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Vierte Solge. Einige,„uns läßt er nichts wiederholen, mit uns iſt er jetzt zufrieden.“
Darauf laſen Hubert und Arthur die Scene noch einmal. Unter dem Tiſche legte Goethe die Hände zuſammen, als ob er applaudire. Und weiter ging's, weiter, bis zu jener Stelle, wo Arthur, indem er durch einen Sprung von der Mauer der Burg zerſchmettert wird, den Tod findet. Da ſprang Goethe empor, die Arme ausbreitend, als wollte er zu retten eilen—„ah,“ und drei Finger drückte er gegen die Stirn,„es iſt ja Komödie.“
Von ihrer Rolle ſchaute Chriſtel auf.„Nun?“ Ein Gemiſch von Freude und Furcht lag auf ihrem Geſichtchen.
„Nun? Nun?“ fragte der Dichter und auf ſeinem Geſichte lag Sonnenglanz.
„Nun, wie war's denn?“ meinte ſie mit zögernder Stimme.
„Nun, ſo komm zu mir her, ich werde es Dir in’s Ohr ſagen.“
Hurtig wie ein Vögelchen flog ſie vom Stuhl auf und an ſeine Seite.„Da haſt Du mein Urtheil,“ ſagte er und gab ihr einen Kuß.
„Und hiermit empfange auch mein Urtheil,“ ſagte Corona, ſie auf die Wange küſſend.
Faſt taumelnd vor Glückſeligkeit, gelangte Chriſtel zu ihrem Stuhl. Da begegnete ihr Auge dem Becker’'s— er nickte ihr zu, etwa wie ein Bruder der Schweſter zunickt.(Fortſetzung folgt.)
Böhmiſche Romanzen.
Deutſch von Alfred Waldau.
Ludmila. Von Franz Bretislav Trojan.
Das Frühlicht färbt den Himmelsſaum, Im Dorfe kräh'n die Hähne;
Ludmila erwacht aus ſchwerem Traum Und fühlt im Aug' die Thräne.
„Mir träumt', ich ging im Waldesgrund Und einen Todten fand ich;
Roth Blut entquoll der Herzenswund' Und meinen Schatz erkannt' ich!
Wer ſagt mir, wo er jetzt geht und ſteht, Der treue, feine Knabe?
Ach, war der Traum kein Lügenprophet, So liegt er ſchon im Grabe!
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Die Jungfrau ſprach's beim Morgenſchein Und ſchluchzte bang und bitter;
Da klopft' es hell an's Fenſterlein— Ein Täubchen ſaß am Gitter.
„Ich komm' aus einem fernen Hag Mit einer Botſchaft, Du Milde; Ich flog bei Nacht, ich flog bei Tag Vom rothen Schlachtgefilde.
Von einem Sterbenden komm' ich her Und bring' des Sterbenden Grüße. Er iſt nicht mehr! Er iſt nicht mehr! Gott ſchütze Dich, Du Süße!“—
O Taubenpoſt, o böſe Poſt,
Weh' ihr, die dich vernommen!
Hin war ihr Glück, hin war ihr Troſt, Sie weinte angſtbeklommen.
Sie ging hinaus in Frühthau's Glanz, Brach Blumen auf der Heide
Und flocht ſich ſelbſt den Todtenkranz In brennendem Herzeleide.—
Sieh', ſchlafen ging der Sonnenſe Die Abendvögel fliegen, Erlöſet ſind von Thränen und Pein Die auf der Bahreßliegen.
Die Maiblume. Von Ludmila Tichä.
Es ragt ein Felſen gar hoch und ſteil Empor aus dem grünen Hage; Geheimnißvoll rauſcht der Moldaufluß Eine verſchollene Sage.
Sobald der müde Tag entſchläft,
Die Weiden ſo traurig rauſchen
Und tief im Waſſer ſchluchzt es ſo bang, Daß ängſtlich die Vögel lauſchen.
Die Frühlingslichter blitzten hell, Die Waldvöglein luſtig ſangen: Da ſind zwei Liebende ſtillvergnügt Durch's grüne Revier gegangen.
Da wandelte freudig die ſchöne Braut Und lauſchte dem Vogelſchalle; Gar viele Blumen blühten am Rain, Die Jungfrau pflückte ſie alle.
ie Jungfrau zu dem Begleiter ſprach: Der Brautkranz wird morgen mich ſchmücken!
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