Vorſtellung hauptſächlich ab. EAku ein.
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Stier kommt herein.
Vierte Folge.
den Picador, der langſam umhertrabt. Nun geht's auf den los. Der Picador hat eine lange Lanze. Seine Geſchicklich⸗ keit beſteht in dem Stoß, mit welchem er den anlaufenden Stier trifft und abwehrt. Der Lanze ſchneidiges Ende giebt dem Stier eine große Wunde, ſein Blut fließt, und ſich bäumend, als wolle er den Schmerz abſchütteln, tobt er umher, und die Mozzos kommen wieder und ſpringen um ihn her. Er fährt wild und unſtät auf den einen oder den andern los, endlich ſtürzt er ſich auf's Neue auf den Picador. Dieſer begegnet ihm wieder mit der Lanze, aber ſie wehrt diesmal dem Anprall des wüthenden Thieres nicht. Es ſtößt auf Roß und Reiter und die dicken Hörner werden im Fleiſche des armen Pferdes unſichtbar; er wühlt ſie tiefer und tiefer und reißt und hebt, als wolle er das unglückliche Thier und ſeinen blutbeſpritzten Reiter emporſchleudern. Da ſtürzen Beide zuſammen und der Stier macht ſich mit ſeinen blut⸗ triefenden Hörnern los und läuft weiter. Während die Mozzos ihn beſchäftigen, wird der Picador unter ſeiner Mähre hervorgezogen und wenn er nicht ſo ſchlimm geſtürzt iſt, daß er in's Hospital oder gar der letzten Oelung entgegen getragen werden muß, ſo beſteigt er ein zweites Pferd, das ihm gebracht wird und das blutige Spiel geht von Neuem an. So ſödtet ein Stier vier, fünf, ſechs Pferde und ver⸗ ſtümmelt oder tödtet vielleicht— wenn die Corrida glänzend iſt— ein oder zwei Picadores; dann kommt die Reihe des Garaus an ihn ſelbſt. Der Espada ſpielt dabei die Haupt⸗ rolle. Von ſeiner Geſchicklichkeit hängt der Werth der Die Banderillos leiten ſeinen Sie kommen mit buntbebänderten, wider⸗ hakigen kleinen Spießen herbeigehüpft und ihre Kunſt beſteht darin, dieſelben, während ſie vor dem Stiere vorbeilaufen, ihn über ſeinen Kopf weg in den Hals zu ſtechen. Sie bleiben im Fleiſche hängen und ſteigern den Schmerz und die Wuth des Thieres, dem ſofort der Espada leichtfüßig entgegentritt. Er hat ein blankes Schwert und ein rothes Tuch, mit dem er das Thier auf ſich zu reizt. Er macht eine gefällige Seitenbewegung, wenn der Stier auf ihn zuſtürzt und im Schuß nun vorbeirennt. Mit ſtolzer Ruhe wieder⸗ holt er dies Spiel, bis ſich der günſtige Augenblick zeigt. Den benutzt er raſch und bohrt den Degen bis zum Griffe in den zum Stoß geſenkten Nacken des Stieres vor ihm. Das eben noch ſo gewaltige Thier ſtürzt zuſammen und iſt todt. Es war ein Meiſterſtoß, und von allen Sitzen ſtürmt rauſchender Beifall. Ein Geſpann buntbetroddelter Maul⸗ thiere galoppirt in den Kampfplatz und ſchleift die gefallenen Thiere— Pferde und Stier— hinaus, und ein zweiter Der ähnliche Kampf, wie mit dem erſten, nur läuft eine Mähre mit heraushängenden Einge⸗ weiden vielleicht länger im Kreiſe herum, vielleicht verendet der Stier, weniger gut getroffen, nicht ſo ſchnell. Sechs, zwölf Stiere kommen ſo nacheinander vor; einige zwanzig Pferde werden getödtet. Dann naht die Nacht und das blutige Schauſpiel iſt für heute beendet.
5.
Der Ball in dem Hütel der preußiſchen Geſandtſchaft. 1. Dieſer Ball, welcher am 12. Juni ſtattfand, machte
den würdigen Schluß dieſer Feſte, welche in den Tuilerien
von den großen Geſandtſchaften und im Höôtel de Ville zu Ehren der Anweſenheit der beiden nordiſchen Monarchen gegeben wurden. Auch hier war das Möglichſte in den
4 Verzierungen geleiſtet; aber die Anordner derſelben hatten
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wegen des etwa beſchränkten Raumes große Schwierigkeiten zu beſiegen gehabt, was ihnen aber dadurch gelungen war,
daß ſie eine große Galerie in dem anſtoßenden Garten erbaut
hatten, wo die Tafeln für das Souper aufgeſtellt waren.
