Jahrgang 
27-52 (1867)
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494 Novellen tigkeit erſcheinen ſie bald länger, bald kürzer, worauf ſich der Haar⸗Hygrometer(Feuchtigkeitsmeſſer) begründet. Selbſt an Mumienhaaren, die ſich Jahrtauſende unverſehrt hielten, hat man dieſe Eigenſchaft noch gefunden. Als man in Rom das Grab der Tochter Cicero's öffnete, fand man nach einem Zeitraum von 1500 Jahren ihr Haupthaar noch unverſehrt rerhalten. So fand man auch die Haare der ſchönen und berühmten Jakobäa oder Jacqueline von Holland, der Tochter Wilhelm's VI., Grafen von Holland, und der Margarethe von Baiern, noch vollkommen wohlerhalten. Als 1769 das Grabgewölbe der Schloßcapelle zu Tedingen bei Haag ge⸗ öffnet wurde und man den Sargdeckel abnahm und den inkoſt⸗ bare Stoffe gehüllten Körper herausnehmen wollte, zerfiel er in Staub und nur die ſchönen, mit roſenrothen Seidenbändern durchflochtenen Locken waren noch unverſehrt, nachdem 333 Jahre verfloſſen. Noch heute kann man ſie im Muſeum zu Haag ſehen.

Durch Streichen, Reiben und beim Kämmen werden die Haare elektriſch und bei manchen Menſchen kniſtern ſie und ſprühen ſogar Funken, wie z. B. bei dem däniſchen Könige Chriſtian V. So führt auch Sternberg in ſeiner Naturge⸗ ſchichte ein Beiſpiel von einem jungen Mädchen an, dem ſternchenähnliche Funken in den Schooß fielen, wenn ſie ihr Haar kämmte.

Das Erbleichen der Haare geht von den Spitzen aus und verbreitet ſich allmälig gegen die Wurzeln hin, zuerſt gewöhnlich in der Schläfengegend. Das vorzeitige Er⸗ grauen bei noch jugendlichem Alter ſcheint auf erblicher An⸗ lage zu beruhen, obgleich Nerveneinflüſſe, Gemüthsaffectionen übermäßige Anſtrengung des Geiſtes und Körpers dazu bei⸗ tragen. Selten wird Jemand gleich mit ſilberweißem Haar geboren, wie der berühmte Philoſoph Senecca, der ſeinen Namen davon erhalten.

Eine merkwürdige Erſcheinung iſt das oft plötzliche Er⸗ bleichen der Haupthaare in Folge irgend eines tragiſchen Ereigniſſes, welches das Seelenleben in ſeiner ganzen Tiefe erſchütterte. Die Geſchichte führt uns mehrere Beiſpiele an, wo das Haupthaar in ſolcher Weiſe binnen wenigen Stunden erbleichte. So wurden die blonden Haare Marie Antoi⸗ nette's in einer Nacht weiß, als ihr das Todesurtheil ver⸗ kündet worden. Der berühmte engliſche Staatscanzler Tho⸗ mas Morus bekam ebenfalls in einer Nacht weißes Haar, als ihm der König ſeine Hinrichtung verkündigen ließ. Aehn⸗ lich erging es auch Heinrich IV. zur Zeit der Batholomäus⸗ nacht.

Herzog Ludwig dem Strengen von Baiern, der aus Eiferſucht ſeine ſchuldloſe Gemahlin, die ſchöne Marie von Brabant, 1356 hatte hinrichten laſſen, wurden in ſeiner Gewiſſensangſt die Haare in einer Nacht weiß. Der be⸗ rühmte franzöſiſche Naturforſcher Bichat erzählt fünf bis ſechs Fälle aus ſeiner Beobachtung, nach welchen die Haare in wenigen Stunden erbleichten; auch im letzten Krimkriege haben engliſche Aerzte dies plötzliche Erbleichen der Haare öfter beobachtet. Die eigentliche Urſache dieſes Vorgangs iſt wiſſenſchaftlich noch nicht genügend erklärt, doch iſt wohl eine Veränderung der Lebensthätigkeit in den Nerven und Gefäßen anzunehmen, die dem Haare den Nahrungsſaft zu⸗ führen. Auf die Pflege des Haares haben alle Völker von

Zeitung.

Ueber die zwanziger Jahre hinaus beginnt bei vielen Männern ſchon das Ausfallen der Haare, während die Frauen meiſt noch reichlich damit geſchmückt ſind. Die Ritter des Mittelalters, welche doch Eiſenhelme trugen, hatten ſo dichtes und langes Haar, daß es wie ein Mantel im Winde flatterte.

