Jahrgang 
27-52 (1867)
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den

Vierte

von ihm auf Geſtellen zum Verkauf ausgeſetzt waren, führten ein verſchiedenes Concert zwiſchen Mitternacht und ein Uhr auf; denn in ihrer Kenntniß der Zeit und Tonart waren ſie gar nicht eigenthümlich, aber da die Mehrzahl darauf hin⸗ wies, daß die Mitternacht vorbei ſei, ſo bereitete er ſich ein letztes Glas Grog, zündete noch eine Pfeife an und dann verſchloß er ſorgfältig die nur noch halhvolle Flaſche Wach⸗ holderbranntwein. Er betrachtete nun von Neuem die Rauch⸗ wolken und verſank dabei in Betrachtungen und Träume⸗ reien, und als die Kohlen in ſeinem Camine auf dem Roſte zuſammenfielen, glaubte er zu hören, wie der alte Evans auf ſeinem Todtenbette zu ſeinem Sohne ſagte:Ich lieh ihm das Geld, Georg zweitauſend Dollar. Ich habe ſeinen Schuldſchein verloren; aber wenn er Dir das Geld nicht bezahlt, dann iſt er ein Schurke und er wird es be⸗ reuen, wenn dereinſt ſeine Todesſtunde kommen wird, wie jetzt die meinige gekommen iſt.

Unſinn! Tollheit! Wahnſinn! rief Benſon, der ſeinen Stuhl zurückſchob und ſich beeilte, einen Schluck Grog zu trinken.Konnte der Mann verlangen, daß ich jeder Perſon Geld geben ſollte, der es einfiel, zu behaupten, ſie habe mir welches geliehen, ohne irgend etwas darüber vorweiſen zu können, als das blaſſe Geſicht eines ſterbenden Was? Zu dieſer Stunde ein Wagen vor meiner Thür! Man klopft wer mag das ſein? Irgend Jemand in großer Noth, welcher kommt, um von mir gegen Unterpfand ich komme, ich komme!.

Er öffnete die Thür und blickte durch den fallenden Regen. Eine mit Schmutz bedeckte und von dem Regen triefende Kutſche hielt vor ſeiner Thür. Der Kutſcher ließ den Tritt herab und eine Dame eilte mit leichten Schritten über das ſchiefe Pflaſter und trat in den Laden.

Die Kutſche wird halten, ſagte ſie;verſchließen Sie

die Thür; ich habe Wichtiges mit Ihnen zu beſprechen.

(Schluß folgt.)

Das menſchliche Haupthaar.

Die Dichter aller Zeiten haben das Haar, dieſen na⸗ türlichen Schmuck, als eine hauptſächliche Zierde des Men⸗ ſchen geprieſen, und noch heute, wie vor Jahrtauſenden, gilt ſchönes, reiches Haar für eine der beneidenswertheſten Natur⸗ gaben. Trägt es doch weſentlich zur Phyſiognomie bei, voll⸗ endet die Schönheit einer jugendlichen Stirn, wenn es in ſanfter Bogenform die Schläfe umrahmt und dem Antlitz jene edle ovale Form verleiht, die wiran allen idealen Köpfen antiker Bildnerei bewundern. Ovid, der in ſolchen Dingen ſo feinen Geſchmack beſitzt, nennt daher jene Haarfriſur die ſchönſte, die dem Geſicht das ſchönſte Oval giebt.

Schon zur Zeit des Homer fand der Schönheitsſinn der Hellenen Geſchmack an langwallendem, dichtem und ſchön ge⸗ locktem Haar.Athene ſtrählte und zierte des Odyſſeus Haar, daß es in Ringeln vom Scheitel über die Schultern herabfloß, anmuthig wie die purpurne Blume Hyacinthos. Deer Dichter Heſiod ſagt:Mnemoſyne war gar lieb⸗ lich zu ſchauen im goldenen Haarſchmuck. Pindar nennt die Helenadie ſchöngelockte; auch die Grazien werden von ihmdie ſchönhaarigen genannt. Auch neuere claſſiſche Dichter huldigen dieſem Reiz, denn Petrarka beſingt in Anan langtn Gedicht die langgeringelten Locken der ſchönen Das Haar der Frauen iſt feiner und weicher, als bei Männern. Die Haare wachſen ſtrahlenförmig und