Andere Annexe waren für das Orcheſter und das Buffet
beſtimmt und ſo bot das Hötel für die große Zahl der
eingeladenen Gäſte doch vollen Raum. Wir enthalten uns
aber, in die Einzelnheiten der Einrichtung einzugehen und
beſchränken uns auf die Beſchreibung des Feſtes, das zu den
glänzendſten und belebteſten gehörte.
Der König von Preußen, welcher einem Diner von 60 Gedecken bei dem Lord Cowley beigewohnt hatte, kam Abends halb elf Uhr in der Geſandtſchaft an, wo er am Fuße der Treppe von dem Grafen von der Goltz, dem preußiſchen Geſandten in Paris, erwartet wurde. Kurz nachher fanden ſich bei ihm in den großen Sälen des Erdgeſchoſſes, die zu dieſem Zweck eingerichtet waren, der Kaiſer und die Kaiſerin der Franzoſen, der Kronprinz von Preußen, die Prinzeſſin Mathilde, Prinz Humbert, die Großfürſtin Marie, der Herzog von Leuchtenberg, die Prinzeſſin Eugenie von Leuchtenberg, der Großherzog von Mecklenburg⸗Schwerin und der Herzog Georg von Mecklenburg⸗Strelitz ein.
Dann bildete ſich das kaiſerliche Cortege. Der König von Preußen reichte der Kaiſerin Eugenie ſeinen Arm, der Kaiſer der Franzoſen der Großfürſtin Marie und ſie begaben ſich nun in den Thronſaal, der bis dahin verſchloſſen geblie⸗ ben war.
Bei dem Eintritt der Souveräne ließ das aus 55 Muſikern zuſammengeſetzte preußiſche Orcheſter unter der Direction des Herrn Bilſe die Melodie Reine Hortense ertönen, worauf die Tänze ſofort ihren Anfang nahmen.
Die Ehren⸗Quadrille war in folgender Art zuſammen⸗ geſetzt: Der Kronprinz von Preußen mit der Prinzeſſin. Mathilde; der Herzog von Leuchtenberg mit der Fürſtin von Radziwill, der Gemahlin des erſten Adjutanten des Königs von Preußen, welche die Honneurs bei dem Ball machte, da der Graf von der Goltz unverheirathet iſt; der Großherzog von Mecklenburg mit der Prinzeſſin von Primoli; der Prinz V Humbert mit der Prinzeſſin Eugenie von Leuchtenberg. Begab man ſich dann in die Mitte der Säle und der Tanzenden, ſo bot ſich den Augen das reizende Schauſpiel der anmuthigſten Geſellſchaft dar, die man nur träumen konnte. Jede Eleganz, jeder Luxus, jeder Triumph, derjenige der Toilette wie derjenige der Schönheit hatte ſich eingefunden, um ſeinen Erfolg zu beſtätigen. Um gerecht zu ſein, müßte man wenigſtens zweihundert Namen erwähnen; wir können uns indeſſen das Vergnügen nicht verſagen, wenigſtens einige derſelben, welche uns am meiſten frappirten und welche uns in unſer vielleicht untreues Gedächtniß zurückkommen, hier zu nennen.
Madame de Bourgoing in einer entzückenden, mit Theeroſen garnirten gelben Robe; die Gräfin Pourtalès, reizend wie immer, in Blau und Weiß. Die Gräfin Mercy v'Argentan hatte eine weiße Toilette von einem vollkommenen Geſchmack. Das Weiß war, wie ſich leicht begreifen läßt, iöhr an der Tagesordnung: es war die Farbe der Saiſon;
Madame Fleury und die Herzogin von Isly hatten auch ſehr elegante Anzüge in dieſer Lieblingsfarbe.
Unter den Erwähnenswertheſten müſſen wir noch Madame Drouyn de Lhuys nennen, deren Toilette eine der gelungenſten war. Madame Fereira, welche der Diplomatie angehört, machte einen großen Effect. Dann zogen die Fräulein Beckwith, liebenswürdige Amerikanerinnen, in


