Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte

thun, da ihnen das Unterſuchungsrecht entzogen ſei. Inner⸗ halb der letzten dreißig Jahre habe der europäiſche Einfluß Aegypten ganz umgeſtaltet, und wenn es ihm frei ſtehe, gegen

europäiſche Sclavenhändler einzuſchreiten, ſo ſollte der

Selavenhandel bald verſchwinden. Die europäiſchen Mächte ſollten ihm die erforderliche Autorität ertheilen, das Unter⸗ ſuchungsrecht auch in Betreff der Fahrzeuge, die unter einer europäiſchen Flagge ſegelten, ausüben laſſen zu dürfen. Das Erlöſchen der Sclaverei wäre eine andere und ganz für ſich beſtehende Frage. Die Sclaverei habe in dem Lande ſeit 1283 Jahren beſtanden und ſie ſei mit der Religion ver⸗ miſcht. Es ſei eine ſchreckliche Einrichtung und er wünſche, ſie erloſchen zu ſehen, aber das laſſe ſich nicht in einem Tage thun. Er ſei der Ueberzeugung, die Civiliſation und der Fortſchritt Aegyptens ſeien von ihrer Abſchaffung abhängig; und ſobald der Sclavenhandel aufhöre, werde die Sclaverei in funfzehn bis zwanzig Jahren verſchwinden oder nur wenig Spuren von ihr übrig bleiben, weil ſie dann von Außen nicht mehr recrutirt werden könne. Von der jetzigen Sclavenbevölkerung würden in dieſer Zeit Viele ſterben, eine gewiſſe Zahl derſelben ihre Freiheit erhalten und Andere würden in Familien aufgenommen werden. Er habe die Meinung ganz der in der Denkſchrift aufgeſtellten entgegen, daß der Sclavenhandel die Wurzel der Scla⸗ verei in ſeinem Lande ſei und ausgerottet werden müſſe, ehe die Selaverei aufhören könne. Die Abſchaffung des britiſchen Conſulats in Khartum habe ihn ſicher ermächtigt, wirkſamer gegen die Sclavenhändler einzuſchreiten, aber das einzige wirkſame Mittel, dem Sclavenhandel ein Ende zu machen, ſei, ihn mit der Macht zu bewaffnen, die Europäer zu ver⸗ hindern, ihn in ſeinem Lande zu betreiben. C.

Misrellen.

Die Herzogin Sarah von Marlborough trank bei einem großen Familiendiner einſt die Geſundheit aller Anweſenden und fügte hinzu:Welch ein herrlicher Anblick iſt es doch, ſolch eine Menge blühender Zweige aus einer einzigen Wurzel zu ſehen!

Sie ſah, daß der ebenfalls gegenwärtige Lord Spencer lachte und beſtand darauf, die Urſache dieſes Lachens kennen zu wollen, ſie würde es nicht übel nehmen, es ſei was es wolle.

Nun gut, Frau Herzogin, ſagte er;ich dachte, wie viel mehr die Zweige noch blühen würden, wenn die Wurzel unter der Erde wäre!r.

Ich wünſchte, ſagte ein ungariſcher Edelmann,ich

wüßte einen Ort, wo Niemand ſtirbt, damit ich dorthin gehen und meine Tage daſelbſt beſchließen könnte.

r. . Der Geiſtliche von Saint⸗Point, der Beſitzung Lamartine's, welcher den Dichter nur als Gutsherrn,

Deputirten des Arrondiſſements und Quaſi⸗Präſidenten der Republik kannte, ſagte 1848 eines Tages ganz erſtaunt zu ihm:Man verbreitet das Gerücht, Herr von Lamartine, Sie hätten Bücher geſchrieben; iſt das wahr? r.

Der engliſche Dichter Pope ſagt:Das Palbgelehrt⸗

ſein iſt ein gefährliches Ding. Trinke tief aus der Quelle

r.

der Muſen, oder koſte ſie gar nicht.

8 F

Folge. 559

Vam deutſchen Büchermarkt.

Sophonisbe. Leipzig, bei Duncker u. Humblot. 1867.

