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rungen zum Ziel ſetzen. Gutes und Tüchtiges läßt ſich allerdings immer beſſer auf dem Wege der Ein⸗ ſeitigkeit erreichen. Zu ſolchen Leiſtungen im kleineren Maßſtabe dürfen Sie das vorſtehende Buch rechnen.
Der Autor, der ein ſinnig kenntnißreicher, aber von Trockenheit weit entfernter Kopf iſt, läßt ſich wenig auf realiſtiſche Darſtellungen des italieniſchen Landes und Lebens ein, woran es auch in andern Werken nicht fehlt; wohl aber läßt er die Eindrücke des ſchönen Südens auf ſich wirken und giebt der un⸗ befangen erzeugten Stimmung durch einzelne Betrach⸗ tungen Worte:
So Mancher nun, der ſelbſt Italien geſehen oder viel darüber geleſen hat, findet gerade in ſolchen Aeußerungen ſeine Befriedigung, denn es wird ihm dadurch ergänzt oder faßbar gemacht, was er empfunden hat, ohne ſich immer darüber deutlich klar zu werden. Wir wollen, um einen Begriff davon zu geben, nur verfolgen, was der Verfaſſer über die italieniſche Ve⸗ getation vom Norden Unterſcheidendes ſagt:
Wir überlaſſen es den Botanikern, die Ziffer der Familien und Arten, um welche die Flora am ſüdlichen Fuß der Alpen die Flora Süd⸗ und Norddeutſchlands übertrifft, genau feſtzuſtellen, ſowie die in Norditalien fehlenden und jenſeits des Apennin neu auftretenden „Genera und Species aufzuzählen, aber auch ſchon dem bloßen Naturfreunde, dem aufmerkſamen Reiſenden fällt die Mannigfaltigkeit herrlicher Blumen, wechſeln⸗ der Kräuter und Geſträuche, neuer Pflanzengeſtalten auf. Was er zu Hauſe nur in einer Art kannte, tritt ihm hier mehrfach und viel⸗ fach entgegen; was er nur in Gewächshäuſern geſehen, erſcheint hier zuerſt einzeln im Freien, um noch weiter gegen den Aequator ſich in einer Menge Arten freudig auszubreiten.
die Familie der Liliaceen, Amaxyllideen, Orchideen, der Cichoriaceen, Sileneen, Antirrhineen, Ranuncu⸗ laceen, der Malven, Geranien, Convolvulus u. ſ. w. wuchern üppig in Arten und Individuen. Dabei färben ſich die Blumen mit einem Glanz, den ihre Schweſtern im Norden entfernt nicht erreichen; manche, die dort ungefärbt bleiben, nehmen hier zarte Farben an; beſonders ein leuchtendes Goldgelb herrſcht vor — wie bei den Papilionaceen, Euphorbien, Verbas⸗ cumarten u. ſ. w.— obgleich auch das liebliche Blau, wie bei den Borragineen, dem vitex agnus castus— dieſem Geſellen des Oleander am Rande der Waſſer⸗ läufe— den Glockenblumen u. ſ. w., nicht fehlt. So hervorſtechend iſt dieſe mannigfache Blumenpracht, daß ſelbſt der ernſte Alterthumsforſcher, den die Natur ſonſt wenig angeht, wenn er die Stätten alter Trümmer
Vierte Folge.
die bunte Fülle immer
Beſonders reich iſt in Italien das un⸗ überſehbare Heer der Schmetterlingsblumen; aber auch
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durchklettert und über zerſtreut daliegende Quader und Säulenfragmente ſteigt, nicht umhin kann, den Blick auf das überall zwiſchen dem Geſtein hervorbrechende verworrene Gewühl blühender Stauden und Sträucher zu wenden. Beſonders im Frühling, nach erfriſchendem Regen, bedecken ſich die Hügel und Gefilde weit und breit mit einem buntgewirkten Teppiche, über den die Schmetterlinge— gleichfalls größer, glänzender und zahlreicher als bei uns— flatternd ſchweben. Wie die Zahl der Arten geſtiegen iſt, die Farbe der Blu⸗ men deutlicher und entſchiedener geworden iſt, ſo iſt auch der Duft der Pflanzen in Italien von ganz an⸗ derer Intenſität, als in Mittel⸗- und Nordeuropa. Es giebt Zeiten im Jahre und Gegenden in Italien, wo Alles in Duft ſchwebt und jeder Athemzug bei Tag und bei Nacht mit balſamiſchem Wohlgeruch geſchwän⸗ gert iſt. Faſt jede Pflanze, die man berührt, faſt jedes Blatt, das man zerreibt, hinterläßt an der Hand einen würzigen, lange haftenden Duft. Unzählige Diſteln verbreiten ſüßen Honiggeruch, von der blü⸗ henden Oelwaldung und Rebenpflanzung kommt ein zarter Hauch, wildwachſende Narciſſen und Goldlack, Nelken und Violen, Geisblatt und clematis flammula, Roſe und Orangenblüthe miſchen ihre herrlichen Düfte mit dem Balſam der Zapfenbäume, der Myrtaceen, der Piſtazien und Lorbeern und der tauſend Gewächſe aus den Familien der Corymbiferen und der Labiaten. Beſonders die Letzteren, der Rosmarin, Salbei, Thy⸗ mian, Satureja, Lavendel, eine Menge Arten Münze u. ſ. w. verrathen ihre Gegenwart auf allen Hügeln, an den Wegen, in der Nähe der Kirchhöfe, auf ver⸗ wahrloſten Höfen, in den Ruinen u. ſ. w. Selbſt Morgens in den Städten, wenn die Märkte ſich mit Gemüſe füllen und von dort die Küchen in den Häuſern ſich verſorgen, wird man durch alle Straßen und an allen Hausthüren von dem durchdringenden Geruch der Wurzeln, Stengel und Blätter verfolgt; denn auch das Gemüſe iſt hier, wenn auch oft nicht ſo zart, als in den bedeckten Miſtbeeten des Nordens, doch reicher an natürlichem Duft und eigenthümlichem Ge⸗ ſchmack.— Kein Wunder, wenn es hier ſo viele Pflanzen und Pflanzentheile giebt, die zu Räucher⸗ werk dienen und aus denen wohlriechende Waſſer und ätheriſche Oele bereitet werden. Ein brennendes Stück Olivenharz, angezündete Lentiscuszweige auf dem Herde erfüllen auch die Hütte des Armen mit ange⸗ nehmem Wohlgeruch und eine Menge Kräuter, z. B. aus der Familie der Compositae die balsamita vul- garis L., geben ihm gewürzhafte Eſſenzen. Daher auch der Reichthum an officinellen Pflanzen, an Arz⸗ neigewächſen: in dem milderen Klima, bei der er⸗ höhteren Energie des organiſchen Lebens, entwickeln


