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von Zeit zu Zeit Coca kauend, legt er mit hundert Pfunden auf ſeinem Rücken auf unbeſchreiblich rauhen Wegen zehn Leguas in acht Stunden zurück. Allein bei all' dieſem bleibt die Coca nur ein Reizmittel, welches leicht gefährlich wird und dem einmal mit Leidenſchaft ihr Verfallenen kein Entkommen geſtattet. Kann man auch nicht in Abrede ſtellen, daß ſie Tauſenden unglücklicher Weſen eine kurz dauernde Erleichterung verſchafft, daß ihr Gebrauch unaus⸗ rottbar iſt, und daß ſie ſich in ſtaatsökonomiſcher Beziehung
von großer Wichtigkeit erweiſt, ſo kann man doch nicht
umhin, der treuherzig ausgeſprochenen Meinung eines alt⸗ ſpaniſchen Chroniſten beizupflichten,„daß der Gebrauch der Coca blos eine verdorbene Gewohnheit ſei, ſolcher Menſchen, wie die Indianer nun einmal ſind, vollkommen würdig.“ Alle Peruaner der gemeinen Claſſe ſind an dieſes Kraut
gewöhnt; nur machen die Neger und die Küſtenbewohner hin
und wieder eine Ausnahme. Geht doch der Aberglaube der niedrigſten Volksclaſſe in den Wäldern von Huanuco ſelbſt ſo weit, daß man dem Sterbenden Coca in den Mund ſchiebt, und ſeine Erklärung, daß er den Wohlgeſchmack empfinde, für ein ſicheres Zeichen ſeiner Seligwerdung nimmt!
Mit Ausnahme einiger Gegenden Braſiliens iſt die Art des Gebrauchs überall dieſelbe. Der Coquero trägt einen kleinen Beutel mit ſich zur Bewahrung der ganzen Blätter; denn die zerbrochenen erklärt er für weniger gut, die kleinen Fragmente, den abgefallenen Staub wirft er weg. Eine kleine Calabaſſe enthält ſehr fein gemahlenen Kalk. Durch den Pfropf läuft eine metallene Nadel; beim Ge⸗ brauche wird dieſe angefeuchtet, im Kalkſtaube herumgedreht und durch die im Munde gehaltene Kugel von gekauten Blättern gezogen, ſtets mit der Vorſicht, die Lippen nicht zu berühren, die ſich ſelbſt ein alter Coquero mit dem kauſtiſchen Kalke verbrennen würde. Unfehlbar verdirbt aber der Kalk die Zähne, und deshalb haben die peruaniſchen Coqueros ein abſchreckend ſchwarzes und cariöſes Gebiß. Ein Arbeiter der gemeineren Claſſe, zumal wenn er ein Indianer iſt, braucht in den öſtlichen Provinzen täglich ein bis ein und eine halbe Unze Coca; der Ausſchweifende bedarf das Doppelte, bisweilen ſogar bis vier Unzen.
Einige andere noch von Bach nach Pöppig eingetheilte Specialia über die Coca übergehen wir hier, um nur das allgemeine Intereſſanteſte feſtzuhalten. 6.
Duelle.
Bei den vielen Duellen, welche in der letzten Zeit unter den Publiciſten in Paris ſtattgefunden haben, erinnert ein Feuilletoniſt auch an den Kampf, den einzigen Kampf, den einer der liebenswürdigſten Literaten in Paris in ſeinem Leben zu beſtehen hatte.
X.. hatte dem Fräulein Z. ſehr angelegentlich den Hof gemacht, war aber dann nicht mehr bei ihr erſchienen. In Folge deſſen erhielt er den Brfuch des Bruders derſelben, welcher ihn mit den Worten anredete:
„Mein Herr, Sie haben ſich gegen meine Schweſter ſehr ſchlecht benommen.“
„Sie können mir nicht den Vorwurf machen, meine Verſprechen gebrochen zu haben, denn ich habe ihr leine ge⸗ macht.“
„Das iſt wahr. Aber Sie haben dadurch, daß ſie als erklärter Liebhaber derſelben auftraten, ihre Zukunft bleß⸗ geſtellt und ich komme daher, Ihnen die Alternative zu ſtellen,
Novellen⸗
Jeitung.
entweder meine Schweſter zu heirathen, oder ſich mit mir zu ſchlagen.“
„Mein Herr,“ antwortete der Andere ſtolz,„unter zwei Gefahren wähle ich ſtets die größte: ich heirathe.“ Und er heirathete das Mädchen.
