Jahrgang 
27-52 (1867)
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faſſen, wie Alles, was das Weib ſagte Doch laſſen wir das. Kommen Sie, meine Luiſe, meine Braut! Wer iſt dieſer freche Burſche? Wie kommt er dazu, Ihnen

Das Rudelchen, über deren Wangen Thränen der Erregung und des Entzückens rollen, ruft in bittendem Tone:Ludwig, ich beſchwöre Sie, ſchützen Sie mich vor dieſem abſcheulichen Menſchen! Wo ich ihm begegne, wird er zudringlich. Er iſt der Sohn des Barons von Blumenthal und mir ſo widerwärtig, daß ich gar keine Worte dafür finde!

Bitte, Liebe, beruhigen Sie ſich. Er ſoll Sie nicht weiter behelligen. Ich werde mit ſeinem Vater reden. Ihren Arm, theure Luiſe.

Sie gehen. Stürzt das Haus zuſammen? Die Ruſchlerin greift nach ihrem Kopf. Hans iſt ſeiner Sinne nicht mächtig; er taumelt hinaus.

So war denn der Traum des Barons in Er⸗ füllung gegangen...

Als Hans wieder das väterliche Haus betrat, kam ihm der Diener mit verſtörten Mienen entgegen. Mit dem gnädigen Fräulein wär's gleich zu Ende! Der Blutſturz habe ſich zweimal wiederholt und die Frau Herzogin habe es durchgeſetzt, daß derMusje Bruder und deſſen Braut geholt würden. Der gnä⸗ digſte Herr Papa aber aber ſei nicht zu bewegen ge⸗

weſen, nur auf einen Augenblick herunterzukommen, um ſo weniger, da die beidenKomödienſpieler wie der Wind hergeſtürmt wären. Der Arzt ſei auch zugegen, und es wäre doch wohl chriſtlich, wenn auch der junge Herr

Hans ſchwankte. Das eben Erlebte, namentlich Knebel's Worte:«Er ſoll Sie nicht weiter behelligen, ich werde mit ſeinem Vater reden» hatten ſolch' eine Wirkung auf ihn ausgeübt, daß ihn blitzſchnell hintereinander wieder Reue, Zorn und Furcht über⸗ kamen. Hinein und die Sterbende um Verzeihung bitten? Hinauf und dem Vater beichten? Er machte einen Schritt nach dem Krankenzimmer, dann einen nach der Treppe überall wieder der drohende Finger und die ſchauerliche Stimme:Du! Du! Du! Der

Diener, der noch immer vor ihm ſtand, vermochte

dieſes Zaudern nicht zu begreifen, und kam auf den Gedanken, der Junker müſſe krank ſein. Darum meinte er jetzt, der junge Herr bedürfe der Ruhe, und bat ihn, doch lieber in ſein Zimmer zu treten. Hans nickte dazu und ließ ſich führen und auf die Bergere legen und den gelbſeidenen Schlafrock über ſich breiten.

In der Stube gegenüber war es ſtill. Auf dem weißen Bette lag Cornelia, noch bleicher wie die Kiſſen. Zu Häupten des Bettes ſtand Heinrich, vor Cornelia knieete Chriſtel; Anna Amalia und der Arzt

Vierte Folge.

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ſtanden in der Fenſterniſche, vor den wollenen Gar⸗ dinen, die ſorgſam zugeſteckt waren. Niemand ſprach, nur die Pendule, dem Lager gegenüber, tiktakte, und die Pagode daneben nickte und nickte.

Jetzt flüſterten die Herzogin und der Arzt zu⸗ ſammen, und da fragte die Kranke, ohne den Kopf zu erheben, mit ſchwächſter, kaum hörbarer Stimme: Was ſagt Ihr? Geht es zu

O, rief plötzlich Chriſtel,wird das eine Freude werden! Wenn Du nun wieder ganz geſund biſt, mein Liebchen, dann führen wir Dich, Heinrich und ich. Und wenn Du müde wirſt, machen wir Halt und ſetzen uns auf den Raſen ja, täglich wollen wir in den Park gehen und da ſo fröohlich ſein, daß uns alle Vögel beneiden ſollen.

Was Chriſtel mit dieſen Worten und dieſer er zwungenen Munterkeit bezweckte, das fühlten die Andern nur zu wohl und konnten ſie nicht genug an ſtaunen. Ihr Herz drohte vor Weh zu ſpringen, und doch hatte ſie die Kraft, dabei zu ſcherzen, zu lachen. Heil Euphroſynen! Ja, ſie wollte ihn nicht nur tragen, dieſen Namen, ſondern auch überall Frohſinn und Heiterkeit verbreiten und dieſes Lieblichſte zumal in die Bruſt Derer ſenken, die da Abſchied zu nehmen hätten, weil ſie auf jener Grenze ſtänden, wo plötzlich der Vorhang falle und das Leben, dieſe größte Komö⸗ die, beendet ſei. Das hatte ſie ſich nach der tollen Stunde in Goethe's Garten gelobt, und darum zwang ſie ſich jetzt zu jenem muntern Geplauder, um Cornelia zu täuſchen, um das Abſchiedswort von ihren Lippen zu bannen, um ihre Bruſt mit Hoffnung auf Geneſung zu erfüllen.

Ganz wenig hob die Sterbende die Wimpern. Schön, ſchön von Euch, daß Ihr gekommen ſeid, flüſterte ſie.Eure Hände her, und ſchlinge Deinen Arm um meinen Nacken, Chriſtel. Ach, wie wohl das thut! Und warum kamt Ihr nicht früher? Ja doch, der Oheim! Wo bleibt Ver? und wo Hans? Richtig, die wollen von der armen Cornelia nichts wiſſen, und Hans war ſo garſtig, als ich von oben kam

Wozu die Erinnerung daran, Schweſter? fiel Heinrich ein, und raſch fügte Chriſtel hinzu:Du haſt ja mit der Vergangenheit gebrochen, theures Herz, laß doch das. Sieh, je ruhiger Du Dich verhältſt, je eher können wir in den ſchönen Park gehen. Ei, die wohlige Dämmerung im Stern, und die dunklen Bäume da über uns und die Ruhe um uns her!

Muß ich denn nicht ſterben? ſo zitterten Cornelia's Lippen.Und Du weinſt ja, Heinrich ach, Du auch, Chriſtel. Mit Euch an dem Abend im Stern, wie wunderbar lieb und ſchön es war, und