geklungen, nahm er ſogleich auch an,
„Bis dahin ſind noch gute ſechs oder ſieben Stunden Zeit,“ ſagte voll Erbarmen der Mediciner.„Die Nacht iſt feucht und kalt. Sie könnten den Tod davon haben.“
„Ach, wenn's weiter nichts iſt!“ murmelte die arme Magd, indem ein paar dicke Thränen über ihre Backen liefen.„Was iſt an einem Ding, wie ich eins bin, gelegen! Nun vollends, da der Johann Feil, mein Schatz, mich, um der ſchwarzen Line willen, im Stich gelaſſen.“
Dem gutmüthigen Wendler ging das Herzeleid des armen Mädchens rechtſchaffen nahe und er wollte, ſo gut er es im Stande, daſſelbe eben zu tröſten verſuchen, als ploͤtzlich der Auftritt eine ganz unerwartete, ſchaurige Wendung dadurch erhielt, daß man aus dem Erdgeſchoß des Hauſes, vor dem der Arzt und das Dienſtmädchen ſtanden, den furchtbaren Ruf: Diebe! Mörder! Zu Hülfe! Zu Hülfe! heraustönen hörte.
Die Magd ſank mit dem Ausrufe:„Ach, du mein Himmel!“ bis zum Tode erſchrocken und halb ohnmächtig in die Kniee; Wendler aber ſtürzte im ſelben Augenblick gegen das erſte Fenſter neben der Thür, ſtieß oben und unten eine Scheibe ein und ſtemmte ſich, auf den Sims des Unterbaues geſprungen, da er hinter dem Glaſe auf einen Laden ſtieß, ſo kräftig gegen denſelben, daß dieſer im Nu krachend ausein⸗ anderbrach. Zwei Minuten darauf war das Fenſter offen und der junge Mann in einem dunklen Zimmer. So uner⸗ wartet und raſch das Ganze gekommen und,ſo leicht es geweſen wäre, dabei die Beſinnung zu verlieren, ſo glücklich war es doch, daß der Arzt ſo ziemlich ſeinen Kopf oben behielt. Indem er ſich ſagte, daß das Haus etwa ſieben Fenſter Front haben mochte und der entſetzliche Schreckensruf ziemlich nahe daß er vorn bleiben und ſich nach rechts hin wenden müſſe, um zu dem Schau⸗ platz des wahrſcheinlichen Verbrechens zu gelangen. Eilig
Novellen⸗Zeitung.
Schlafzimmer, vor einem zerwühlten, mit Blut beſudelten Bette, zwiſchen umgeſtürzten Stühlen und anderen Möbeln, bei dem mattgelben Schimmer einer Nachtlampe, die im Hintergrunde auf einem Waſchtiſche ſtand, ſah er eine hoch⸗ aufgerichtete alte Frau in blutigem Hemde, deren langes, greiſes Haar in vereinzelten Strähnen über die Schultern, den Nacken und zum Theil über das Geſicht hing, in dem ein paar große, furchtbar herausgetriebene, ſtarre Augen wie in's Leere ſtierten, indeß ihre Hände ſich krampfhaft um die Kehle eines Mannes ſchnürten, der röchelnd und nach Luft ringend, ſich bemühte, ſich der Erdroſſelung durch ein zu Boden Zwingen der Angreiferin zu entziehen.
In dem Moment, in dem Wendler auf der Schwelle des Gemaches erſchien, in dem dieſe Mordſcene ſich ereignete, verdoppelte der Mann, der kleiner als das Weib war, ſeine Anſtrengungen und warf mit letzter Kraft ſeine Bedrängerin ſo herum, daß er, der den Eintretenden im Rücken gehabt, denſelben jetzt vor ſich hatte. Als er bemerkte, daß dieſer, den Schreck bekämpfend, ſich auf ihn zu bewegte, bog er, ein fahles, blutunterlaufenes, verzerrtes Geſicht zeigend, ſich weit mit dem Halſe hintenüber, ſchnellte dann wild in die Höhe und warf mit furchtbarer Gewalt die ihn gepackt Haltende dem Arzte entgegen, der, kaum zur Beſinnung gekommen, jetzt auch ſogleich die ſtarren, kalten Hände der auf ihn Geſchleuderten ſich um ſeinen Hals preſſen fühlte.
