Jahrgang 
27-52 (1867)
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478 Novellen⸗ZJeitung.

ihrer rofenrothen Toilette alle Blicke auf ſich. Fräulein von Chapska war in Blau, Fräulein von Barnemann in Weiß, Fräulein Hommel, eine pikante Brünette, in Roſenroth und Weiß. Damit wollen wir dieſe Liſte ſchließen, die ſich noch ſehr erweitern ließe, da alle Damen ſich beſtrebt hatten, durch ihre geſchmackvolle Toilette zu glänzen.

Halb ein Uhr begaben die Gäſte ſich in die Galerie, wo das Souper bereitet war und wo 250 derſelben zu gleicher Zeit Platz nehmen konnten, während die Tafel der Souveräne in einem der Säle des Erdgeſchoſſes ſervirt war.

Man bemerkte ſehr die beſonders wohlwollende Auf⸗

nahme, welche dem Baron von Budberg von Seiten des Kaiſers und der Kaiſerin und des Königs von Preußen zu Theil wurde. Ihre Majeſtäten ließen ihn zu ſich rufen und unterhielten ſich lange Zeit mit ihm.

Nach dem Souper fing der Cotillon an, der von dem Grafen von Solms, welcher mit der Fürſtin Radziwill tanzte, und dem Baron von Radowitz mit Fräulein de Baſſano geführt wurde, welche Letztere in ihrer lieblichen roſenrothen Toilette zu den reizendſten Damen gehörte.

Dieſer aus deutſchen Tänzen und einigen neuen Figuren zuſammengeſetzte Cotillon, an dem ſich mehr als vierzig Paar betheiligten, war höchſt belebt und verlängerte ſich bis ſpät in die Nacht.

Kurz, es war eine bezaubernde Geſellſchaft und dieſer Ball ſchloß ſich in einer würdigen Art der langen Reihe von Feſten an, welche in den letzten Wochen in Paris ſo viel Leben erregt und gleichzeitig dem Handel große Geldſummen

zugewandt haben. C.

Madame Perſiani..

Ein heftiger Schlaganfall hat kürzlich in Paris dem Leben dieſer früheren Zierde des italieniſchen Theaters, einer Nebenbuhlerin der Malibran und der Griſi, im Alter von 49 Jahren ein Ende gemacht.

Fanny Tucchinardi wurde am 4. October 1818 in Rom geboren und war die Tochter eines berühmten Tenori⸗ ſten, von dem ſie ſelbſt zur Sängerin ausgebildet wurde, als welche ſie 1832 in Livorno in Francesca da Rimini debutirte. Der Erfolg, den ſie erlangte, entſchied ihren Beruf. Seit zwei Jahren mit dem Componiſten Perſiani verheirathet, beſtimmite ſie ſich nach deſſen Rathſchlägen ganz dem Theater. Zunächſt wurde ſie in Padua, dann in Venedig engagirt, wo ſie beſonders in Romeo et Juliette, in dem Pirate, in der Gazzaladra und im Plisir d'amore auftrat. Im Jahre 1834 wurden in Rom zwei Opern für ſie geſchrie⸗ ben: Misantropia è sentimento und 1 Promessi sposi. Im folgenden Jahre erlangte ſie in Neapel ihren größten Erfolg in der Lucia, welche fortwährend ihre Hauptrolle geblieben iſt. Ihre ſpäter in Florenz erlittene Niederlage raubte ihr nichts von ihrer Popularität, beſtimmte ſie aber, nie wieder in dieſer Stadt aufzutreten. Sie ließ ſich dann in der Sonnambula in Bologna und in der Ines de Castro in Livorno und Venedig, wo Donizetti für ſie Pia dei Tolomei ſchrieb, und in Wien hören, und kam endlich 1837 nach Paris. Ihr Debut in der Sonnambula war dort nicht glänzend und ſie entwickelte erſt in der folgenden Saiſon die ganze Macht ihres Talents und ihrer Methode. Am meiſten gefiel ſie in il Matrimonio segreto, Mathilde di Shubran, Linda di Chamouni und Lucia. Vom October 1838 an gehörte Madame Perſiani zwölf Jahre lang der italieniſchen Oper in Paris an. Sie wurde in

den letzten Jahren etwas vernachläſſigt, aber 1849 und 1850 gelang es ihr durch neue Anſtrengungen, ſich die frü⸗ here Gunſt des Publicums wieder zu gewinnen; aber in der Beſorgniß, daß ihr die mit ſo großer Schwierigkeit wieder erlangte Popularität von Neuem verloren gehen möge, zog ſie ſich dann ganz von der Bühne zurück.