Die folgende Anekdote ereignete ſich bereits vor mehreren Jahren, iſt aber noch nicht veröffentlicht worden.
B... hatte es wie X... oder vielmehr noch ſchlimmer gemacht. Es war nicht der Bruder, ſondern der Vater, welcher ſich bei ihm einfand und zu ihm ſagte:
„Mein Herr, Sie haben meine Tochter entehrt. Ich hoffe, Sie werden ohne Schwierigkeit begreifen, daß Sie mir eine Genugthuung ſchuldig ſind.“
„Welche Art von Genugthuung fordern Sie von mir?“ antwortete der Andere.
„Nun, wie mir es ſcheint, iſt die Heirath allein...“
„Troſtlos, mein Herr, troſtlos, die Heirath iſt nicht unter den mir zu Gebote ſtehenden Mitteln. Ich würde ein beklagenswerther Gatte ſein; ich habe ſchreckliche Manien, Eigenthümlichkeiten, die ſchaudern machen. So iſt mein Charakter. Ihre Tochter würde mit mir ein ſehr ſchlechtes Geſchäft machen.“
„Das iſt möglich; aber dieſe Erwägungen mußten Sie machen, ehe Sie dieſelbe verführten. Sie werden meine Tochter heirathen, oder morgen ſchlagen wir uns.“
„Gut, wir werden uns morgen ſchlagen.“
Am folgenden Morgen traten die beiden Gegner mit ihren Zeugen in der Nähe des Waldes bei Saint Ger⸗ main aus dem Wagen. Es fiel ein feiner Rege
Der Vater zog ſeinen Paletot aus, aber B.... dachte gar nicht daran, daſſelbe zu thun. Seine Zeugen forderten ihn auf, ſeine Arme zu entblößen, um die Chancen gleich zu machen, B.. weigerte ſich und führte als Grund an, daß er an einer Gehirn⸗Erkältung leide. Man entgegnete ihm, daß dieſer Grund nicht angenommen werden könne. Endlich
Hälfte ausgezogen, als er, weil es anfing, ſtärker zu regnen, ſchnell den Aermel des Paletots wieder anzog, indem er ſagte:
„Ach, meiner Treu; ich will mich doch lieber zur Heirath entſchließen.“ C.
Intereſſantes Zuſammentreffen.
Der Rentier A. in London war mit fünfundſechzig Jahren Wittwer geworden und nahm nach dem Tode ſeiner Gattin eine ſeiner Nichten, ein Mädchen von zwanzig Jahren, Namens Luiſe, zu ſich, die dem Onkel das Haus führen ſollte, wogegen er verſprach, für ihre Zukunft Sorge tragen.—
Luiſe beſaß einen äußerſt lebhaften, ſelbſtſtändigen Cha⸗ rakter; ſchon nach Verlauf von wenigen Tagen hatte ſie ſich der Herrſchaft im Hauſe vollſtändig bemächtigt, Alles mußte nur nach ihrem Kopfe gehen, und da ſie den Lärm Bewegung eben ſo ſehr liebte, als ihr Onkel für Ruhe, Stille und Bequemlichkeit eingenommen war, ſo ſah der arme alte
geworfen.
Er mochte indeſſen nicht mit Energie dagegen auftreten, weil ihm jede Scene in den Tod zuwider war; dagegen hatte er keinen anderen Gedanken mehr, als darauf zu ſinnen, wie er mit möglichſt wenig Lärm dieſe peinliche Lage ändern
könne. So faßte er denn nach vielem Hin⸗ und Herdenken
zum Aeußerſten getrieben, hatte er ſchon ſeinen Paletot zur
Herr bald alle ſeine lieben Gewohnheiten über den Haufen
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