Die ſchlimmen Freunde. Aus dem Tagebuche einer jungen Ehefrau. (Schluß.) „Das Kind iſt nicht wohl; ſpäten Aufbleiben,“ ſagte Wilhelm.
damit ja doch nichts,“ ſagte er etwas bitter. „Aendern, Wilhelm?“ fragte ich.
ſagteſt, um elf Uhr ſeieſt Du zurück.“
dann ſtöre ich Niemand.“ „Thue das— ein anderes Mal,“ ſagte ich
nächtlichen Freuden rechnen. Ein Gedanken über mich hin.
ſeine Geſchäfte nicht beſorgen können. der Zeit ein heiteres Geſicht ſehen laſſen,
er dennoch in meiner Seele las? Bisweilen auch,
kommen; denn ſeine Schwäche eingeſtehen, hieße bei ihm
zeihen darf.
1 Meine Ruhe iſt dahin. So oft Wilhelm das Haus verläßt, zittere ich, er möchte jenen falſchen Freunden
begegnen und nicht wiederkehren. Geſtern ſah ich ihn einen
Schlüſſel einſtecken und zuckte zuſammen, als ob ein Meſſer durch mein Herz führe.„Was iſt Dir?“ fragte er verwundert.
„Schrie nicht unſer Kleiner?“ fragte ich, mich faſſend.
„Du wirſt nervös,“ erwiderte er kopfſchüttelnd.„Du mußt mehr unter Menſchen gehen.“
„Ach! denke doch an das erſte Jahr unſerer Ehe und unſer ſtilles Glück!“ ſagte ich wehmuthsvoll.
Er biß ſich in die Lippen. Ein Seußzer ſtahl ſich aus ſeiner Bruſt.„Freilich! Damals geſtattete man uns noch, uns ſelbſt zu leben!“ bemerkte er bitter,
„Und wer kann uns jetzt noch daran hindern, ſobald wir es wollen?“
„Du kennſt die Welt nicht, Franziska!“ ſagte er kopf⸗ ſchüttelnd.„Man muß mit dem Strome ſchwimmen.“
Novellen⸗Zeitung.
Feuilleton.
„Ich weiß es,“ erwiderte ich und wandte mich zu ihm, doch ohne ihm in das Geſicht zu ſehen, aus Furcht, den Spuren ſeiner geſtrigen Luſtbarkeit zu begegnen.„Ich habe mir auch ſchon bittere Vorwürfe deshalb gemacht, das arme kleine Weſen die Unvorſichtigkeit ſeiner Mutter büßen zu laſſen!“ „Ein anderes Mal lege Dich ruhig zu Bett, Du änderſt
„Habe ich denn etwas ändern wollen? Du weißt, daß Du beim Fortgehen
„Ja freilich! Aber in Geſellſchaft guter Freunde kann man eine Stunde nicht inne halten. Das führt ſogleich zu zugeflüſtert; allein ein Viertes verdunkelte den Kerzenſchein, Neckereien. Ich nehme ein anderes Mal beide Schlüſſel mit, und dieſes Vierte war der Schatten unſeres dahingeſchwun⸗
und Woche wandte mich ab, meine Bewegung zu verbergen. Ein anderes Mal! Ich durfte alſo auf Wiederholungen dieſer Fröſteln zog bei dem
Wilhelm iſt mehrere Tage unwohl geweſen und hat einen verſteckten Vorwurf ahnen. Ich habe ihn während reizbar geworden,
Zu einem offenen Ausſprechen darf es dabei nicht unter uns
ſeiner Eigenliebe eine tödtliche Wunde verſetzen. Er wird ſich nie einer Schuld anklagen, ſo wenig wie ich ihn einer
„Wehe uns, wenn wir es müſſen!“ ſagte ich tief bewegt.
Er ſah mich hierauf einen Augenblick gedankenvoll an,
das kommt von Deinem es ſchien ihm noch eine Antwort auf der Lippe zu ſchweben;
plötzlich aber wandte er ſich um und verließ mich.
