584
neueingetretenen Mitglieder hatten ſie obenan auf ihrem Repertoir ſtehen, und da ſich dieſe zuerſt in größeren Rollen zeigen wollten und mußten, ſo ge— bot es die Nothwendigkeit, die auch das Publicum gelten ließ, daß ephemere Erſcheinungen wie„Der Frauenſtand“,„Der argwöhniſche Ehemann“,„Das rothe Kaͤppchen“,„Der Herbſttag“ mit den Perlen
deutſcher Poeſie abwechſelten.
(Fortſetzung folgt.) 1
Lieder von Ernſt Kuhl.
Am Himmel blitzt der Sterne Heer.
Am Himmel blitzt der Sterne Heer, Der Wind zieht rauh und kalt, Die Straßen liegen ſtumm und leer Und nur mein Tritt erſchallt.
Wer iſt's, der dort nach Mitternacht, Im kalten Kämmerlein
Noch einſam und verlaſſen wacht Beim trüben Lampenſchein?
Ein Mägdlein hold, in ſchlichtem Kleid; Sie ſtickt ein Angebind.
Am Tage trägt's ihr nicht die Zeit, Der Armuth bleichem Kind.
Das heil'ge Weihnachtsfeſt iſt nah', Ihr Liebſter weilet fern;
Nach altem Brauche möcht' ſie da Erfreuen ihn ſo gern.
Wie ſchmerzen ihr die Aeugelein
Vom trüben Lampenlicht,
Starr ſind vor Froſt die Händchen klein,— Allein ſie achtet's nicht.
Du gutes Kind, wirf ſchnell bei Seit' Nur Deine Arbeit hin.
Dein Liebſter ſitzt zu dieſer Zeit
Bei einer Buhlerin.
Sie ſchlürfen fröhlich jauchzend Wein Und küſſen neckend ſich,
Indeß im kalten Kämmerlein
Der Froſt durchſchauert Dich.
Rovellen⸗
Feitung.
Klatſchröschen.
Du brachſt die rothe Blum' im Feld Und riefſt:„Klatſchröschen ſpricht, „Verplaud're ja der böſen Welt „Dein Herzgeheimniß nicht!“
Das Wort will ich mir merken treu, Es hat wohl guten Grund.
Das arge Schwatzen brach entzwei Schon manchen Herzensbund.
Denn, was ſo recht zuſammenhält In Liebe fromm und wahr,
Das trennt' die böſe, falſche Welt Gar gern auf immerdar.
Sie lüget ſchlimm zu jeder Friſt Und redet giftig d'rein,
Bis endlich es gelungen iſt, Die Herzen zu entzwei'n.—
Doch wie das Ende werden kann,
Das quält ſie wahrlich nicht.
Was thut's, wenn auch im Stillen dann *
Ein Herz vor Kummer bricht?⸗
Literariſche Briefe von Otto Banch.
Komiſche Spaziergänge von Ludwig Rein⸗ hard. Coburg, bei Sendelbach. 1867.
Gerade an humoriſtiſchen, mit Witz und guter Laune begabten Kritikern, die jedoch zugleich des Ernſtes für den redlichen Dienſt der Sache nicht ent⸗ behren, werden Sie einen empfindlich fühlbaren Mangel bemerken. Um ſo mehr darf man ſich veranlaßt fühlen, jedes auf dieſem Gebiete auftauchende beſſere Talent mit Freuden zu begrüßen. Ein ſolches iſt Ludwig Reinhard. Sein Buch iſt weder ſtark, noch umfaſſend in logiſch geordneter Weiſe, es bietet eben nur einen Beitrag zur großen Materie des Komiſchen, welches mit dem Steigen der verfeinerten Völkercultur ein immer ſelbſtſtändigeres Leben, eine immer vielſeitigere Individualität gewonnen hat. Aber dieſes Werkchen, welches ſehr verſchiedene Geſichtspuncte und Speciali⸗ täten, Witz, Scharfſinn, komiſches Gleichniß, den Contraſt, das Komiſche und das kirchlich Heilige, das Naive und Grobkomiſche u. ſ. w. beſpricht, iſt mit großer Lebendigkeit und mit natürlichem Scharf⸗ ſinn und liebenswürdiger Munterkeit des Geiſtes ge⸗
ſchrieben. Es errinnert ein wenig an Weber und
— x— 110.
gie me Ei jed Unt des komi
rerei einen gad ausſi und
Land niſch Viel luſti Kon kann


