Jahrgang 
27-52 (1867)
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518 Hans, was iſt geſchehen? Hat Dich das Rudelchen ablaufen laſſen? Hat Dir Dein Alter die Freundſchaft, will ſagen die Füchſe, aufgekündigt?

Um Gotteswillen, das fehlte uns noch! rief der dürre, hektiſche Gruber.Sprich, Hans, was iſt los? Du ſiehſt wie ein Kaͤſe aus und ſchneideſt eine Fratze wahrhaftig, als hätte das Rudelchen Dich ablaufen laſſen!

Wer weiß, ob Hans die Wahrheit geſagt, wenn nicht die Studenten auf ſeine Liebe zu Demoiſelle Rudorf geſtichelt hätten. Aber den Glauben, er ſei

nicht erhört worden, mußte er ihnen benehmen, das

forderte ſeine Ehre. Und darum rückte er nun gernd und ganz leiſe redend mit dem heraus, was ſich ſeit der letzten Begegnung mit ihnen begeben hatte: er erzählte von dem Zorn und der Strenge des Vaters, der an jedem Abend durch das Schlüſſelloch blickte, um ſich zu überzeugen, ob in dieſem Zimmer Licht ſei.

Da brachen die Studenten in ein wahrhaft ho⸗ meriſches Gelächter aus, und es währte eine geraume Weile, bis ſie die Faſſung wiedererlangten, um durch⸗ einander rufen zu können:

Verteufelt luſtig!Famoſer Witz!Und Du Narr kehrſt Dich daran?Hans, wo haſt Du Deinen Kopf gelaſſen?Dem Alten eine Naſe drehen mußt Du!

Ruhig! Ruhig! ermahnte Hans und winkte mit beiden Händen Einhalt;das Zimmer meines Papa's iſt gerade über uns!

Einerlei! rief Heldorf, ſprang vom Sopha empor und ſetzte ſich wie ein Reiter auf ſeinen Hund; da ſieht man, Bruder, daß Du die Kinderſchuhe noch nicht völlig ausgetreten haſt. Uebrigens freut es mich, mein Sohn, fuhr er unbekümmert um Hans' beleidigte Miene fort,daß nicht die Rudorf die Veranlaſſung zu Deiner Abſperrung von der Welt ge⸗ geben hat. Wie weit biſt Du mit ihr?

Ach, ſeufzte der Gefragte,wie lange hab' ich meinen Engel nicht geſehen!

So wirſt Du ihn heute Abend ſehen. Zwar ſteht ſein Name nicht mit auf dem Zettel, aber daß er in der Schauſpielerinnenloge, auch Ziegenſtall ge⸗ nannt, erſcheinen wird, das iſt ſo gewiß, wie abge⸗ machte Sache.

Ja, aber der Papa das Licht wenn mich der Stallmeiſter von Stein, der zuweilen zum Papa kommt, im Theater bemerkte! ſtotterte Hans.

Junge, rief da Heldorf, ſich in die Bruſt wer⸗ fend,haſt Du denn für keinen Pfifferling Courage? Du drehſt dem Alten eine Naſe, indem Du die Thür von ianen abſchließeſt und durch das Fenſter Reißaus

Novellen⸗Zeitung.

nimmſt natürlich bleibt das Licht brennen! Sollte Dein Alter wirklich Lunte riechen und pochen immerhin, was natürlicher, als daß Du über der la⸗ teiniſchen Grammatik ſüß entſchlummert biſt?! Das Fenſter wird nur angelehnt, und wenn dreimal der Hahn gekräht, kehrſt Du auf dieſem nicht mehr ganz ungewöhnlichen Wege wieder in Dein Gefängniß zurück. Punctum!

Und die Hauptſache aller Hauptſachen, fragte

jetzt Gruber,wie befindet ſich Dein werther Geld⸗

beutel?

Hans erglühte bis unter die Haare und bevor er zu antworten vermochte:Allerdings, ganz aufrichtig geſprochen vergingen einige Secunden.

Tod und Teufel! brachen die Muſenſöhne los, indem ſie ſchnell wie der Wind nach ihren Mützen griffen und zur Thüre eilten,das ſind ſchöne Ge⸗ ſchichten! Wir kommen nach Weimar, um hier frei nach Schiller zu ſingen:Ein luſtig Leben führen wir, ein Leben voller Wonne! und nun Donnerwetter! warum haſt Du nicht gleich ganz aufrichtig geſprochen?!

Aber, Freunde, rief darauf Hans, Beide feſt⸗ haltend, haſt Du mich denn früher gefragt, Gruber? Und was macht das aus, ob der Beutel leer oder voll iſt? Pah, la méême chose! Ich bin der Sohn des Barons von Blumenthal man wird es ſich zur Ehre anrechnen, mir zu borgen!

Dieſe Worte waren natürlich für vier Ohren die lieblichſte Muſik, und der Gymnaſiaſt pries ſeinen Einfall, der ihm die Freundſchaft der Studenten er⸗ halten, glücklich. Denn jetzt waren dieſe wieder wie umgewandelt, ſie umarmten den Freund, und Heldorf rief:

den Hals und der Adlerwirth muß ankreiden mit Grazie in infinitum! und Gruber echote:Zwölf Flaſchen! in infinitum!

Alſo Ihr meint, Brüder, daß ich es wagen kann? fragte noch Hans.Stein Einzige, der zuweilen zum Papa

Stein hin, Stein her! ſchrie der dicke Heldorf, der ſitzt auf der Galerie und Dein Platz iſt im Par⸗ terre. O Du Glücklicher, Du wirſt Deinen Engel

Meinen Engel werd' ich ſehen, unterbrach der Liebende, die gefaltenen Hände auf das Herz legend, und jedenfalls ſchlägt er meine Begleitung nicht ab!

Halt, mein Sohn, das wäre zu viel gewagt und ganz überflüſſig, bemerkte Heldorf mit ächt väterlicher Miene;haſt Du ſelbſt mir nicht geſagt, daß es mit dem Geſtändniſſe Deiner Liebe durchaus keine Eile habe, daß über die Liebe einer Theaterſängerin zu

wirklich iſt der

Dir, dem Sohn eines xeichen Barons, nicht der ge⸗

Nach dem Theater brechen wir zwölf Flaſchen

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