Er iſt geſtern wieder bei den Freunden im Wirths⸗ hauſe geblieben und erſt in der vierten Stunde heimgekehrt. — Ich hatte mich müde geweint und war eingeſchlafen; aber ſein Schritt erweckte mich. Damit ich nicht bemerken ſolle, wie ſpät er ausgeblieben, erſchien er beim Frühſtück. Zu meinem Leidweſen entdeckte er nun meine aufgeſchwollenen Lider, ſagte aber nichts darüber.
Das Weihnachtsfeſt iſt herangekommen, ein Tannen⸗ baum mit vielen Lichtern brannte luſtig im Wohnzimmer, der Kleine ſtreckte ſeine Händchen danach aus, wir waren nun zu Dreien, wie Wilhelm mir vor einem Jahre
denen Glückes. Wilhelm bringt zwei, drei Abende in der außer dem Hauſe zu; und wenn er an den übrigen Tagen bei mir bleibt, ſo iſt es ihm jetzt ein Opfer, und weil es dies iſt, kann ich auch nicht mit jener Luſt dieſen Abenden entgegen ſehen und ihm von meinem Glücke, ihn bei mir zu haben, ſprechen; denn er würde in jeder ſolchen Aeußerung
Er iſt überhaupt ſehr
ſchmeckt die Arbeit nicht, machen den Kopf wüſte, er wünſcht immer nur um ſich ſelbſt leben zu können. Seine Praxis
Ich habe meiner Mutter geſchrieben und ſie gebeten,
das Auge groß und ehrlich zu ihm erhebe, läßt er das zu meinem Beiſtande herzueilen. Vielleicht, daß ihr Einfluß 3 ſeinige ſinken. Sieht das nicht wie Schuldbewußtſein aus? dem Ruine unſeres Hauſes zu ſteuern vermag. Wilhelm
ſteht jetzt ſelten vor zehn Uhr auf, und man ſieht ihm auch dann noch die Abſpannung an. Eine Art Apathie hat ſich ſeiner bemächtigt. Er ſpricht wenig und ſchaut mit trübem Blicke um ſich. Weder ich, noch mein Kind, können ihm Erheiterung bringen. Wenn er unerwartet in das Zimmer tritt und mich mit dem Kleinen beſchäftigt findet, ſo ſcheint V ſich mit dem Anblick eine Laſt auf ſeine Bruſt zu legen.
Meine Mutter hat meine Bitte abgeſchlagen. Sie ſagt: ein Dritter habe noch nie einer Ehe Glück gebracht. Was eine junge, hübſche Frau, ihr Kind auf dem Arme, auf der Lippe die beredte Sprache des Herzens, nicht über den Gatten vermöge, das vermöge auch ſonſt Niemand, und eeine Sache, die durch ſolche Verfechter verloren bleibe, ſei nicht zu retten. Sie tadelt mich, daß ich bis jetzt nie Vor⸗ ſtellungen verſucht, daß ich geſchwiegen, wo ich hätte reden, geduldet, wo ich hätte kämpfen ſollen; allein Wilhelm's
— und glaube es noch. Indeſſen— es iſt jetzt nichts mehr zu verliexen, ſo ſei auch dieſer Schritt noch gewagt. Leider nur fühle ich, daß nicht die Beredtſamkeit der Liebe mehr auf meinen Lippen wohnt, daß die Mutter meines Kindes zu
ihm reden und die Pflicht ihr die Worte in den Mund geben muß; denn— ich achte ihn nicht mehr. Wenn eine Frau ihren
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daran mag ſein Befinden ſchuld ſein; das mit keiner denn nach einer durchwachten Nacht Miene mein betrübtes Herz verrieth. Scheinbar war nichts die Getränke unter uns verändert, im Grunde aber wankte der Boden reich zu ſein, unter unſern Füßen, der Boden unſeres gegenſeitigen leidet, ſeine Einnahme vermindert ſich. Ich ſoll Einſchrän⸗ Vertrauens. Er beobachtete mich manchmal heimlich. Ob kungen machen, weil er außer dem Hauſe mehr verbraucht.
wenn ich
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ſchwache Seite kennend, glaubte ich dieſe ſchonen zu müſſen,—
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