Jahrgang 
27-52 (1867)
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Hoch nach dem andern ausgebracht; und das Mond⸗ icht tanzte, die blühenden Bäume hauchten ſüße Düfte aus, eine Nachtigall ſang.

Zu Chriſtel trat da Goethe.Euphroſyne, auf den Himmel in Ihrem Hauſe! Das ſagte er, das Glas erhebend, mit zitternder Stimme.

Ihr Blick umflorte ſich.Excellenz o warum dieſes förmliche Sie?

Darf ich denn jetzt noch 2

Und wollen Excellenz nicht mehr Chriſtel's Vater ſein?!

Da fiel ſein Glas zu Boden, da faßten ſeine Hände die ihren, da ſank ſie in ſeine Arme, da rief er aus tiefſtem Herzensgrund:Du liebe, liebe, Euphroſyne!

Und das Mondlicht tanzte und die Ilm plätſcherte

und die Nachtigall ſang und ſang. (Fortſetzung folgt.)

Gedichte von Carl von Könneritz.*)

Die guten Träume. Weiß oft mein Herz der rauhen Wirklichkeit Des Lebens keine Luſt mehr abzuringen, So führt mich tröſtend zur Vergangenheit Ein Traum zurück auf ſeinen bunten Schwingen.

Schnell tauchen viele freundliche Geſtalten, Die ich gekannt, geliebt, doch auch verlor,

Aus alter Zeit ach, könnt' ich feſt ſie halten! Der kurzen Täuſchung noch einmal empor.

Und heiter ſtellt mein fernes Vaterland Sich hell vor die geſchloſſ'nen Augenlider; Den Kreis, die Zeit, wo meine Jugend ſchwand, Die ganze Welt der Freuden find' ich wieder.

Oft ſteh' ich auch in wohlgekanntem Raume, Doch nimmer liegt der in der Wirklichkeit! Streift der Erinn'rung Kraft vielleicht im Traume

Zuweilen noch hinaus vor unſre Zeit?

Wie manche Bilder hielt ich gern zurück! Doch wenn ſie uns am heiterſten umlachen, Dann fliehen ſie. O Gott! iſt's denn ein Glück, Von ſolchen Träumen wieder zu erwachen?

.») Aus dem Nachlaſſe des Königlich Preußiſchen General⸗ Lieutenants Carl von Könneritz. Leipzig, J. C. Hinrichs'ſche Buchhandlung. 1867.

Novellen⸗Feitung.

Nur Du allein!

Nur Du allein verſtandeſt meine Blicke,

Als träumend ich an Deinen Augen hing, Und ſchüchtern ſtumm in meinem Mißgeſchicke

An Deiner Lichtgeſtalt vorüberging. Als jedes Wort mir tief in's Herz geſchnitten,

Das Glücklichern vergönnt war, Dir zu weih'n; Nur Du empfandeſt, was ich da gelitten,

Nur Du allein!

Und Du allein nur lauſchteſt meinem Sange, Wenn die Natur in warmen Nächten ſchlief, Mein liebend Herz mit ſehnſuchtsvollem Klange Zum Himmel auf um Gegenliebe rief.

Du wußteſt, welcher Zwieſpalt mit dem Leben Den Tönen jene Weichheit konnte leih'n, Die nur der Schmerz der wunden Bruſt gegeben,

Nur Du allein!

Nur Du allein bemerkſt die armen Lieder,

Die ungekannt ſonſt durch die Fremde zieh'n, Erkennſt Dein Bild in ihren Zügen wieder

Und fühlſt, was mir des Dichtens Kraft verlieh'n. O, möchten ſie, wie leicht ſie auch gewoben,

Vor Deiner Gunſt ein wenig haltbar ſein! Denn Du allein haſt meinen Geiſt gehoben

Nur Du allein! 1

Das Blumenmädchen. Komm, lieber Knabe, ſteh' nicht von fern, Was ich auch habe, biet' ich Dir gern. Zu meinen Blüthen lad' ich Dich ein; Dugmußt Dich hüten, ein Schalk zu ſein. Denn e verwandeln leicht ihren Glanz, Rohes Behandeln bleicht jeden Kranz. Doch, holder Knabe, ſchwach, wie ich bin, Gäb ich die Gabe freudig Dir hin.

Literariſche Briefe von Otto Banckt.

Italien. Anſichten und Streiflichter von Victor

Hahn. Petersburg, Hofbuchhandlung von Schmitz⸗

dorff. 1867. A Von den zahlreichen Werken und Werkchen, welche

im Bereiche der Reiſebeſchreibung über Italien ge⸗ ſchrieben ſind, werden Ihnen die meiſten als ein all⸗

gemeines Potpourri erſchienen ſein, indem ſich die

Herren Verfaſſer gern die Vielſeitigkeit ihrer Schilde: