Jahrgang 
27-52 (1867)
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ein klein wenig nach, Papa. Muß ich nicht Demoi⸗ ſelle Rudorf begegnen, ſo oft ich auf der Bühne be⸗ ſchäftigt bin?! Herr von Blumenthal griff nach ſeinem Kopfe, wie ein Bienenſchwarm ſchwirrte es darin. Er zuckte die Achſeln, er verſtand von dem allen gar nichts.

Halt! rief da plötzlich Hans, ein paarmal mit den Fingern knipſend,ja ja, jetzt bemerke ich's erſt, Sie wiſſen noch nicht einmal, daß die Zöglinge der erſten Claſſen zu Chor⸗ und Statiſtenrollen verwendet werden? Aber ſehen Sie, das kommt davon, wenn man ſich gar nicht um die Welt kümmert! Und nun erzählte er von der Mitwirkung dazu beſchäftigter Gymnaſiaſten, trotzdem Herder gleich anfangs ener⸗ giſchen Proteſt eingelegt.Die ſechs Groſchen ſchlage ich natürlich aus, das Vergnügen iſt wirklich unbe⸗ zahlbar. Und was Herder nur will? Der gute Mann ruft mein ganzes Bedauern hervor; ſo ſchloß er ſeinen Bericht.

O, der Baron! Hätte er's vermocht, er wäre wider die Wand gerannt. Sein Sohn, der Träger ſeines Namens, ſein Erbe Arm in Arm mit dem

Auswurf der menſchlichen Geſellſchaft, mit Komödian-

ten! Er rang nach Luft, nach Worten, er fürchtete einen Herzſchlag in jeder nächſten Minute.

ſprichſt Du auch wohl mit Deinem Couſin wollt

ich ſagen, mit dem Herrn von ach, mit dem ver⸗

lornen Menſchen, mein' ich, dem mauvais sujet, dem Becker?! ächzte er.

Unkraut am Wege beachtet man nicht, verſetzte V

Hans mit Pathos und machte Kehrt.

Herr von Blumenthal pries ſich wiederholt glück⸗ lich, daß er die Koffer nicht hatte packen laſſen. Was das für eine Wirthſchaft ſondergleichen war! Und Herder hatte wirklich energiſchen Proteſt einge⸗ legt? Und weder der Herzog noch Goethe hätten der Vorſtellung des Herrn Generalſuperintendenten Gehör gegeben? Unglaublich! Der Baron wollte Gewiß⸗ haben, ſich jetzt ſelbſt auf den Weg machen; und auf jeden Fall müſſe ein ſehr ſcharf abgefaßtes Schreiben, von ihm und Herder unterzeichnet, noch heute an Sereniſſimus befördert werden. Dann natürlich wäre dieſe gottloſe Beſchäftigung, dazu die Schüler förm lich commandirt würden, mit einem Schlage vorbei, denn der Herzog könne ja unmöglich etwas verweigern, was der Herr Baron von Blumenthal erbitte.

Kaum hatte er der Glocke drei Klänge entlockt, als der Diener auch ſchon vor ihm ſtand. Er gab den Befehl zum Ankleiden. Der Diener wunderte ſich nicht wenig, um dieſe Stunde beſonderen Fleiß auf die Toilette verwenden zu müſſen. Bald hatte das Jabot eine unrechte Falte, bald ſtak es zu weit

Und da

Novellen⸗Zeitung.

oder nicht zu weit genug unter der Atlasweſte mit goldenen Sternchen; immer noch zeigte ſich eine Faſer auf dem braunſammtenen Rocke, und die Löckchen der Perrücke waren. widerſpenſtiger denn je.

Handſchuhe, Degen, meinen Stock, Hut! ſchalte das Commando. Ein. Brautwerber hätte nicht gewichtiger und feierlicher auftreten können.

Die Leute blieben auch wirklich ſtehen, als der Baron jetzt über den Fürſtenplatz ſchritt, und am Töpfermarkte öffnete das weibliche Geſchlecht die Fenſter, dem ſtattlichen Herrn nachzuſehen. Nun bog er um die Stadtkirche und hatte Herder's Amts⸗ wohnung erreicht. Dreimal hob und ließ er den Meſſingklopfer fallen. Eine kleine dicke Magd, deren entblößte Arme nach dem Waſchfaſſe dufteten, öffnete, aber ſogleich ſprang ſie wieder zurück und direct in (Herder's Stube.Hochwürden, was fürchterlich Vor⸗ nehmes iſt dranßen!

Herder ſchrie nach Stiefeln und Rock und warf den Schlafrock in die eine und Schuhe und Zipfel mütze in die andre Ecke. Gleich darauf ertönten die Complimente hüben und drüben.

Was verſchafft mir die Ehre Ihres Beſuchs, Herr Baron? fragte Herder. Wenn ich beſtimmt weiß, daß ich Ihnen die koſtbare Zeit nicht raube, werde ich mich niederlaſſen, ſprach der Baron, Hut und Stock ablegend.

Nun ſaßen ſie auf dem Sopha, nun rückte Blumenthal, nachdem er aus ſeiner goldenen Taba⸗ tière geſchnupft, mit dem heraus, was ihn herge⸗ führt.

Immer länger ward da das Geſicht des geiſt lichen Herrn, und als Jener endlich ſchwieg, erwiderte er ganz kleinlaut:Allerdings, Sie ſind recht unter⸗ richtet, Sereniſſimus hat meine Beſchwerde kurz ab⸗ gelehnt.

Horrible! Horrible! rief Blumenthal, ſo heftig

und Ewigkeit verloren!

Das war nun Waſſer auf Herder's Mühle. Auf ſprang er und reichte dem Beſuch beide Hände hin:Sie verſtehen mich! Sie ſind mein Mann! O, Sie fühlen mir den Schmerz nach! Wenn ich die Claſſen inſpicire, ſind ſie halb leer natürlich,

die Schüler befinden ſich auf der Probe. Die Lehrer 4

führen Klage über Klage, daß die Aufgaben kaum noch berückſichtigt werden ebenſo natürlich, denn die Schüler haben keine Zeit dazu. Wo ſoll das hinaus? Ich frage, werther Herr Baron, was wird das Ende davon ſein?

meinen

das Haupt ſchüttelnd, daß eine dicke Puderwolke es umwallte.Zucht und Sitte ſind in Gefahr! Die Jugend muß umkehren oder ſie iſt verloren, für Zeit

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