Novellen
eine Menge Pflanzen heilkräftige Säfte; der Land⸗ mann ſammelt ſie für ſich oder für den Apotheker in der Stadt, der ſie ihm für ein Geringes abnimmt. Mag auch in der Arzneimittellehre des Volkes Vieles nur Phantaſie, uralte, auf religiöſer Symbolik ruhende Tradition ſein, immerhin iſt die Fülle von balſamiſchen Aromen in der italieniſchen Flora, wenn auch mit der arabiſchen verglichen unbedeutend, doch gegen die kalte, ſtumpfe und wäſſerige Pflanzenwelt des Nordens gehalten, außerordentlich. So verfertigen die Hirten in den Abruzzen ihre weitberühmte acqua di cent' erbe, das Hundertkräuterwaſſer, dem wunderbare Wirkungen zugeſchrieben werden und welches ſie in der That oft äußert, was auch die wiſeenſchaftliche Medicin dazu ſagen mag. Manchem brigante der neueſten wie der älteren Zeit iſt damit auf ſeinem Lager von Laubzweigen die empfangene Schußwunde geheilt worden; das Beſte that dabei freilich der „allgegenwärtige Balſam allheilender Natur“, d. h. der kräftige Organismus des Naturſohnes. Nicht verſchieden davon iſt es, wenn der italieniſche Boden auch eine Menge Giftflanzen trägt, vor denen der Landmann warnt, z. B. die vielen Euphorbien und manche Ranunculusarten und wenn die Gifte be⸗ täubender und tödtlicher ſind, als bei uns. Nicht umſonſt hat Italien, wie die erſten Apotheken in Europa, ſo auch geſchickte Giftmiſcher, und nicht blos Wundwaſſer, ſondern auch acqua toffana hervorge⸗ bracht.— Verwandt mit all' dem iſt ferner der Reich⸗ thum an vegetativen Färbeſtoffen, den die Landleute beſonders in Süditalien zu verwenden wiſſen. Bald ſind es die Wurzeln, bald die Bläter oder das Holz, bald die Kohle und das Harz der Pflanzen, m itdenen die neapolitaniſchen Mädchen und Frauen ihre Wollen⸗ und Leinwandſtoffe, ihre Säume, Gürtel, Tücher und Schürzen roth und gelb und blau zu färben wiſſen. Gewiß hat der bunte Geſchmack bei jenen Volks⸗ trachten nicht blos in der Heiterkeit des Himmels und
„Zeitung.
weit mehr Alles in Allem iſt, als die Butter in Hol⸗ ſtein oder in Schweden, denn das Oel dient nicht nur zur Erleuchtung und in Geſtalt von Seife zum Waſchen, ſondern auch zur Bereitung der meiſten Speiſen, und ein unergiebiges Oeljahr iſt eine große Calamität; den Feigenbaum, deſſen zuckerträufelnde Früchte friſch und getrocknet die Familie des Armen ernähren helfen, denn ſie ſind häufig, wohlfeil und zu⸗ träglich; die Kaſtanie, in manchen Gegenden mehrere Monate des Jahres hindurch die vorzüglichſte Volks⸗ nahrung, ſo daß die mehr oder minder reichliche Kaſtanienernte Einfluß auf die Weizenpreiſe hat. Aber auch die Küchengewächſe ſind hier mannigfacher, und auf den Krautmärkten der größeren Städte pflegt um die Springbrunnen herum eine verwirrende Menge Wurzeln, Blätter und Knollen aller Art den muſivi⸗
erſchweren. Manches davon iſt bei uns nicht bekannt, nicht gebräuchlich, das Bekannte erſcheint in zahlreichen Varietäten; auch ſtammen unſere deutſchen Gemüſe, wie ſchon ihr Name lehrt, faſt alle aus Italien, nur wenige ſind urſprünglich in Deutſchland heimiſch. Noch mehr aber erſtaunt man über die große Zahl wildwachſender Pflanzen, die der Landmann, ja auch der Städter zur Nahrung verwendet. Je nach den Landſchaften iſt dieſer Gebrauch verſchieden, immer aber ſehr mannigfach; jede Jahreszeit bringt aus den Bergen und Gebüſchen, vom Rande der Felder und Wege, auch von den Bäumen irgend welche zarte Blättchen, junge Sproſſen, Wurzeltriebe, Blüthen⸗ knospen u. ſ. w., die entweder die Suppe würzen oder zu einem Gemüſe verkocht werden, oder roh oder geſotten mit Oel, Salz und Eſſig einen Salat ab⸗ geben. Von dem Vielen dieſer Art kommen uns nur etwa die Kapernknospen zu; wir thun ſie in unſere Speiſen und wiſſen in der Regel nicht, daß wir mit jedem dieſer kleinen Köpfchen eine der herrlichſten Blumen— ein weißer Kelch mit einem Büſchel lila⸗
der Fülle des Lichtes ſeinen Grund, ſondern auch in dem reichlich auf Bergen und in den Wäldern darge⸗ botenen Farbematerial.— Wie mehr färbende Säfte, ſo gewährt die Pflanzenwelt Italiens ſeinen Bewohnern auch mehr Nahrungsſtoffe aller Art. Bekannt iſt, daß im Süden der Menſch überhaupt mehr vegetabiliſche, im Norden mehr animaliſche Koſt genießt: dies Ver⸗ hältniß iſt oft als im Klima begründet und als phy⸗ ſiologiſch nothwendig dargeſtellt worden; ſicherlich aber hat der Charakter der reicher ſpendenden Vegetation auch ſeinen Antheil daran. In erſter Linie ſtehen hier die Fruchtbäume, die dem Norden verſagt ſind und von denen wir hier nur drei nennen wollen: den
blauer Staubfäden— in unentwickelter Knospe ver⸗ zehren. Beſonders häufig und beliebt aber ſind in ſüdlicher Weiſe die kalten Salate aus geſammelten wildwachſenden oder in die Gärten verſetzten Pflanzen:
richt dann noch mit den eßbaren orangefarbenen Blü⸗ thenkronen des tropaeolum majus oder den himmel⸗ blauen des Borretſch oder den roſenrothen des Judas⸗ baumes u. ſ. w. Auch an eßbaren Pilzen iſt Ueber⸗ fluß, darunter manche vom feinſten Geſchmack, wie ſie in den Fichten- und Birkenwäldern des hohen Nordens nicht vorkommen; nur die nordiſchen Beeren ſind ſo gut wie verſchwunden: von Heidel⸗ und Preißel⸗
Oelbaum, deſſen Product im ſüdlichen Haushalt noch
beeren weiß der Italiener nichts, die Brombeeren
ſchen Steinboden zu bedecken und die Auswahl zu
man ſchmückt das erfriſchende und leicht nährende Ge⸗
und frut Me gew Sch
ſich Autor den Vorli ſeht,
fürch der auch leben lung Bag enny d hat.


