mit dem prachtvollen Gebäude des einen Opernhauſes verbinden wird. Zwei Reihen großer, hoher und maſſiver Häuſer breiten ihre ein wenig zu reich mit Sculpturarbeiten verzierten ſteinernen Fagaden aus; längs der glänzenden Läden, von denen der geringſte nicht unter 50,000 Fr. jährlich vermiethet wird, finden ſich breite, bequeme Trottoirs; in der Straße durchkreuzen ſich glänzende Equipagen. Ein ſchönes Schauſpiel!
Eine lächerliche Idee gab meinem Enthuſiasmus recht zur Unzeit eine andere Richtung.„Werden dieſe koſtſpieligen Gebäude, die ich bewundere, als wenn ich ſie ſchon wirklich vor mir ſtehen ſähe, nicht ihrerſeits auch bald wieder nieder⸗ geriſſen werden müſſen! Es iſt Thatſache, daß wir die alten Straßen niederreißen, weil ſie der Circulation der Equipagen nicht mehr genügen. Je mehr Straßen wir niederreißen, um deſto mehr muß Paris ſich in die Länge und Breite ausdehnen. Je mehr es ſich ausdehnt, je länger die Gänge ſind, um deſto unmöglicher iſt es, die Stadt zu Fuße zu durchlaufen, und um deſto mehr wird die Zahl der unum⸗ gänglich nothwendigen Wagen wachſen. Vor zwanzig Jahren war der Boulevard Montmartre lächerlich breit; jetzt iſt er zu enge; er wird demolirt werden. Aus noch viel ſtärkerem Grunde geſchieht das mit der rue Vivienne, der rue Richelieu, der rue Saint Denis, der rue Saint Martin, lauter Straßen, deren Breite unſern Vätern einen Schrei der Bewunderung ausſtoßen ließ. Und wenn die Steinhauer der Demoliſſeurs ſie den Bedürfniſſen der gegenwärtigen Circulation angepaßt, wenn das von Tag zu Tag größere Paris den von den Fortifikationen umgürteten Raum her⸗ metiſch ausgefüllt, wenn ſich in Folge einer unvermeidlichen Logik die Geſammtſumme der Pariſer Wagen verdoppelt haben wird, wird man ſich dann nicht gezwungen ſehen, die Avenuen des Herrn Hausmann, des jetzigen Präfecten des Seinedepartements, zu erweitern? Werden die großen Paläſte mit ihren mit Sculpturarbeiten verzierten Fagaden nicht daſſelbe Schickſal haben, wie die alten, baufälligen Häuſer der rue Clos-Gorgeau?“
Ich weiß nicht, bis zu welchen Schlußfolgerungen dieſer Gedankengang mich geführt haben würde, aber ein zufälliger Vorfall verhinderte mich, ihn bis zum Ende zu führen.
Die Sonne, welche ſeit dem Morgen gegen ein Heer von Wolken kämpfte, bahnte ſich plötzlich einen Weg durch dieſelben und beleuchtete eine Mauer, die ich unbeſtimmt betrachtete, ohne ſie zu ſehen. Es war der hintere Theil eines niedergeriſſenen Hauſes; das Dach, die Vorderfronte, die Fußböden der drei Stockwerke waren eingeſtürzt. Es war aber gar nicht ſchwierig, im Geiſte das enge Häuschen wieder aufzubauen und ich beluſtigte mich einen Augenblick lang mit dieſem Spiel. Das ganze Immobil bedeckte eine Oberfläche von ungefähr vierzig Quadratmetres, höchſtens ſechs auf ſieben. Im Erdgeſchoß ein Laden oder ein Wirthshaus; die ganz entblößte Mauer ließ die Frage unentſchieden; man ſah blos im Hintergrunde eines Ganges die erſten Stufen einer Wendeltreppe. Die beiden obern Stockwerke erklärten ſich beſſer; man unterſchied außer der ſchwarzen Leitung eines Schornſteins zwei übereinander hängende Spülſteine, dann die Trümmer von zwei über⸗ einander ſtehenden Scheidewänden, dann zwei große Lappen von Tapeten, die ſich, einige Riſſe abgerechnet, bis an das Treppengehäuſe ausdehnten. Ich ſtellte die beiden Woh⸗ nungen in einem Augenblick wieder her, oder ſie bauten ſich vielmehr in meinem Gedächtniß von ſelbſt wieder auf. Die
Novellen⸗Jeitung.