Folge. 493 bilden im Mittelpunct des Scheitels den ſogenannten Wirbel; ihre Stärke, Länge und Farbe hängt ſehr von inneren und äußeren Einflüſſen ab und wechſelt nach individuellen Eigen⸗ ſchaften, nach nationaler Herkunft und nach dem Klima. In ſüdlichen Ländern, wie in Italien, Spanien, Griechen⸗ land, überhaupt wo der Körper ſich früher entwickelt, er⸗ ſcheinen ſie ſchon in zarteſter Kindheit in ſchönſter Pracht: und Fülle, von vorherrſchend brauner oder ſchwarzer Farbe. Mit den ſchönſten, ſtärkſten, meiſt dunklen Haaren iſt im Allgemeinen der europäiſche oder kaukaſiſche Stamm bedacht, was beſonders von den Griechinnen gerühmt wird. Durch prachtvolle, glänzend ſchwarze Haare zeichnen ſich auch die iſraelitiſchen Frauen, ſowie die Frauen Indiens, Georgiens und Circaſſiens aus. Bei den nördlichen Volksſtämmen iſt die Farbe vorherrſchend hell und harmonirt in der Regel mit der Farbe der Augen und der Haut. Die blonden Haare ſind eine nationale Eigenthümlichkeit der Deutſchen, der ſcandinaviſchen Volksſtämme und der Holländer.

Schon Tacitus rühmt die goldgelben Haare und blauen Augen der Deutſchen und dieſe ſchönen goldblonden Haare waren ſeit den großen Eroberungen der Römer in Deutſch⸗ land ein ſehr geſchätzter Luxus und Handelsartikel in Rom geworden, denn die römiſchen Damen trugen Aufſätze und Locken von deutſchen Haaren, die freilich ſeltſam zu ihrem brünetten Teint geſtanden haben müſſen.

Für die ſchönſte Haarfarbe wurde ſchon von den Alten die goldblonde gehalten; blonde Haare zierten das Haupt der ſchönſten Götter: Eros, Venus, Apollo.Noſen flicht der Sohn Chthere's um die gelben Ringelhaare, ſagt der griechiſche Dichter Anakreon.

Mit blonden Haaren ſchmückten auch die berühmteſten Maler der altdeutſchen, niederländiſchen, italieniſchen Schule die Madonna, das Chriſtuskind, die weiblichen Heiligen und die Engel. Blondes Haar und ſchwarze oder braune Augen galten als eine ſeltene, große Schönheit, da für gewöhnlich blaue oder graue Augen damit verbunden ſind.

Die römiſche Kaiſerin Poppäa hatte röthlichblondes Haar; ihr Gemahl Nero fand es ſo ſchön, daß er es täglich mit

einem goldenen Kamme ſelbſt kämmte und jedes Haar, das

ausging, in Gold und Edelſteine faſſen ließ und der Juno weihte.

Für die nächſtſchönſte Farbe des Haares wurde die braune gehalten, ſo nennt Pintar die Muſen dieBraun⸗ lockigen; auch einige Helden hatten nach Homer braunes Haar, ſo Achilles und Menelaos.

Schwarze Haare ſind um ſo ſchöner, je tiefer ihre Farbe, je lebhafter ihr Glanz iſt; rothe Haare werden ge⸗ wöhnlich nicht für ſchön gehalten und gelten für ein Zeichen von Schlauheit, Liſt und Verſchlagenheit. Erſt ſeit einigen Jahren ſind ſie von der wandelbaren Mode für ſchöner als alle anderen erklärt worden, ſo daß unzählige Damen ſich bemühten, ihr dunkles oder blondes Haar in rothes umzu⸗ wandeln.

Dunkle Häare ſind gewöhnlich ſtärker und feſter, blonde feiner und zarter. Die Frauen von Aquileja drehten Seile aus ihren Haaren und ſpannten damit die Bogen ihrer Pfeilgeſchoſſe; daſſelbe thaten auch die tapferen Frauen Karthago's, als ſie unter Hannibal's Anführung an der Seite ihrer Männer gegen die Römer kämpften..

Die Haare nehmen aus der Atmoſphäre Feuchtigkeit auf, was ſchon Ariſtoteles beachtet hat, und geben dieſelbe wieder ab, ſo werden ſie je nach der Temperatur trocken und ſpröde oder feucht und weich. Nach dem Grade der Feuch⸗