Jahrgang 
27-52 (1867)
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zu

Vierte

und Ueberlegen den Entſchluß, ſich wieder zu verheirathen.

Da er jevoch den Widerſpruch Luiſens hierbei fürchtete, ſuchte er die Angelegenheit ganz geheim zu betreiben und beſchloß, nicht eher etwas davon verlautbaren zu laſſen, als bis Alles unwiderruflich feſtgeſtellt ſei.

Da er keine directen Schritte thun mochte, ließ er ein Heirathsgeſuch in die Zeitungen einrücken, wie deren täglich ſo viele darin zu leſen ſind. Am folgenden Tage erhielt er die Antwort einer Dame, die ſich zu verheirathen wünſchte, und der Brief gefiel dem Rentier ſo gut, daß er ſofort wieder darauf antwortete.

Die Sache machte ſich ganz prächtig: der Rentier ſah nicht auf Vermögen, die Dame dagegen machte ſich nichts aus ſeinem Alter kurz, einige Tage darauf verabredete man ein Rendez⸗vous im Sydenhamer Kryſtallpalaſt,

Sie werden mich ſehr leicht erkennen, ſchrieb die Dame; ich werde ein lila Kleid, einen weißen Hut und einen ſchwarzen Spitzenſhawl tragen.

Herr A. zeigte ſeinerſeits an, daß er an einem grauen Cylinder, einer blauen Cravate und einem braunen Rock kenntlich ſein werde.

So begab ſich unſer friedliebender Rentier denn ſeelens⸗ vergnügt nach Sydenham, indem er die ſchönſten Zukunfts⸗ pläne entwarf. Er tritt in die bezeichnete Gallerie, welche faſt menſchenleer war, ſo daß er ſchon von Weitem eine Dame in weißem Hut und lila Kleid erkennen konnte, welche auf ihn zukam. Er geht ihr entgegen und bereitet ſeine kleine Anrede vor, als ihm plötzlich die Dame in Lila in's Geſicht

lacht. Es war Luiſe, ſeine Nichte, die übrigens nicht minder berraſcht war, als er ſelbſt.

Sie hatte die Pläne ihres Onkels ſo halb und halb er⸗ rathen und da ſie fürchtete, die Heimath in deſſen Hauſe auf dieſe Art bald einzubüßen, den Entſchluß gefaßt, ſich durch die Zeitungen einen Mann zu ſuchen.

Onkel und Nichte erholten ſich allmälig von ihrer Ver⸗ legenheit, es kam zum Ausſprechen zwiſchen ihnen; und da Luiſe feierlich gelobte, ihr Betragen von nun an rückſichts⸗ voller gegen den Onkel einzurichten, war die Verſöhnung bald geſchloſſen und Beide gingen ganz vergnügt zuſammen, ein Mittageſſen einzunehmen. r.

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Misrellen.

In der Rechnung eines Advocaten für einen ſeiner Clienten fand ſich der folgende Poſten: In der Nacht aufgewacht und übe nachgedacht..

r Ihren Proceß fünf Dollar.

Eine alte geizige Frau, die auf ihrem Sterbebette lag, bediente ſich ihres letzten Athemzugs, um eine nur noch einen Zoll lange Kerze auszublaſen, indem ſie ſagte, ſie könne recht gut im Dunkeln ſterben.

och kann gar nicht begreifen, was es mit meiner Taſchenuhr iſt, ſagte ein Mann zu ſeiner Frau;ich glaube, ich muß ſie dem Uhrmacher geben, daß er ſie ausputzt.Nein, Papa, antwortete ihm hierauf ſein kleines ausgeputzt zu werden, ich und mein kleiner Bruder haben ſie dieſen Morgen ganz lange in dem Waſchbecken ge⸗ waſchen.

verzogenes Töchterchen,die Uhr braucht nicht

Jolge. 591 Eine hübſche junge Braut war an ihrem Hochzeitstage in tiefes Nachdenken verſunken. Eine ihrer Brautjungfern fragte ſie über den Gegenſtand, mit dem ſich ihr Geiſt beſchäftige.

Ich dachte darüber nach, antwortete ſie,welchen von meinen Anbetern ich heirathen ſollte, wenn ich Wittwe würde. C.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Frauenſchuld. Roman von Auguſt Dietzmann. Jena, bei Herm. Coſtenoble. 1867.

Der zu den alten geprüften und unermüdlich thätigen Veteranen zählende Verfaſſer, der für das ſociale und literariſche Leben nach allen Seiten hin ein offenes Auge gehabt hat, kann die Beliebtheit ſeines Namens und ſeiner unterhaltenden Arbeiten in der Leſerwelt ſchon dadurch erſehen, daß wir dieſem ſeinem Roman ſchon mehrfach in amerikaniſchen Zeitungen begegnet ſind, und zwar nicht nur in Beſprechungen, ſondern im corpus delicti ſelbſt, alſo wahrſcheinlich in Form von Nachdruck, aber von ſehr andächtigem umfaſſenden Nachdruck, wie ſolcher in der traus⸗ atlantiſchen Preſſe zum anſtändigen, wie man behauptet für Amerika paſſenden Piratenhandwerk gehört. Wenn ſolche Begegnungen, die dicht neben den Productionen Paul Heyſe's und anderer guter Namen hergehen, auch vielleicht nicht einträglich ſind, ſo bleiben ſie doch ſchmeichelhaft, denn unſere vielſchreibende Roman- und Novellenliteratur läßt es den Redactionen der neuen Welt nicht an Auswahl fehlen.

Der leicht und gefällig erfindende Verfaſſer hat in dieſer ſpannenden Erzählung aus den mehr verdeckten Gemüthsſchachten der modernen Geſellſchaft Motive zu ſeiner Compoſition ausgewählt, die manchen Reiz zu pſychologiſcher Enthüllung darboten und ohne Schwerfälligkeit nach verſchie⸗ denen Seiten hin mit Geſchicklichkeit beleuchtet worden ſind. Dabei herrſcht ohne überwuchernden, für die geſunde Einfach⸗ heit der Compoſitionen ſo ſehr ſchädlichen Perſonenreichthum ein natürlicher Dialog, der immer nur dazu beitragen kann, das Unterhaltende einer Lectüre in angenehmer und anregender Weiſe zu vermehren. O. B.

Vom Fels zum Meere. Von Dr. Carl Remy. Berlin, bei Heinicke. 1867.

Dieſe Sammlung von Gedichten hat ein rein vater⸗ ländiſches, nämlich preußiſches Intereſſe, in ſo fern ſie der Verfaſſer mit der Tendenz zuſammengetragen, alle mögliche erzählende und betrachtende Gedichte zu umfaſſen, die von frühen Zeiten bis zur Gegenwart in Bezug auf die kriegeriſche und feierliche Entwickelung des preußiſchen Staates und ſeiner Fürſten, Helden und Staatsmänner ſtehen. Es verſteht ſich aus der Sache, daß ſomit der Werth und das Zeitcholorit dieſer Dichtungen ſehr verſchiedener Art iſt und dieſelben oft nicht auf poetiſch⸗künſtleriſchen Werth Anſpruch machen können. Außerdem iſt die Sammlung Schule und Haus gewidmet. O. B.

1866. Dichtungen von Ernſt Scheerenberg. Berlin, bei Schindler. 1867. Wir ſchließen der obigen Sammlung die Anzeige dieſes dchens gleich an, da daſſelbe als ein auch rein dem

Bän preußiſchen Ruhm gewidmetes mit jener einige Aehnlichkeit