Jahrgang 
27-52 (1867)
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vergeſſe Sie nicht, daß ich von Adel bin und ſpäter eine große Stellung in der Welt einnehmen werde!

Viel tolles Zeug war freilich in dieſer Stube ſchon zu Platz gekommen, aber dergleichen war der Ruſchlerin denn doch noch niemals zugemuthet worden. Allein die Münze, die ſie noch immer mit dem Dau men rieb, und die Ausſicht auf mehrere dieſer harten und runden Dinger ſchlugen ſehr bald jedes Bedenken nieder, und da wies ſie mit ihrem dürren gelben Finger auf den Ofen, ohne noch ein Wort dabei zu reden. Hurtig verbarg ſich Hans und die Sibylle zog ein Spiel vor Schmutz ſtarrender Karten aus dem Bruſttuche hervor und theilte ſie in Häufchen. Gleich darauf erſchien Luiſe Rudorf.

Langſam ſchlug ſie den Schleier zurück und tiefſte Bläſſe lag auf ihrem Antlitz. An der Kammerthür blieb ſie ſtehen und ſprach kein Wort, ſie nickte der Ruſchlerin nur zu. Auch dieſe grüßte ſtumm und deutete auf einen Schemel, daran ſich ein ſchwarzer Kater ſcheuerte; der Beſuch jedoch ließ ſich nicht dar auf nieder. Still war's wie vor einem großen Er⸗ eigniß; Hans hörte ſein Herz hämmern.

Jetzt hob die Sibylle Karte auf Karte empor und legte ſie wieder nebeneinander nieder. Der Blick der Jungfer flog über ihr knöchernes Geſicht, auf dem das erheuchelte Erſtaunen wuchs.Nun, Frau, nun?! Länger vermochte Luiſe nicht an ſich zu halten. Die Alte kicherte noch eine Weile, dann aber rief ſie, zwei Finger auf Herz⸗König und Herz⸗Dame legend, mit gellender Stimme aus:Grundgütiger Gott! ich treib' mein ehrliches Geſchäft ſchon ſo viele Jahre, aber ſo was hab' ich doch noch nie erlebt! Nichts, gar nichts ſteht zwiſchen Herzen⸗König und Herzen⸗ Dame, und d'rum herum Alles roth, Alles gut, auch nicht ein Schwarzer! Schöne Jungfer, Ihr müßt Sonntags und zwar mit dem Glockenſchlag zwölf ge boren ſein!'s iſt ja gar nicht anders möglich!

Und was ſieht Sie? Rede Sie doch weiter! So bebte Luiſe, daß ſie nach der Thürklinke greifen mußte..

So wahr ich das redlichſte Weib bin! Ihr ſchießt den Vogel herunter! Herr meines Lebens! wie wird man Euch nachſehen, wenn Ihr mit dem herzliebſten Arm in Arm über die Straße geht, wie wird man Euch beneiden wegen des vornehmen ſaubern Schatzes, der noch obendrein richtig, hier liegen ja Herzen⸗ Zehn und Treff⸗Aß zuſammen! der noch dazu von Adel iſt!

Ueber Luiſens Antlitz fluthete Purpur.Doch! doch! ſtammelte ſie,und noch mehr?

Novellen⸗Zeitung.

Der Kater war ja hineingeſchlüpft und wohl auf das Bett geſprungen.

Freilich, noch mehr, begann wieder die Sibylle. Hört nur, der Herzliebſte iſt Euch ganz nahe, viel näher, als Ihr ahnen könnt. Ei, ei, noch heute Abend bekommt Ihr einen Kuß was ich ſage! tauſend

und ſo ſanft und überall

Ob der Kater wieder vom Bette herabgeſprungen war? Das Geräuſch in der Kammer wiederholte ſich.

Und überall gern geſehen. Der Tauſend! Da liegt der Bub unter Herzen⸗König. Jungfer, wißt Ihr, was das bedeutet? Euer Liebſter wird noch eine große Stellung in der Welt einnehmen und über viele Diener herrſchen! Ja, ja, Ihr ſeid ein Sonn⸗ tagskind und mit dem Glockenſchlage zwölf*

Und ich bin Dein und Du biſt mein! O Luiſe, o Engel, mein Engel! Mit dieſem Aufſchrei ſtürzt da Hans hervor und an Luiſens Bruſt. Sie iſt ſtarr, ſie verliert das Geſicht, Alles wankt, Alles dreht ſich, ſie fühlt ſchwellende Lippen, glühende Wangen nahe den ihrentauſend, tauſend Küſſe, mein himmliſches Liebchen! O nicht wahr, das heißt überraſchen?!

Die Sibylle kichert, die Rudorf fühlt eiſerne Klammern um ihre Bruſt, aber plötzlich findet ſie den

und ſtößt Hans zurück undda da

Meine theure Luiſe!

Herr Major von Knebel?! Sie hier hier? Wo bin ich denn? und wie? wie?

Da berühren ſeine Lippen die ihren und ſanft legen ſich ſeine Arme um ihren Nacken; und die Er⸗ glühende? Dieſe Lippen, dieſe Umarmung duldet ſie.

Die Sibylle kichert nicht mehr. Hans ſteht wie feſtgewurzelt, mit offenem Munde, wie von Millionen Donnern gerührt.

Ich ſchulde Ihnen Aufklärung, meine Theure. Längſt liebte ich Sie. Zweifelte ich an Ihrer Ge⸗ genliebe oder war es eine Befangenheit, die mich von einem Geſtändniſſe abhielt ich wagte es bisher nicht. Heute aber beſeelte mich ein neuer Muth. Zu voll war mein Herz, ich mußte zu Ihnen. Wie ich nach Ihrer Wohnung gehe, treten Sie eben aus der

fragte ich mich, ſie um dieſe Stunde gehen mag? Ich will's offen geſtehen, mich beſchlich die Eiferſucht. Ich folgte. Ich ſtaunte nicht wenig, als Sie hier ein⸗ traten. Und als ich eben wieder fortſchleichen wollte, merkte ich, daß die äußerr Thür nur angelehnt war und daß die Schelle mich nicht verrathen könne; die Neu⸗

War Jemand in der Kammer? War es nicht, als rühre ſich darin ein Fuß, eine Hand? Täuſchung.

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gier lockte mich an die Kammer. So ward ich Zeuge dieſes plumpen Spiels. Zuerſt freilich konnte ich gar nicht

Küſſe von ihm. O, er iſt ein ſo guter, lieber Herr

Ton und die Kraft wieder und laut ſchreit ſie auf

Hausthür. Ihr haſtiger Schritt fiel mir auf. Wohin,

faff laſ Bra er!

der bitter Sie ihm des? daßi richt

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