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Novellen⸗Zeitung.
lenken die Weimaraner nur noch den Schritt nach ſo mit ſchneidender Stimme das Rudelchen,„ich habe al dieſem Gange, wenn ein Künſtlerfeſt oder dergleichen meinem Schöpfer gedankt, daß Sie nicht mehr auf ul darin abgehalten wird, wenn's„was zu gucken giebt“? die Bühne gekommen ſind, und ich muß Sie nun 1 O, nirgends beſſer als unter den ehrwürdigen Bäumen ernſtlich erſuchen⸗ mich keine Secunde weiter zu be⸗ 1 des Sterns läßt ſich die Natur verehren, ein guter läſtigen!“* hi Vorſatz faſſen, eine freie Stunde traulich verbringen.„Aber liebes, ſüßes Rudelchen!“ Und vergebens 0. Und das haben ſie gewußt, die Unſterblichen Weimar's. verſucht Junker Hans, den Arm um ſie zu ſchlingen ol⸗ Wie oft, wenn es Abend geworden, hat ihr Fuß dieſen„Warum dieſe Sprache, die ja doch nicht aus Ihrem
Gang betreten, und dort im Graſe haben ſie gelagert, Herzen kommt! Ein Wort aus Ihrem ſchönen Munde zu und dort unter der Eiche hat der Apoll von Weimar und— wir haben uns gefunden! Fuͤhlen Sie denn 6 ein Märchen erzählt. Nicht immer in jener„tollen nicht, wie unausſprechlich ich Sie lliebe? Hat Ihnen Rit Zeit“ ſchwang die Tollheit den Herrſcherſtab; auch mein Auge nicht ſchon längſt geſagt, daß meine Ge— Mo
der Einkehr, dem Ernſte ward gehuldigt. Dort im Graſe und unter der Eiche iſt das Tiefſte und Er⸗ habenſte von geweihten Lippen erklungen. Aber dann — die Bälle her, farbige Lampen zwiſchen den Zweigen, Muſik, Tanz, Geſang, Blindekuhſpiel und Stelldicheins,
fühle redlich und rein, daß ich die feſte Abſicht hege, Ihr Glück zu gründen?!— Tauſend Hinderniſſe hemmten mich, früher zu Ihren Füßen zu ſinken, und ich habe gekämpft und Alles beſiegt und— da bin ich nun! Ich eile zu Ihrem Hauſe. Lottchen,
1 und ward der Stern zu eng, dann hinaus auf die Ihr Mädchen, ſagt mir, daß Sie dieſen Weg ge⸗ di Wieſe und toller und immer toller bis zum Hahnen⸗ nommen. Ich eile hinterher und ſinke nun zu Ihren n ſchrei... Füßen, um—“ Hor
Aber an jenem Abend, als Chriſtel und Becker eine Begegnung im Stern verabredet hatten, waren ja die bunten Lampen ſchon erloſchen, Tanz und Spiel vorbei, Muſik und Geſang verſtummt, da trug ja ſchon Goethe den Miniſterfrack und die Miene eines Hoftheaterintendanten. Ehrſame Bürger, die Pfeife im Munde, die Gattin rechts, die Kinder links, pflegten damals um die ſechſte Stunde„'n Bischen durch den Stern zu gehen“, aber daß ſie ſich mit dem Schlage Sieben wieder in der Wohnung befanden, das war ſo ſicher wie der ſonntägliche Kirchgang. Und daher war es um die achte Stunde todtenſtill unter dem grünen Dache und auf der Wieſe.
„ un ſchleunigſt wieder Kehrt zu machen! Ver⸗ ſtehen Sie, junger Mann, oder ſoll ich deutlicher reden und um Hülfe rufen?“ Und indem ſie ihren Weg fortſetzt und für all' ſeine Betheuerungen und Schwüre kein Ohr hat, ruft ſie ihm erhobenen Tones zu:„Schämen Sie ſich nicht, an ſolch' dummes Zeug zu denken? Gehen Sie fleißig in die Schule und lernen Sie etwas Tuͤchtiges! Wenn ich Sie blamiren wollte, würd' ich Ihre Thorheit beim Herrn Geheimrath erzählen, aber ich werde ſchweigen, weil Sie mich dauern!“
Sie eilt weiter; er bleibt zurück, wie von tauſend Donnern gerührt. Er hört nichts, er ſieht nichts,
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Doch nein, da ſchreitet eben Jemand über dieſe nur einen. Laut vernimmt noch ſein Ohr:„Alberner Wieſe und nach dem Goethe'ſchen Gartenhauſe, deſſen Junge!“— Seine Schülerliebesraſerei hat einen furcht⸗ 6 ſämmtliche Fenſter hell ſind. Excellenz giebt Ge- baren Stoß erhalten. Ihm iſt es, als könne er den 6 ſellſchaft; der Hofeonditor, der eine Nußtorte zu Weg, der zurückführt, nicht wieder finden, als müſſe 9 liefern hatte, hat's im„Anker“ erzählt. Wieland und er über jeden Grashalm ſtolpern. Bald taumelt er 1 Herder nebſt Frauen, Corona Schroter, der Major nach rechts, bald nach links, gleichviel wohin, nur 1 von Knebel und— ausnahmsweiſe, auf Knebel's nicht zurück in das einſame Zimmer. Wie der Mond 1 Wunſch— Demoiſelle Rudorf ſind geladen, und ſie ihn ärgert, der da über dem„Horn“, dem beſcheidenen iſt es, die eben, im weißen Kleide und mit einer 3—
Roſe im Haar, dem Heiligthume zuſchreitet.
Wer ſchleicht hinter ihr? Sollte es der Major ſein? Höher hüpft ihr Herz und gegen ihren Willen muß ſie ſtehen bleiben, der Athem verſagt ihr. Und näher kommt der Verfolger und jetzt lüftet er die — Mütze...
„Bon soir, werthe Demoiſelle! Endlich habe ich das Glück, Sie einen Augenblick allein— um Ihnen ſagen zu können, daß—“
„Was wollen Sie, junger Mann?“ unterbricht
Höhenzuge, an den Goethe's Haus ſich ſchmiegt, em⸗ porſteigt! Nach Finſterniß lechzt ſein durchbohrtes Herz— ah, da liegt der Stern und darin herrſcht mindeſtens Dämmerung.„O, Heldorf, Du hatteſt recht! Es hatte ja keine Eile, ihr die Liebe zu ge⸗ ſtehen, ich hab' ja das Alter noch nicht erreicht, die Angebetete in mein Haus fuͤhren zu können! Ich hätte mich noch mit ſüßem Lächeln, zartem Augenſpiel und ſchmachtenden Blicken begnügen ſollen!— Aber was ſind unſere Vorſätze, wenn das Herz zu ſpringen droht? Ich mußte reden, ich mußte meine ganze Seele
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