Jahrgang 
27-52 (1867)
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gemacht haben würden, wenn das Haupt der Familie in Montrouge oder in Grenelle gelebt hätte? Sie würden ſich nicht von uns losgeriſſen haben, glaube ich, denn ſie ſind die beſten Jungen in der Welt; dann aber hätten ſie nicht in der Mitte der ſchönen Pariſer Sachen gelebt; ſie hätten nicht die Muſeen, die Schauſpiele, die ſchönen Läden, die eleganten Toiletten geſehen, Alles, was den Geſchmack bildet, die Einbildungskraft erweckt, mit einem Worte das, was den Arbeiter zuweilen zum Künſtler macht. Sehen Sie unſern Leon an; aus einem einfachen Marmorarbeiter iſt er ein Bildhauer geworden. Wem verdankt er dieſes Glück? Weder ſeinem Vater, noch ſeiner Mutter, ſondern der Vor⸗ ſehung, welche uns erlaubt hat, unſere Familie in dieſer lebendigen und einſichtsvollen Mitte von Paris zu gründen. Ich habe deren Viele gekannt, Künſtler, Erfinder und Künſtler vom erſten Range, unter denen, welche den Ruhm und den Reichthum der Pariſer Induſtrie machen: Alle waren arme Leute, welche das Glück gehabt hatten, ſich an der Quelle des wahren Talents niederzulaſſen, wie wir.

Sicher übertrieb die gute Frau die Verdienſte ihrer Wohnung ein wenig. In ihrem Enthuſiasmus vergaß ſie die Gefahren, denen ſie ſich ausgeſetzt hatte, indem ſie in einem ſo engen Raume fünf Kinder, unter denen zwei Töchter waren, auferzog. Als man dieſen delicaten Punct berührte, antwortete ſie mit einem herzlichen Lachen:Bah! die Aufgabe iſt nicht ſchwieriger, als die des Wolfes, der Ziege und des Kohlkopfes.

Frau Alain beſaß nicht blos viel natürlichen Geiſt, ſondern ſie drückte ſich auch in ſehr gewählten Worten aus. Ihr Mann übertraf ſie, wie es ſcheint, an Unwiſſenheit, denn er konnte kaum Franzöſiſch ſprechen. Niemand, der ſie hörte, hätte errathen, daß ſie weder leſen noch ſchreiben konnte. So gaben zwei Bretagner, welche ohne jeden Schulunterricht aufgewachſen waren, ihren fünf Kindern eine ſehr genügende Erziehung; zwei Proletarier, denen kein andres Capital als ihre Arme zu Gebote ſtand, gaben Bürgern und ſelbſt Künſtlern das Daſein. Und dieſes Phänomen, ich ſollte ſagen dieſes Wunder des ſocialen Fortſchritts vollzog ſich in dieſem alten baufälligen Pariſer Hauſe. Und die Nutznießer dieſer glücklichen Veränderung gefallen ſich, zu erklären, daß dieſer alte Bau davon ſeinen Antheil hatte; ſie ſegnen die enge Wohnung, die ſie jährlich mit 250 Fr. bezahlten,

welche ihnen erlaubt hat, ſich im Mittelpuncte von Paris auszubilden, ſich zu entwickeln, ſich zu bereichern.

Wenn ich vor den Ruinen ihres alten Neſtes wieder an dieſe braven Leute denke, ſo frage ich mich, ob die unge⸗ ſunden Straßen, ob dieſe engen Hütten, dieſe dunkeln Gänge,

dieſe Wendeltreppen nicht ihre Beſtimmung, ihren Nutzen in der Welt gehabt haben. Waren dieſe armen Stadttheile, welche man jetzt verächtlich vor die Barrièren fegt, nicht ehemals der Dünger der Civiliſation? Sind nicht die ſchönſten Früchte der Pariſer Induſtrie aus dieſem Schlamm hervorgegangen? Vielleicht.

Ich begreife die edle Verachtung einer ganz allmächtigen Verwaltung: es iſt klar, daß Wohnungen zu 250 Fr. in der Mitte einer ſolchen majeſtätiſchen Stadt, wie Paris, ein Schmutzfleck ſind. Aber wir haben Arbeiter, welche wenig verdienen, und ich frage mich, unter welchem Dache ſie ihr Haupt ſchirmen werden, wenn das Paris der Träume der Municipalverwaltung fertig hergeſtellt ſein wird. Man verjagt ſie aus dem Mittelpuncte der Stadt nach dem Umfange; aber dieſer hat auch ſeine Koketterie: er bedeckt ſich gleichfalls mit Paläſten. Der Arbeiter wird ſich daher

