Jahrgang 
27-52 (1867)
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Gedichte

Hans Adolf Münnich.

Mein Liebchen hat Augen

Mein Liebchen hat Augen Wie Perlen ſo klar,

Wie goldig Geſpinnſte, So lockt ſich ihr Haar; Korallen im Meere,

Die ſind nicht ſo roth, Als wenn ſie zum Kuſſe Die Lippen mir bot!

Es ſchmückt ſich im Felde Die Lilie mit Fleiß,

Und doch iſt ſie lange Wie Liebchen nicht weiß: Und daß von Pretioſen Vergeſſen nichts ward, Mein Lieb hat ein Herze, Wie Demant ſo hart!

Zur Jagd die ſchöne Fürſtin ritt.

Zur Jagd die ſchöne Fürſtin ritt, Jung Gisbert ſtand von Ferne,

Er zöge zu dem Pirſchen mit

Wohl um ſein Leben gerne:

Doch wagt er's nicht

Sein Herze ſpricht:

Bedenke doch, du biſt ein Knecht, Und für die Fürſtin viel zu ſchlecht, Als daß ſie bei dem Jagen

Nach dir, dem Knecht, ſoll fragen!

Und wie er ſinnet ſolchen Traum, Da klopfen laut die Spechte

Und höhnen ihn vom Eichenbaum: Fürwahr, Du biſt der Rechte! Biſt Du ein Mann,

So klopfe an,

Bedenke doch, vor mancher Thür Da liegen Schloß und Riegel für, Und dennoch auf ſie ſchließet, Wen's Klopfen nicht verdrießet!

Und als er nun die Fürſtin fand, Weiß nicht, was er geſprochen, Da fing er nur mit leiſer Hand An's Thürlein an zu pochen:

Vierte Folge. 53⁵

Ob er gewann,

Man ſah's ihm an,

Denn als er kehret aus dem Wald, Da jauchzt er, daß es widerſchallt: Viel Dank, ihr lieben Spechte, Ihr lehrtet mich das Rechte!

Wenn die Liebenden nicht wüßten

Wenn die Liebenden nicht wüßten, Daß des Schmollens arge Wort' Süßbeſeligend ſich küßten

Von den böſen Lippen fort

Würden ſie zu allen Zeiten Nicht beginnen dieſes Spiel, Würden nimmermehr ſich ſtreiten Gar ſo häufig und ſo viel!

Weil von ſüßerregtem Munde Sich das Schmollen küßt ſo ſchön, Wird man auch zu jeder Stunde Liebende entzweiet ſehn!

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Natur und Gemüth. Von Karlvon Hippel. Berlin, Verlag von Alex. Duncker.

Den beſten neueren Werken, welche Ihnen über das Verſtändniß der Pflanzenwelt und des Feld⸗ und Waldlebens bekannt und lieb geworden ſind, ihr Regiſter iſt klein genug, dürfen ſie getroſt dieſes Buch zuzählen, das der ſinnvolle und fein beobachtende VerfaſſerBeiträge zur Aeſthetik der Pflanzenwelt genannt hat. Das WortZeſthetik darf weitere Kreiſe nicht abſchrecken, denn man hat es hier nur mit durchaus leicht faßlichen, friſch und lebendig ge⸗ ſchriebenen Unterhaltungen zu thun, die an den natür⸗ lichen Verſtand und an das Gemüth jedes Gebildeten gerichtet ſind. Wohl aber hat es hier von Hippel ver⸗ mieden, ſich dem großen Publicum im weiteſten Sinne des Wortes zuzuwenden, und das gerade iſt zum Beſten ſeines Werkes geſchehen, da ſomit ſich auch jener trivial populäre, vollkommen gekünſtelte Plau⸗ derton unnöthig machte, welcher über den Ernſt der Naturerſcheinungen mit würdeloſen Phraſen hinweg⸗ geht und mit dem ſchlechten Geſchmack der Menge kokettirt.

Der Verfaſſer nimmt ſtets auf wiſſeenſchaftlicher