Die Stimme der Madame Perſiani war ein ſehr um⸗ fangreicher Sopran, der volle drittehalb Octaven umfaßte. Ganz beſonders glänzte ſie durch eine außerordentliche Ge⸗ ſchmeidigkeit, welche der Sängerin die kühnſten Fiorituren und Wirkungen des Geſanges erlaubten. Die elegiſche Oper eignete ſich beſſer für ihr Talent, als tragiſche Rollen, für die ſie wegen ihrer kleinen Figur und dem Mangel a dramatiſcher Energie nicht paßte. 8

Ihr Gatte, der Componiſt Perſiani, wurde 1805 in Recanati im Kirchenſtaate geboren, bildete ſich in dem königlichen Collegium der Muſik oder Conſervatoire in Neapel unter dem Profeſſor Tritti zum Componiſten aus und debutirte im Jahre 1826 auf dem Theater in Florenz mit einer Opera buffal'Inimico generoso und auf dem Theater in Parma mit einer ernſten OperAttila. Er hat ſeitdem viele Opern geſchrieben, welche auf den Theatern der wichtigſten Städte Italiens mit Beifall aufgenommen worden ſind und welche beſonders beſtimmt waren, die Stimmmittel ſeiner Gattin in's günſtigſte Licht zu ſetzen, von denen wir hier blos Danao, re d'Argo; Gaston de Foix und Ines de Castro erwähnen wollen.

Madame Perſiani war als Gattin eben ſo geachtet wie

als Sängerin bewundert, und ihr frühzeitiger Tod wird von

ihren Bekannten und⸗Freunden lebhaft bedauert. C.

Eine Gemüldeverſteigerung.

Die Verſteigerung der Gemälde⸗Galerie Salamanca, auf die wir unſere Leſer kürzlich aufmerkſam gemacht haben, begann in Paris am 3. Juni, wo 52 Gemälde unter den Hammer kamen, für welche zuſammen die Summe von 720,000 Fr. gelöſt wurde. Am 5. Juni, dem zweiten Tage. der Verſteigerung, betrug der Erlös 716,140 Fr., wogegen an den beiden letzten Tagen der Verſteigerung zuſammen nur 176,515 Fr. einkamen. Im Ganzen wurden demnach für 1,612,655 Fr. Gemälde verſteigert.

Die höchſten Preiſe wurden für die Gemälde von Velasquez und von Murillo bezahlt. Von Velasquez kamen zur Verſteigerung ein Porträt Philipp's IV.(71,000 Fr.); das Porträt einer Dame(98,000 Fr.); dann noch ein Damen⸗Porträt(28,000 Fr.); das Innere einer Poſada, mit drei Figuren(12,700 Fr.); ein Reiter⸗Porträt des Prinzen Don Balthaſar(14,700 Fr.); das Porträt der heiligen Clara als Kind(58,000 Fr.); das Porträt des Cardinals Borgia(27,000 Fr.). Von Murillo der Tod der heiligen Clara(95,000 Fr.); der verlorne Sohn vor ſeiner Abreiſe(28,500 Fr.); die Abreiſe des verlornen Sohnes(32,000 Fr.); der verlorne Sohn bei der Courti⸗ ſane(35,000 Fr.); der fortgejagte verlorne Sohn(39,000 Fr.); der verlorne Sohn die Säue hütend(73,000 Fr.); die alte Zigeunerin(85,000 Fr.) und die heilige Roſa von Lima(13,200 Fr.). Die Verkündigung von Zurbaran wurde zu 40,000 Fr. zugeſchlagen. Erwähnung verdienen außerdem dieUnbefleckte Empfängniß von Ribera(28,000 Fr.); ein antikes Opfer von Titian(57,000 Fr.); eine heilige Familie von Raibolini, Francia genannt,(18,000 Fr.); die Jungfrau und das Jeſuskind von Bellini(62,000 4