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den Prinzen Heinrich:„Der Mamamuchi iſt angekommen, was ganz Berlin in Aufruhr ſetzt. Dies nöthigt mir eine Ceremonie auf, die ich vermeiden möchte, wenn es ginge, um ſo mehr, da ſie ſehr koſtſpielig iſt.“ Später heißt es einmal: „Man muß ein abſonderliches Ceremoniell mit dieſen Türken beobachten, das mir mißfällt und mich beläſtigt, aber man muß es durchmachen, und ich werde mich darüber tröſten können, wenn es zu einem guten Vertheidigungsbündniß mit dieſen Herren Beſchnittenen führt. Vorläufig aber muß ich die Geigen der ganzen Geſchichte bezahlen; es koſtet mich 7000 Thaler monatlich.“ Ein andermal ſchreibt er:„Ich glaube jetzt ſicher zu ſein, daß dieſes Bündniß, an dem ich ſeit zehn Jahren gearbeitet habe, ſich abſchließen wird. Das
iſt eines der beſten Erbſtücke, das ich meinem Neffen.
hinterlaſſen kann, und das, nach menſchlicher Vorausſicht, dazu dienen wird, unſern Feinden und Neidern Achtung vor den Verträgen einzuflößen, die ſie mit uns abgeſchloſſen haben.“ Schließlich wiederholt er:„Nach meiner Anſicht iſt das Beſte an der ganzen Sache das Bündniß; denn bei der Geſandtſchaft habe ich die Rolle des Harlekin; ich kann mich (eine Anſpielung auf eine Stelle in Moliére's Malade imaginaire) aus der Sache nur ziehen, indem ich zahle.“— L.
Die Promenaden des franzöſiſchen kaiſerlichen Prinzen. 1
Aus dem reizenden Pyrenäenbade Bagneéres⸗de⸗Luchon ſchreibt man unter dem 13. Juli der France:
Seit ſeiner Ankunft in Luchon macht der kaiſerliche Prinz alle Tage eine Exeurſion. Vorgeſtern beſuchte er das Thal du Lis, eines der maleriſcheſten Thäler der Pyrenäen.
Hohe, mit Buchen und Tannen bedeckte Berge ſenken ſich bis zu einer Wieſe von der köſtlichſten Friſche und dem ſchönſten Grün herab. Ein Bergfluß, deſſen Gewäſſer von einer bewundernswerthen Reinheit ſind, benetzt ſie in ihrer ganzen Ausdehnung. Die verſchiedenartigſten Blumen und
beſonders die wilde Lilie, von welcher das Thal ſeinen
Namen hat, ſchmücken es und verzieren es mit Glanz.
fern bemerkt man den Pic Quarrat, die imponiren⸗ den Eisberge von Cabricules und Maupas und man ahnt das großartige Schauſpiel, deſſen man ſich bald erfreuen wird. In der That finden ſich am äußerſten Ende nach vorn der Schlund und die Cascade d'Enfer und ein wenig zur Linken die Cascade du Coeur, zu der man auf einem kleinen Fußpfade gelangt, nachdem man eine über den Fluß geworfene ländliche Brücke überſchritten hat.
Dieſe ſo majeſtätiſchen Berge, dieſes ſo lachende Thal ſchienen auf den jungen Prinzen einen ſehr lebhaften Ein⸗ druck gemacht zu haben und ihm großes Vergnügen zu gewähren. Nachdem er den Wagen verlaſſen hatte, richtete er ſich ſchnell nach der Höllencascade, die er ganz in der Nähe ſehen wollte, um ihre Höhe beſſer beurtheilen und mit ſeinen Augen den Gewäſſern folgen zu können, die ſich an den nackten Felſen in die Tiefe hinabſtürzen.
Einen Augenblick nachher verfolgte er den engen und abſchüſſigen Fußpfad, welcher nach der Herzcascade führt.
Ich betrachtete von fern dieſen reizenden Knaben, die Hoffnung Frankreichs; er marſchirte mit einem ſchnellen und leichten Schritt und beſiegte heiter alle Hinderniſſe, die ſich ihm entgegenſtellten. Ich folgte ihm mit meinen Augen und er erſchien mir in ſeinem weißen Anzug wie der kleine Berggeiſt. Zuweilen ſah ich ihn ſtic ehen, um das Schau⸗
Novellen⸗Zeitung.