Novellen⸗Zeitung.

auf dem Lande, weit, ſehr weit von ſeiner Arbeit niederlaſſen

und alle Morgen eine Reiſe machen müſſen, um ſich in ſeien11 6. Werkſtätte zu begeben, und alle Abende, um in ſeine Woh⸗ ſo nung zurückzukehren. Wird er alle Abende dahin zurück⸗ da kommen? Wird er ſich mächtig genug nach dieſer entfernten, bo faſt unbekannten Wohnung hingezogen fühlen, in die man ber nur eintritt, um die Augen zu ſchließen und aus der man tat beraustritt, wenn die Augen kaum geöffnet ſind! Sicher wird 39 er kommen, wenn er dort von ſeiner Familie erwartet wird. prun Es fragt ſich aber, ob die Arbeiter der Zukunft ſich Wir verheirathen werden, wie die in der frühern Zeit. Iſt es der auf Mühe werth? Man hat ſo wenig Zeit, einander zu genießen. ſen Und dann fehlt es in der Mitte von Paris nicht an Zerſtreuungen. Auf den Ruinen dieſer beſcheidenen Häuſer und erheben ſich künſtliche Paradieſe zur Benutzung für den gepu Arbeiter in der Blouſe. Hundert Billarde, zehntauſend dill Gasflammen, Vergoldungen, Spiegel, Lieder, was weiß ich? ſtör Und je mehr die Wohnung, dieſe heilige Arche der er d Familie, für die arme Welt unzugänglich wird, um ſo wohl⸗ Feit feiler verkaufen ſich die ungeſunden Vergnügen. 3 der Armes Haus der Frau Alain! Beſcheidene Jacobsleiter, Unn auf der ſo viel Proletarier hinaufgeſtiegen ſind, um ſich zum unen Bürgerthum zu erheben, ich will dich ein letztes Mal unte betrachten und deine achtbaren Ruinen in einen kleinen wür Winkel meines Gedächtniſſes eingraben!, erw Fort von hier! Wollen Sie ſich denn zerſchmettern ertr laſſen, Einfältiger?! Gel Der Einfältige war ich; der Gyps und die Mauer⸗ heit ſtücken waren bis zu meinen Füßen gerollt und die alte, mit iſt grünen Roſen bedeckte Mauer exiſtirte nicht mehrr 1 N. Die dümoniſchen Wirkungen des Caraſtrauches. 1 Einige transatlantiſche Pflanzen, welche große Ein⸗ d flüſſe auf den menſchlichen Organismus haben, werden ſole gegenwärtig zu mediciniſchen Verſuchen, beſonders auch von beſ Seiten der Homöopathen, benutzt. Viele jener Einflüſſe 6 ſind oöft irrig aufgefaßt; ſo die der berühmten Coca, welche n gleichfalls jenen Studien unterſtellt wird. A Der in der Ueberſchrift genannte Strauch liefert den N Eingeborenen in einigen Gegenden von Peru, beſonders in d denen, wo es Bergwerke giebt, ein berühmtes Reizmittel. Es dürfte um ſo angemeſſener ſein, dieſen Gegenſtand) näher zu beleuchten, da die früheren Nachrichten, die uns ſ über die Coca zukamen, ganz irrig zu ſein ſcheinen. Man g hatte die Coca als eine wahre Wohlthat der Natur bezeichnet; 2 ſie ſollte ſo nahrhaft ſein, daß die Eingeborenen auf Reiſen h und bei ſchwerer Arbeit vier bis fünf Tage lang weiter keine d Speiſe zu ſich zu nehmen brauchten. T Ddie Coca erſcheint als Buſch von ſechs bis acht Fuß 9 Höhe, den der Nicht⸗Botaniker ſich am erſten noch unter der A Form eines gerade gewachſenen Schwarzdornſtrauches vor⸗ ſtellen mag, welchem die Coca durch zahlreiche kleine weiße 9 Blüthen und das freundliche Grün der Blätter gleicht. Sie gedeiht am beſten in dem milden, aber ſehr feuchten Klima der Subandinen auf Höhen zwiſchen 2000 bis 6000 Fuß über dem Meere, wo das Queckſilber nicht leicht unter 150 C. ſinkt. Zum Trocknen der Blätter bedient man ſich allein der Sonnenhitze. Gelingt das Trocknen unter beſonders gün⸗ ſtigen Verhältniſſen innerhalb eines Tages, ſo gilt die erhaltene Waare für die beſte und wird als ſolche(Coca del dia) beſonders geſucht und gut bezahlt. Das Blatt iſt in dieſem Falle ſchön hellgrün und glatt.