchen, weil die Königin Iſabella bei ihrer Truppenbeſichtigung einen Ritt bis an die Wälle der Stadt zu machen beabſichtigte. Das Verlangen wurde gewährt und Cid Hiaya wies nicht nur den Vorſchlag einiger Häuptlinge, welche zum Angriffe auf das königliche Gefolge riethen, entrü⸗ ſtet zurück, ſondern beſchloß auch, der Königin ein Schauſpiel muhamedaniſcher Ritterlichkeit zu geben. Als nun Iſabella und ihre Damen die Mauern von Baza betrachteten und ſeine Thürme, Zinnen und Dächer mit neugierigen Mauren und Maurinnen bedeckt ſahen, gewahrten ſie plötzlich, wie dichte

Reihen mauriſcher Reiterei mit glänzenden Waffen und

fliegenden Fahnen unter Anführung Cid Hiaya's aus dem Thore hervorzogen. Einige Chriſten wollten zu den Schwer⸗ tern greifen, um die vermeinte Gefahr von der Königin

abzuwenden, aber der Marquis von Cadiz, der die Mauren

beſſer kannte, beruhigte ſie. Hierauf rückte die Heerſchaar der Araber vor und die Reiter führten, ihre prächtigen Roſſe tummelnd und die Lanze ſchwenkend, ein Ritterſpiel zur

Erluſtigung der Königin aus, worauf ſie unter höflichem

Grüßen und von der Bewunderung Iſabella's und ihrer Damen geleitet in die Feſtung zurückzogen. Solche Züge wahrhaft ritterlicher Sinnesart prägten ſich den Spaniern tief ein, und trotz alles Religionshaſſes, der ſie beſeelte, machten ſie ihnen in den Romanzen das Zugeſtändniß, ſie ſeien, wenn auch Mohren, doch ächte Ritter. Selbſt der fanatiſche Beichtvater Ferdinand's und Iſabella's giebt dies zu, indem

Der in ſeiner Chronik des granadiniſchen Krieges einen ähnli⸗

chen Fall erzählt. Als die Chriſten Malaga belagerten, traf einer der Vertheidiger dieſer Start, Ibrahim Zeneta, bei einem Ausfall, den er machte, ſieben oder acht ſpaniſche

Knaben und ſtreichelte ſie, ſtatt ihnen etwas zu Leide zu thun, Augen ſcheiden und dann iſt früheres Dichten in Rückſicht

mir ſeiner Lanze, indem er ſagte: Geht, Kinder, geht zu euren Müttern! Während die Knaben eilends davonliefen, machten ihm andere Mohren Vorwürfe, daß er ſie nicht getödtet hätte; er aber antwortete: ſie hatten ja keine Bärte. So zeigte er ſetzt der Chroniſt hinzu daß er, obgleich ein Mohr, 6.

Tugend zu üben wußte wie ein ächter Hidalgo.

Misrellen.

Das edelſte Werk Gottes iſt der Mann, aber das hübſcheſte iſt die Frau.

Ein engliſcher Parlamentsredner gab eine Rede, die er am folgenden Tage im Unterhauſe halten wollte, einem ſeiner Freunde zu leſen, um deſſen Urtheil darüber zu hören. Nach⸗

dem dieſer damit fertig war, ſagte er, er habe ſie dreimal ge⸗

leſen und das erſte Mal recht gut gefunden, das zweite Mal nur mittelmäßig, das dritte Mal aber ganz ſchlecht.

Sie iſt alſo recht gut, entgegnete der Redner,denn ich will ſie nur einmal halten. r.

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Ein Edelmann aus dem Gefolge des Cardinals Mazarin, der demſelben nie hatte eine Unterſtützung zu⸗ kommen laſſen, bat ſich von Seiner Eminenz die Gnade aus, ihn, wenn er öffentliche Audienzen gebe, zuweilen auf die Schulter klopfen zu dürfen. Der Cardinal geſtand ihm dies zu, weil es ihn nichts koſtete, und dem Edelmann brachte es viele Geſchenke von Denen ein, welche glaubten, daß ſein Vor⸗ wort beim Miniſter ihnen von großem Nutzen ſein könne.

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Vom deutſchen Büchermarkt.

Wilde Ranken. Von Harberts. Emden, bei Haynel. 1867. 4

Etwas mannigfaltiger und bewegter als die vorigen Blüthen ſind dieſe Ranken. Auch ſie ſind indeß mit manchen Blüthen geſchmückt, die das Unbedeutende mit dem Winzigen vereinen. Der Ton der Anſpruchsloſigkeit hat hier wie ſo oft die Aufgabe, beim Leſer die gute Stimmung zu mnich

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Süd und Nord. Geſammelte Novellen von C. Schultes. Jena, bei Hermsdorf. 1867.

In zwei Bändchen hat der Verfaſſer, welcher Bühnen⸗ künſtler iſt, verſchiedenartige Novellen meiſtens harmloſen, zuweilen heitern Inhaltes zuſammengeſtellt. Der Vortrag iſt ſehr ungezwungen und das Ganze gehört dem Genre der modernen, auf Zeitverkürzung abzielenden Unterhaltungs⸗ lectüre an.

Frühlingsblüthen. Von Tebaſile. Baſel, bei Balmer und Riehm. 1867.

Der Verfaſſer ſcheint ſich noch in der beneidenswerthen Lebensepoche zu befinden, in welcher die rein lyriſche, ſubjec⸗ tive Stimmung dominirt und, indem ſie Honig aus allen Blumen ſaugt, auch jedes Blümchen der Lebensflur beſingens⸗ werth findet. Es kommt auch ſolchen Sängern wohl in ſpätern Tagen, daß ſich die Objecte der Welt von ihren

auf Formübung durchaus nicht als reiner Zeitverluſt zu bereuen.. B.

Editha. Von Katharina Dietz. Berlin, in der Decker'ſchen Geheimen Oberhofbuchdruckerei. 1867.

Dieſe zweibändige Novelle, welche ſich, wie faſt ah Bücher des genannten Verlages, durch ſehr wohlthuenden Druck auszeichnet, verdient in ſofern Beachtung, als ſie ein pſychologiſches Problem behandelt, und wenn ſie dies auch an vielen Stellen mit mehr anerkennenswerther warmer Hinge⸗ bung als Bedeutſamkeit poetiſchen Gelingens thut, ſo hat doch der Ton der Erzählung ſtets etwas Inniges, Einſdches

Von Zianitzka. bei

Lord Byron. Mannheim, Schneider. 1867.

Dieſer biographiſche Roman, welcher in der gewohnten und ſchon gegen Goethe's Leben verübten Art der Verfaſſerin beſonders die romantiſchen, abenteuerlichen Züge aus dem bewegten Erdenpilgergange Byrons ausbeutet, iſt jetzt bei gleichmäßiger Draſtik und ſtark aufgetragener Keckheit der Darſtellung bis zum vierten Bande fortgeſchritten. Stellt