Zu den ſchädlichen Urſachen, welche das frühzeitige Ausfallen und Ergrauen der Haare nach ſich ziehen, gehört auch das öftere Brennen und Kräuſeln mit zu heißen Eiſen; ähnlich wirken die heißen Sonnenſtrahlen bei unbedecktem Haupte. Schädlich iſt auch das zu ſtraffe Anziehen der Haare durch zu feſtes Binden und zu feſtes Wickeln der Locken, wo⸗ durch die Haarzwiebeln gezerrt, aus ihrem Zuſammeſſang mit den Haarbälgen geriſſen, ihre Ernährung unterbrochen wird; Vertrocknen und Ausfallen iſt die Folge davon.

Sehr zu tadeln iſt außerdem das Waſchen des Kopfes früh beim Aufſtehen(das Abtrocknen nützt hier nichts), die Haarzwiebeln erkranken und die Haare werden dadurch der nothwendigen Talgflüſſigkeit beraubt und fallen aus; außer⸗ dem entſtehen dadurch leicht rheumatiſche Kopf⸗ und Zahn⸗ leiden. Nachtheilig iſt auch das Parfümiren der Haare mit geiſtigen Flüſſigkeiten, wie cölniſchem Waſſer u. dergl.; die Haarnerven werden dadurch überreizt und die Haare er⸗ bleichen.

Schädlich iſt ebenſo das Hinaufwiſchen des Schweißes gegen den beharrten Theil der Stirn. Ebenſo iſt von Nach⸗ theil für den Haarwuchs das übermäßige Salzen und Würzen der Speiſen, der zu häufige Genuß von Kaffee, geiſtigen Getränken, ferner niederdrückende Gemüthsaffecte, endlich lange währende Schlafloſigkeit, übermäßige geiſtige Anſtren⸗

gung und Alles, was die Nerven⸗ und Gehirnthätigkeit ab⸗

ſpannt. r.

Indianer-Medicin.

Daß Alles natürlich auf Erden zugeht, davon iſt die Welt durch die Wiſſenſchaften immer lebhafter überzeugt worden und Shakeſpeare'sgeheimnißvolle Kräfte zwiſchen Himmel und Erde löſen ſich immer mehr in logiſche Urſachen und Folgen auf. Dennoch könnten ſicherlich unſere Chemie und ärztliche Wiſſenſchaft(und die letztere hat darin ſchon viel gethan) ſicherlich noch Manches von den Indianern lernen, von dieſen Völkern, die mit ihrem natürlichen Scharfſinne auf die Beobachtung der Natur angewieſen ſind und die Einflüſſe zahlreicher vegetahjler und animaler Stoffe kennen lernen konnten, welche wir nicht beſitzen und nie unterſucht haben. Gegenwärtig bereitet man in der Union wieder einen Vernichtungskrieg gegen die Indianer des Weſtens vor; doch man wird in blindem amerikaniſchen Vorurtheil ihre kleinen merkwürdigen Lichtpuncte des Wiſſens nicht mit erobern.Medicin heißt bei dieſen Stämmen bekanntlich nicht nur, was wir darunter verſtehen, ſondern außerdem noch vielmehrWiſſen,dunkle Macht, Zauberei,Wahrſagekunſt u. ſ. w. Als Beiſpiel, wenn auch als ein etwas romantiſch fabelhaftes, merkwürdiger

Erſcheinungen in dieſem Gebiet, worüber ja auch die

gewiſſenhafteſten Forſcher unglaublich Klingendes berichten,

jeher große Sorgfalt verwendet, und doch findet man ſchöne dichtes Haar namentlich in größeren Städten immer ſeltener, was ſeinen Grund in entnervender Verweichlichung, in dem Mißbrauch künſtlicher Mittel, ſchädlicher Pommaden, Oele und Eſſenzen haben dürfte.

ſei hier ein von Amerika aus erzählter Kampf auf Leben und

Tod zwiſchen zwei Medicinmännern der Felſengebirge mitgetheilt, in welchem der berühmteſte,Die ſchwarze Schlange genannt, ſeinen Gegner in feierlicher Indianer⸗ verſammlung, beigewohnt vom Berichterſtatter, beſiegte.

Die nebenbuhleriſchen Medicin⸗Männer, jeder ausſtaffirt

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