ſpiel, das ſich ſeinen Augen darbot, zu bewundern, denn nichts iſt ſo ſchön und gefällt dem Auge, wie dieſes glänzende Lilienthal. 1
Geſtern wollte der Prinz das Gebüſch erſteigen, das ſich oberhalb der Bäder erhebt, um das Thal von Luchon in ſeiner ganzen Ausdehnung zu überſehen.
Der Berg, welcher die Badequellen beherrſcht, heißt Super⸗Bagnères; er hat eine Höhe von 5000 Fuß. Man hat längs ſeiner Seiten freundliche kleine Alleen angepflanzt, welche einen Laubwald durchſchneiden und die auf einem ſanften Abhauge bis auf eine Bergfläche führen, von welcher die Liebesquelle, la fontaine d'Amour, die ein ganz durchſich⸗ tiges Waſſer hat, herabfließt.
Es ſchien dem Prinzen ein ganz außerordentliches Vergnügen zu machen, die prachtvolle Ausſicht zu betrachten, die ſich über das ganze Thal von Luchon ausdehnt.
Die Badegäſte hatten ſich in einer ſehr bedeutenden Zahl in den Gärten der Bäder verſammelt und betrachteten mit einem unbeſchreiblichen Entzücken dieſen ſo theuern Knaben, welcher mit einer unglaublichen Behendigkeit und Kraft die Abhänge des Berges hinauf und herab lief.
Bei ſeiner Rückkehr begrüßte man ihn mit Enthuſiasmus.
Ich weiß nicht, welche Excurſion man morgen dem Prinzen vorſchlagen wird; aber wie ſchwierig ſie auch ſein mag, ſo wird ſie ſeine Kräfte nicht überſteigen, denn ſeine Geſundheit ſcheint vollkommen zu ſein.
Der Sclauenhandel auf dem weißen nil.
Der Vicekönig von Aegypten empfing kurz nach ſeiner Ankunft in Paris Ende Juni c. eine Deputation des franzö⸗ ſiſchen Comité der Emancipation und der britiſchen und auswärtigen Anti⸗Selaverei⸗Geſellſchaft, welche ihm eine Adreſſe überreichte, die ſeine Aufmerkſamkeit auf den Sclaven⸗ handel richtete, welcher auf dem weißen Nil getrieben wird. Ismael⸗Paſcha ertheilte hierauf der Deputation ſofort eine Antwort, deren Inhalt ungefähr folgender war:„Der Vice⸗ könig freue ſich, dieſe Deputation zu empfangen und der
Schritt, den ſie gethan, mache ihm Vergnügen, denn er
wünſche nichts mehr, als dem Sclavenhandel ein Ende zu machen. Er habe zu dieſem Zweck die ſtrengſten Maßregeln angeordnet; aber, obſchon er gegen ſeine eignen Unterthanen einſchreiten könne, ſo werde ihm das verboten, wenn er einen Verſuch mache, gegen Europäer einzuſchreiten, welche⸗ die Hauptſchuldigen ſeien. Sie betrieben Handel mit Elfen⸗ bein, aber das ſei blos ein Vorwand, denn ihr wirklicher Handelsartikel ſeien Sclaven, welche in Booten auf dem Fluſſe herab gebracht würden. Wenn dieſe Boote keine Flagge aufgehißt hätten oder unter ägyptiſcher Flagge führen, dann wären ſie verbunden, ſich einer Unterſuchung zu unter⸗ werfen, und ſobald Sclaven an Bord gefunden würden, ſo werde das Boot mit ſeiner Ladung confiscirt und die Handelsleute würden beſtraft. Innerhalb der letzten ſechs Monate habe er einen Commandanten und einen Obriſt erſchießen laſſen, welche ſeinen Befehlen ungehorſam geweſen wären und den Sclavenhandel begünſtigt hätten. Aber die Boote, welche Sclaven an Bord hätten, hißten gewöhnlich irgend eine europäiſche Flagge auf, weil ihre Eigenthümer Europäer ſeien, und wenn eine Frage wegen der Ladung an ſie geſtellt werde, ſo laute die Antwort, die Männer gehörten zur Mannſchaft, die Frauen wären ihre Weiber oder Ge⸗ liebtinnen und die jungen Perſonen ihre Kinder. Die ägyptiſchen Behörden könnten unter dieſen Umſtänden nichts


