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licher Seite(dieſe hatten die Heirath ihrer reichen Baſe mit einem armen Edelmanne niemals gebilligt) ſchleunigſt von Schloß und Park Beſitz genommen. Zwar ließ Herr von Dillburg⸗Dillenberg zu Gunſten ſeiner Tochter, die ja die rechtmäßige Erbin war, nichts unverſucht, doch die Verwandten waren härter denn Stein. Da wurden die Rechtsgelehrten rings⸗ umher in Bewegung geſetzt; da begann das Proceſ⸗ ſiren; da erwachten die morſchen Reichskammergerichts⸗ räthe zu Wetzlar ein wenig aus ihrem ſüßen Schlummer, doch nur, um gleich wieder einzunicken. Und Jahr auf Jahr verging und natürlich, die ganze Sache war um kein Haar weiter gediehen. Auch ebenſo natürlich, daß ſich Herr von Dillburg⸗Dillenberg zu Tode ärgerte. Als Thekla ihm die Augen zugedrückt, kam ſie nach Merſeburg zu einer Tante, deren Ver⸗ hältniſſe wenigſtens derart waren, daß ſie ſich alljähr⸗ lich den beſcheidenen Ausflug nach dem Bade Lauch⸗ ſtedt geſtatten konnte. Recht einſam verging Thekla ſo die Zeit. Ihr Weſen erhielt etwas Gedrücktes, Scheues, doch bemerkte die Tante mit Vergnügen, daß ſie in dieſem Sommer ein wenig mehr aus ſich heraus trat. Und als ſie nun gar den Wunſch äußerte, Frau Becker auch außer der Bühne kennen zu lernen, da willigte die Tante, wenn auch nach einigem Be⸗ denken, gern ein. Dieſes Bedenken galt der— Schau⸗ ſpielerin. günſtig von ihrem Lebenswandel? und hatte der waſſer⸗ blauäugige Hauptmann nicht erſt neulich geſagt, ſie ſei rein wie der Schnee auf der Alpe? und würde nicht ihr munteres Temperament vortheilhaft auf Thekla wirken? Genug, dieſe erhielt die Erlaubniß, ſich Chriſtel nähern zu dürfen.
Mit vielem Vergnügen nahmen Beckers ſich des jungen Mädchens an. Wenn das Kindchen ſchlief oder einmal keine Probe abzuhalten war, ſaßen die Drei im kleinen Hausgarten unter dem Fliederbaum und ſprachen von vergangenen glücklichen wie traurigen Tagen. Doch nie erwähnten Heinrich noch Chriſtel das Verhältniß, worin ſie zu Hans von Blumenthal ſtanden, und deshalb erfuhr Thekla nichts über den Charakter deſſen, mit dem ſie ihr Köpfchen gerade ſehr lebhaft beſchäftigte. Beckers wollten nicht Hans noch ſeinen Vater mehr kennen, und wir wiſſen ja bereits, daß auch unſer Junker durchaus keine Neigung ver⸗ ſpürte, ſeine werthe Perſon je wieder mit der„ge⸗ meinen Sippe“ in Berührung zu bringen.
Thekla konnte nicht geſprächig ſein, aber plötzlich verſank ſie in tiefſtes Sinnen. Wohl bemerkte da unſer Ehepaar, daß ſie ein ſüßes Geheimniß in der Bruſt trage, doch nie bemühten ſich Beckers, es ihr zu entlocken. Und was hätte ſie auch be ten können?
Novellen⸗
Aber ſprach man nicht allerorten höchſt
Zeitung.
Daß ſie Hans liebte? Wußte ſie denn, geliebt ward? Zwar, wenn er an ſeinem Fenſter und ſie an dem ihren ſtand, grüßte er immer ſo äußerſt freundlich hinüber, und ſo oft ſie ſich in der Allee
begegneten, war er die Liebenswürdigkeit ſelber; allein
nie, nie hatte er eines jener Worte fallen laſſen, welches heißeſte Gewißheit in liebebangende Herzen ſenkt. War es zu verwundern, daß ſie ihm zugethan? Er war jung, er war der Erbe eines großen Ver⸗ mögens, er behielt trotz ſeines ausſchweifenden Lebens immer die glatte Stirn und die vollen Wangen; und wie prächtig wußte er ſich auch hier den Schein zu geben, als ob er der ſittſamſte Jüngling, der fleißigſte Student ſei. Denn bevor er zu Hedwig Wilberg huſchte, ſteckte er die Vorhänge dicht zuſammen und ſtellte das brennende Licht unmittelbar dahinter; und was war da erklärlicher, als daß Thekla denken mußte:„Er ſitzt ja wie der ärmſte Freiſtudent über den Büchern?!“
So lebte unſer Junker weiter. Ueber das„Gäns⸗ chen“, deſſen Attachement für ihn ihm nicht entgangen war, lachte er an Hedwig's Seite. Die Begrüßungen aus dem Fenſter und in der Allee wurden fortgeſetzt, um jeden Verdacht von Hedwig und ſich abzuwenden. Wenn der Papa, der auf ſeinem Gute krank danieder lag, um dieſe„Amourette“ gewußt hätte! Ei, würde der furchtbare Briefe geſchrieben, würde der die mo⸗
natlichen Geldſendungen mindeſtens um die Hälfte
herabgeſetzt haben! Doch bei dieſer Vorſicht, ſagte ſich Hans, mit der er zu Werke gehe, ſei ja eine Entdeckung ſchier unmöglich.
Aber, aber— vier Augen wachten und ſuchten und fanden.
Glaubte doch Hans, die Vorſicht ſelber zu ſein; und dennoch beging er eine der größten Unvorſichtig⸗ keiten, indem er zwei Commilitonen direct vor deu Kopf ſtieß. Hätte er den Beiden Schmarotzern Hel⸗ dorf und Gruber hie und da ein Goldſtück zugeworfen, ſo wären ihre Augen über dem Glaſe zugefallen und keineswegs hätten ſie daran gedacht, zu wachen und zu ſuchen. Aber ihnen rundweg zu erklären: ſie wären nur von Jena nach Halle gekommen, um ihn„auszu⸗ beuteln“, und jetzt, da er ſelbſt Student, ſchicke es ſich für ihn durchaus nicht, mit bürgerlichen Studenten zu verkehren, und ſie möchten ſehen, wo ſie etwas her⸗ nähmen, denn von ihm erhielten ſie keinen Heller— dieſe bündige Erklärung war jedenfalls der kürzeſte Weg, um aus Freunden unverſöhnliche Feinde zu machen. Ach, welche Feder könnte den Durſt ſchildern, der die Beiden geplagt, während Hans vom Cerberus Böttiger bewacht worden! Und als ſie dann vernommen, der Freund und Goͤnner ſei im Examen beſtanden, o wie
hatten ſie da aufgejauchzt und ſchleunigſt Pfeifen,
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