Jahrgang 
27-52 (1867)
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Vierte Solge.

Jene noch einmal:Meine theure Schweſter! Dieſe nickte und warf ihr Kußhände zu.

Cornelia war allein. Es regnete, als ſie heim⸗ fuhr; doch als ſie den Wagen verließ, wölbte ſich über dem Hauſe des Barons ein Regenbogen. Und ſonderbar! fuͤhlte ſie ſich kräftiger, oder hatte die Erregung heute das Gegentheil bewirkt? Sonſt hatte ſie ſich, wenn ſie lange des Bruders gedacht oder mit der Herzogin über ihn geredet, zum Tode ermattet in den Fauteuil werfen müſſen aber heute konnte ſie noch bis zur Dämmerung im Zimmer auf und ab⸗ ſchreiten, und ihr Leiden vergaß ſie völlig.

Der Diener trat mit einer brennenden Kerze ein und Cornelia erfreute die Mittheilung, daß ſie, da ſich der Stallmeiſter von Stein beim Baron befände, nicht zur Theeſtunde zu erſcheinen brauche. Müſſe ſie doch, rief ſie ſich zu, dem Oheim gegenüber das Auge zu Boden ſchlagen. Sie geſtand ſich, daß ſie ein Unrecht begangen, da ſie beim Abſchied von Chriſtelmorgen gerufen, daß ſie damit einen Pfad betreten, der Sie mochte ihn nicht ausdenken, dieſen Gedanken! Wohin war ſie gekommen? Und abermals trat in den ſchwärzeſten Farben der Un⸗ dank, den ſie im Begriff ſei gegen den zweiten Vater zu begehen, vor ihre Seele.

Während der Nacht erquickte ſie kein Schlummer. Hatte doch die Herzogin von nur einem Plauder⸗ ſtündchen mit einer Altersgenoſſin geſprochen und nun? Sollte ſie an Chriſtel ſchreiben, ihr die Un⸗ möglichkeit vorſtellen aber ſie hatte ja Chriſtel in der einen Stunde ſo ſehr lieb gewonnen und jetzt ein Weſen gefunden, das ſie Freundin, Schweſter nennen durfte und von dem ſie ja nun viel, viel über den Bruder erfahren ſollte, der auch nach ihr ſich ſehnte!

Es war ein arger Streit, in den da Kopf und Herz geriethen; es ſiegte das Herz...

(Fortſetzung folgt.)

Gedichte von Bruno Hertel.

Die Lerche.

Du fragſt, Alwin, warum zum Himmel Sich ſchwingt die Lerche, wenn ſie ſingt? Und ob nicht näher dem Gewimmel

Der Erde ihr das Lied gelingt?

Die Lerche wie ein frommer Dichter Fühlt ſich gedrückt im Lärm der Welt; Sie ſucht des Himmels reine Lichter, Im Flug ſich ihr das Lied geſellt.

Nur über'm Staube dieſer Erde

Find't ſich der ächte Liederſinn;

Wenn Gott den hohen Flug ihr wehrte, Sie wär' wohl nicht die Sängerin.

Zwar ſingt ſie auch in freveln Banden Des Käfigs, doch ein ander Lied,

Und wer den erſten Sang verſtanden, Dem trübt der zweite das Gemüth;

Denn was die freie Luſt erzeuget, Der Seele kühner Schwung gebar, Vom Schmerze wird es nie erreichet; Nur düſtre Schatten ſtellt er dar.

Sei nicht ſo ſtolz.

Sei nicht ſo ſtolz, mein ſchönes Kind; Durch's Tannicht ſauſt ein kalter Wind, Der weht die Blumen kalt und todt; Und blühten ſie auch noch ſo roth,

Und blühten ſie auch noch ſo ſchön, Sie müſſen all' zu Grabe gehn.

Tret' nicht ſo hart, du ſtolzes Kind, Auf Blüthen, die verwelket ſind;

Der Himmel weinet Thränen d'rauf, Die Erde nimmt ſie liebend auf,

Und du, mein Kind, ſei nicht ſo ſtolz, Es zieht ein kalter Wind durch's Holz.

Verſchiedene Sprachen.

Du haſt mit den Augen ſo ſehr geweint Und heimlich im Herzen gelacht:

Ich glaube, du haſt auf mein großes Leid Theilnehmende Verſe gemacht.

Ich habe dabei im Herzen geweint Und mit dem Munde gelacht,

Und mit dem Kopf auf Weibertreu Eine Satyre gemacht.

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