582
Ohr dafür. Cornelia's ganzes Gebahren Maske, Lug und Trug! Das ſchmetterte ihn faſt zu Boden. Alles hätte er verzeihen, vergeſſen können, aber das, das! Wer ſie verleitet haben mochte? Am Ende gar die Herzogin! War's der nicht zuzutrauen? Er kannte ja ihre Anſichten über Komödianten, deutlich klangen ihm jetzt ihre Worte in den Ohren: Wäre der alſo Heimkehrende mein Neffe oder mein Bruder, ich würde im Nu vergangene Tage und Leiden vergeſſen, ich würde das Haus mit Zweigen ſchmücken, die Arme ausbreiten und auf das Wohl des Einziehenden den Becher leeren!“ Und ſo thöricht, wie dieſe Herzogin, denke ja der geſammte Hof, Karl Auguſt an der Spitze. Sonſt hätte der doch auf ſein Schreiben, in dem er das Fernbleiben der Schüler von der Bühne gewünſcht, augenblicklich bejahend antworten müſſen. Gar keine Antwort habe er erhalten und er würde Weimar ſchon längſt verlaſſen haben, hätte nicht des Sohnes Hang zum Nichtsthun und zum ſchönen Ge⸗ ſchlecht ſein Dableiben durchaus nöthig gemacht. Nun, an den Hof ſei er ſeitdem nie wieder g gegangen; er wolle den Herrſchaften doch zeigen, daß ihm am Erſcheinen in einem ſo winzigen Schloſſe auch nicht ſo viel liege, ihm, den man im Berliner Schloſſe jeder⸗ zeit mit offenen Armen aufnehmen würde.— Alles das zog in dieſem Momente an ihm vorüber, und immer verabſcheuungswerther dünkte ihm die Schlange, die er gehegt und beſchirmt, die Alles ihm, ihm zu danken hätte! Sie gar nicht wiederſehen? und ihr kurz durch den Diener ſagen laſſen, ſie möge ſo ſchleunigſt wie moglich— Nein, doch noch ſie erſt hören, ihr noch Alles, Alles vorhalten, was— Und da hatte er ſchon den ſilbernen Hammer ergriffen und gegen die Glocke geſchlagen, und da ſtand der Diener ſchon vor ihm. Er befahl, Cornelia zu rufen; der Diener ging; er rief ihn wieder zu ſich, ſeinen Befehl abzuändern; dann ſchickte er ihn mit demſelben Auftrage abermals fort; und dann, als der Diener bereits unten war, wollte er doch wieder die Weiſung ändern, allein zu ſpät, denn gleich darauf vernahm er Cornelia's Schritt auf der Treppe.
Nun erſchien ſie in der Thür. Sie ſehen und abwehrend beide Hände ausſtrecken, das war jetzt Eins. Aber ſie blieb ſtehen, die Hände über der Bruſt gefaltet, die glänzenden Augen zu hu er⸗ hebend.—„Schlangenaugen!“ murmelte er vor ſich hin. Und jetzt begann ſie zu reden, ganz leidenſchafts⸗ los, er hätte den Zwang, den ſie ſich auferlegte, nach— empfinden müſſen, hätte er auf ſie geblickt; aber er wandte ſich mehr und mehr ab und deutete nur rück⸗ wärts auf die Thür. Nein, nein, das hatte ſie nicht verdient, das nimmermehr! Sie nicht einmal hören?
Novellen⸗Zeitung.
und man hört doch ſelbſt den Verbrecher an, der ſich vertheidigen will!„Doch, doch, er muß ſein Ohr mir leihen!“ rief es in ihr und abermals hob ſie mit bewegter Stimme an:„Mein Oheim, mich reden, Ihnen ſagen, daß endlich der Nebel ge⸗ wichen iſt, der ſich ſeit meines Bruders Entfernung aus Ihrem Hauſe um meine Augen gelegt hatte, daß ich jetzt klar und deutlich die Pflicht erkenne— 1“
„Gut, Modemoiſelle, gut, gut,“ fiel er ihr mit ſchneidender Stimme in das Wort,„führen Sie dann ſchleunigſt aus, was Ihre ſogenannte Pflicht Ihnen gebietet! Dort hinaus geht der Weg zu Ihrem gar ſo vortrefflichen Herrn Bruder, dort! dort!“ Und ſo redend, ſchritt er auf die, zu einem Cabinete führenden Gardinen zu, ſchlug ſie mit ſolch'geinem Ruck aus⸗ einander, daß einige der broneirten tteln in ſeiner Hand zurückblieben, und verſchwand. Noch lange blieb Cornelia auf demſelben Flecke ſtehen. Hatte ſie das wirklich vernommen, war er wirklich ſo, ſo, ſo von ihr gegangen? Nein, kein Traum! Sie fühlte ja, wie alles Blut nach ihre em Herzen ſtieg, wie ihr Schläfen hämmerten, ihre ſe flogen, ſie fühlte ſich plötzlich ſo matt, krank, elend, und doch ſo ſtark, gefuͤnd und glücklich, da ſie nun an Bruder und Schweſter dachte. Jetzt hin zu ihnen, um nie, niemals wieder von ihnen zu gehen! Und ſie eilte hinab; als eben die Treppe hinter ihr lag, welch' ein Ruf berührte da ihr Ohr?—„Friedrich, mache Er die Hausthür weit auf, Jemand will friſche Luft ſchöpfen!“ Wie ein Blitz durchzuckte es ſie:„Er war
Zeuge unſeres Glückes, er ergriff dieſe Gelegenheit,
um ſich Der zu entledigen, die ihm längſt ſchon im Wege geſtanden!“— Nun, ſein Wunſch ſollte ja er⸗ füllt werden, ſie wollte ja ſogleich gehen. Sie be⸗ trat ihr Zimmer. Welch' ein ſonderbarer Schmerz da über dem Herzen, und wie das hinter der Stirn hin und her wogte, und auf der Lippe ein Blutstropfen? Sie entfernte ihn mit dem Batiſttuche und tröſtete ſich:„Es wird beſſer, ſobald ich draußen, und bei Chriſtel bin.“ Sie zog den Mantelſack hervor, hinter dem Ofen lag. Lade und den Schrank, um von ihren Sachen in den Mantelſack zu werfen. Doch ſogleich mußte ſie wieder einhalten— der Schmerz über dem Herzen nahm
zu. Sie warf ſich in den nächſten Seſſel und ſtützte den Kopf:„Das hätteſt du doch nicht von Hans aubt!.... Daß der Oheim ſo dir begegnen e, konnteſt du unmöglich erwarten!.... Die
Brücke iſt abgebrochen, wohlan, ſchreite jetzt hin auf dem Wege zur Freiheit!“ Und wieder ſprang ſie auf, um wieder zum Schrank zu treten— ſie ſchwankte, ſie mußte ſich gegen die Wand lehnen, ſie hatte ein Gefühl,
laſſen Sie
der Sie öffnete dieſe und jene
8
1
*
8 5
als ſte Auswe auch Joch ei ſte drü Augen. wird mi Schweſte Nein, ſ ſpringen Lippen rothe T ſtigender einem T Kleid h Ac Stutz poſt zu Kopf g troſtloſ
gebens warttt,
durch d
† Ahy
ſtürzte Herrn Chriſte mit de eihielte
tage
müͤtt, ſtine
laſſen einen
vie
den Hoffn — da mehr au ſei müſe Nett don welc Tra ſteck
fühl
allei waͤrt Pub
eine