Treppe führte auf einen kleinen, ſehr engen Vorplatz; die Thür öffnete ſich in ein enges, langes Zimmer, das ſein Licht von der Straße erhielt. Das war das Hauptgemach, es nahm die ganze Tiefe des Hauſes und zwei Drittel ſeiner Breite ein. Zur Rechten an dem Puncte, wo die Tapete aufhörte, war eine durch die Scheidewand begrenzte Küche mit einem vergitterten Dachfenſter, deſſen Luke noch da iſt. Das Licht kam demnach nicht aus der Straße in die Küche, die in dem entfernteſten Winkel des Hauſes nur ein enges Viereck einnahm; auf der Vorderſeite hatte der Baumeiſter ein helles Cabinet angebracht, welches viel kleiner als das Hauptzimmer war.
In dem Maße, wie ich im Geiſte in dem zweiten Stockwerke die Scheidewände wieder aufbaute, die beiden Fenſter wieder herſtellte und die Materialien des Fußbodens wieder zuſammenſetzte, ereignete ſich ein ziemlich ſonder⸗ bares Phänomen: die Wohnung möblirte ſich allmälig. Drei kupferne Caſſerolen, die im Verhältniß zu ihrer Größe einander folgten, glänzten mit einer Wärmflaſche von einer alten und merkwürdigen Arbeit längs der Wand in der Küche. In dem kleinen Zimmer ohne Camin gab es ein Bett von angeſtrichenem Holze, zwei Stühle, ein mit alten Büchern und Romanen, die ſtreifenweiſe unten an Journalen abge⸗ ſchnitten waren, bedecktes Bret. Das Hauptzimmer war faſt comfortable. Drei Matratzen und eine Decke mit Eider⸗ dunen thürmten ſich in einem Bettgeſtell von Nußholz auf. Der Tiſch in der Mitte war mit einer an zwanzig Stellen ausgebeſſerten, aber reinen Tiſchdecke bedeckt. Der Faience⸗ ofen erwärmte das Zimmer, fünf oder ſechs Kupferſtiche lächelten in ihren alten Rahmen; ein kleines, wohlfeiles Geſtell war mit Steingut und verſchiedenen Spielereien gefüllt; in der Mitte dieſer Sammlung bewunderte ich die Büſte einer alten Frau, nicht ſo groß wie eine Fauſt, aber mit großer Sorgfalt und Zärtlichkeit ausgeführt. Und ſiehe, dort in einer Ecke nach dem Fenſter zu bemerke ich einen großen Armſtuhl, mit rothem Sammet beſchlagen, und in demſelben ein altes Mütterchen von ſiebenzig Jahren, dos Original der Büſte, welche einen kleinen wollenen Strumpf ſtrickt. Das eingeriſſene Haus iſt nicht blos wieder möblirt, ſondern auch wieder bewohnt! Vergebens reibe ich mir die Augen; ich bin weder im Schlafe, noch in Ekſtaſe, und dennoch iſt es mir unmöglich, nicht zu ſehen, was ich ſehe.
Dann thue ich mir Gewalt an, ich prüfe mich ſelbſt, ich ſage mir, daß es keine Wirkungen ohne Urſache giebt, und ich ſuche aufzufinden, durch welchen Zauber von Umſtänden ſich dieſes Gemälde meinen Augen darſtellt. Es ſcheint mir nicht ganz neu; ich bin faſt ſicher, es ſchon geſehen zu haben; aber wo? wann? In dem Traume einer Nacht? oder in dieſem mehrjährigen Traume, den man die Kindheit nennt?(Schluß folgt.)
Ein Charakterbild der Italiener.
Es iſt das nachfolgende Bild vom Volkscharakter und Leben der Italiener, welches den ruſſiſchen Oberbibliothekar Hehn in Petersburg zum Verfaſſer hat, allerdings vorzugs⸗ weiſe nach den Lichtſeiten hin gezeichnet. Doch da dieſe wirklich zahlreicher, als das Vorurtheil meint, vorhanden ſind, theilen wir gern davon mit.
Ganz allgemein geſprochen, ſagt der erwähnte Reiſende, iſt der Menſch in Italien von ſchönerer, edlerer Rage, als der germaniſche Nordländer. Der Deutſche, wenn er Italien
betritt und den Italiener ſprechen, handeln, in Ruhe und
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