Der ungenannte Verfaſſer hat dieſem Trauerſpiel eine Mittheilung über die Geſchichte der unglücklichen Sophonisbe vorangehen laſſen, ſoweit wir in alten Schriftſtellern darüber Kunde erhalten. Weiterhin geht er auch auf die verſchiedenen Behandlungen ein, welche dieſer ausgiebige Stoff bisher gefunden hat, deutet dann die verſchiedenen Auffaſſungen an, welche dieſer hiſtoriſche Gegenſtand gefunden hat und finden könnte, und ſchließt mit einer Darlegung ſeiner Conception. Da es nicht in der Miſſion dieſes Blattes liegt, auf drama⸗ tiſche Erzeugniſſe analytiſch einzugehen, ſo müſſen wir es auf ſich beruhen laſſen, zu unterſuchen, mit welchem poetiſchen Schöpferglück oder Unglück der Autor ſeiner Auffaſſung Form und dichteriſchen Ausdruck gegeben hat; nicht verhehlen wollen wir aber, daß dieſe Auffaſſung ſelbſt ganz die unſere und unſers Bedünkens nach die einzig höhere und richtige für eine derartige Aufgabe iſt. O. B

Geſchichte des Krieges von 1866. Karl Winterfeld. Berlin, bei Guſtav Hempel. Dieſer kurze Kriegsabriß, der mit Karten, Schlacht⸗ plänen und einigen andern Abbildungen verſehen iſt, gehört zu den vielen Büchern über jenen eminenten Feldzug, denen natürlich ihrer Raſchheit und Flüchtigkeit wegen nur amtliche Berichte, aber kein eigenes unabhängiges Quellenſtudium zu Grunde liegen kann. Bis Gründlicheres und Umſichtigeres erſcheint, ſind ſie geeignet, dem momentanen Bedürfniß vorläufig einigermaßen zu genügen, denn nicht Jeder hat Zeit und Geduld, ſich aus den nur ſelten genauen oder unparteiiſchen Zeitungsberichten eine Zuſammenſtellung zu O. 1 29 Lebende Bilder aus Paris.

machen. Köln, Verlag

Bachem. 5

Es mag mit Recht hervorzuheben ſein, daß die 1 manche, in zu leichte, wortmachende Schwatzhaftigkeiten hinübergehende Plaudereien enthalten und oft weit vom Gegenſtande abſchweifen. Dagegen wollen wir abern gern anerkennen, daß ſie manche eigenthümliche und nicht von jedem Touriſten wahrzunehmende Seiten des Pariſer Lebens beſprechen und viele geſellſchaftliche Zuſtände kennzeichnen, die zur genrebildlichen Auffaſſung der Speciali⸗ täten beitragen.

An Politiſchen Beziehungen und Beſprechungen vieler öffentlicher Perſönlichkeiten fehlt es dabei nicht und der Ver⸗ faſſer hat ſehr auf die Intereſſen Rückſicht genommen, welche

Von

die Welt der häufig angeredeten Welt der Leſerinnen ſagt und ſagen dürfte. Dieſe Bücher werden auch Demjenigen manche Erweiterung bieten, der Paris bereits kennt und dort gut orientirt iſt. O. B.

Inhalt: Euphroſyne. Aus Weimars goldnen Tagen von Karl

* Neumann Strela.(Fortſetzung.) Gedichte von Bruno

Hertel. Die Lerche. Sei nicht ſo ſtolz. Verſchiedene Sprachen. Literariſche Briefe von Otto Banck.

Feuilleton. Les Mémoires de Guizot. Studien in der römiſchen Campagna. Zwei Naturheilungscuren. Friedrich der Große und türkiſche Beſuche. Die Promenaden des franzöſiſchen kaiſerlichen Prinzen. Der Sclavenhandel auf dem weißen Nil. Miscellen. Vom deutſchen Buchermarkt.

Berichtigung. In Nr. 31. Seite 541. 1. Spalte, Zeile 16. von oben

muß es heißen: Berlin ſtatt Leipzig.

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