Einen Augenblick lang verging ihm Hören und Sehen. Der Angriff war zu unerwartet, zu heftig, er ſelbſt noch von dem furchtbaren Schauſpiel zu ſehr außer ſich ſelbſt verſetzt, als daß er gleich und auf der Stelle die rechte Abwehr hätte treffen können. Als er nach einem Moment der Ohnmacht und Bewußtloſigkeit wieder zu ſich kam, fühlte er einen erkaltenden Leib eng an ſich gepreßt, ſtromweiſe aus mehreren Wunden am Halſe und in der
taſtete er alſo nach der angegebenen Richtung hin, wo er denn auch bald eine Thüre entdeckte, die er aufriß und welche ihn in einen zweiten, noch dunkleren Raum eintreten ließ, den er ebenfalls durchſchritt und an deſſen Ende er bald abermals
eine Thüre entdeckte. Nachdem er auch dieſe geöffnet, ſchim⸗
merte ihm von der entgegengeſetzten Seite aus einer Spalte am Boden, alſo wie anzunehmen war, aus einer abermaligen Thüre, ein blaſſer Lichtſchein entgegen, zugleich aber erreichten auch Töne ſein Ohr, die ſein Innerſtes auf einen Moment wie zu Stein erſtarren machten.
Es war wie ein dumpfes Schleifen und Schlurren, begleitet von fürchterlichen Lauten, gemiſcht aus Stöhnen, Aechzen, gurgelnden Athentzügen, aus dem allen hervor ein lauter Aufſchrei ſich, wie es ſchien, vergebens hervorzuringen bemühte.
Da ſtand Wendler mit geſträubtem Haar, ſtierem Blick und furchtbar klopfendem Herzen. Sechs Schritt lagen wahrſcheinlich zwiſchen ihm und der Scheidewand, hinter der ſich in nächtlicher Stille allem Vermuthen nach ein grauſen⸗ erregendes Schauſpiel ereignete. Nur das Verbrechen kann ſolche entſetzliche Töne, ſo fürchterlich geheimnißvolle Bewe⸗ gungen, eine Magie des Schauers erzeugen, wie unſer Arzt ſie in dieſem Augenblicke empfand, indem ein Geruch von friſchem Blut und tropfendem Todesſchweiß ihm faſt den Athem zu benehmen däuchte. Wie um ſich vor dem Erſticken zu retten, warf er ſich endlich auf den bleichen Lichtſchein los, traf eine Thür, faßte eine Klinke und——
Wer ſchildert die furchtbare Nachtſcene, die ſich ſeinem Blick nach dem Aufreißen der Thüre zeigte?
In einem ziemlich engen, mehr langen als breiten
Bruſt hinabfloß und ihn bis auf die Haut durchnäßte. Zwei verglaſete, ſtarre Augen glotzten den ſeinigen entgegen, indeß das blutfeuchte Haar, das ihm bei der heftigen Bewe⸗ gung entgegengeſchleudert worden war, ſich an ſein Geſicht klebte, in dem das abgeſperrte eigene Blut zu toben begann, daß er meinte, es jeden Augenblick aus Augen, Mund und Naſe zugleich hervorſtrömen zu ſehen.
1 Selbſtverſtändlich blieb ihm nun nichts übrig, als jetzt auch ſeinerſeits gegen die Frau zu kämpfen, und indem er
nun auch ihre Arme packte und ſie von ſich zu drängen oder
ſie niederzuwerfen ſich mühte, gewahrte er nur noch wie in halbem Traume, daß jener Mann, der ſich eben von ihr befreit, taumelnd nach dem Hintergrunde eilte, dort eine Thürklinke ergriff und die Nachtlampe löſchte.
Die Dunkelheit, die nun eintrat, machte die Lage Wendler's vollends verzweiflungsvoll. Eine Ahnung ſagte ihm, daß jener Mann, der ſich jetzt eben in die Schatten der Nacht hineinſtahl, ſicher der Mörder ſei, der zu ergreifen und feſtzuhalten wäre und welcher nun wahrſcheinlich das Freie gewann, indeß er, der Retter und Befreier, von dem Opfer des ſchändlichen Verbrechens, von Schreck, Todesangſt
und Schmerz um alle Beſinnung gebracht, irrthümlich für den Miſſethäter gehalten, mußte.
Der ſchaurige Auftrit von vorhin wiederholte ſich, nur noch in geſteigertem Maße, weil in gänzlicher Dunkelheit. Wieder dumpfes Schlurren und Schleifen, wieder Stöhnen, Aechzen, gurgelnde Athemzüge in der Stille der Nacht. 4
Und um wie übler war unſer Mediciner daran! Er
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