Vierte Folge.
Gedanken genügend beſchaͤftigt, das ſah man an der geſenkten Haltung ſeines Kopfes, an den Wellen auf ſeiner Stirn. So äußerte der Herzog gegen Goethe: er müſſe ſich getäuſcht haben.
Und dennoch hatte der Baron, den der Hang zur Einſamkeit in dieſes ſtillere Gemach getrieben, jenen Ton ausgeſtoßen. Der Herzog hatte allmälig die flüſternde Stimme in die natürliche verwandelt und vielleicht den Namen Blumenthal ſtärker betont, da erſt hatte der Baron gemerkt, daß hinter den Vor⸗ hängen ein Geſpräch ſtattfand.
Aus der Verlegenheit, darin er ſich nun dem Herzog gegenüber verſetzt ſah, befreite ihn das Rauſchen eines Gewandes. Anna Amalia trat eilenden Schrittes in dieſes Gemach.„Mon Dieul hier befinden ſich die Herren? Wieland ſetzt ein Geſicht auf, als ſpürte er Luſt, uns zu verſpeiſen. Schnell, meine Freunde, wenn ich bitten darf; ſonſt muß ich befürchten, daß der Papa einige boshafte Bemerkungen, woran er ja beſtändigen Vorrath hat, auskramen wird.“
(Fortſetzung folgt.)
Gedichte von Ernſt Junk.
Freundſchaft.
Laß der Freundſchaft hohes Bild Nie aus Deiner Seele weichen! Laß das ſtolze Mannesſchild Keines Gegners Hieb durchſtreichen.
Halte feſt und ſteh' voll Muth Dem erprobten Freund zur Seite; Freundſchaft iſt das höchſte Gut In des Lebens wildem Streite.
Freundſchaft macht Dich ſtark und groß, Sinkt das Andre morſch in Trümmer. Reiße Dich von Allem los—
Von der Freundſchaft weiche nimmer!
Einem Freunde.
Laß mich Dirsetzt, wo wir uns Freunde nennen, Im Stillen ein Geheimniß offenbaren; Ein ſchönes iſt's, das noch in ſpäten Jahren Uns als geſchaffne Freunde läßt erkennen.
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Nur dann, wenn wir uns nimmer wieder trennen, Wenn die Freundſchaft ewig treu bewahren— Dann werden wir's als Freunde auch erfahren, Daß wir dem Schickſal nie entgehen können.
6 So höre denn: Schon in der Kindheit Wiege, Da kannten wir uns, ohne zu empfinden, Daß ein verwandter Keim in Beiden liege.
Und nun wir uns als Männer wiederfinden, Entgegenkämpfend einen ſchönem Siege— Muß ſelbſt der Glaube an den Zufall ſchwinden.
Lebewohl.
Du willſt gemieden ſein? Ich will Dich meiden. Es muß geſchieden ſein— Wir wollen ſcheiden. O+ Deiner Künſte Macht Hat mich geblendet— Die Gluth war angefacht, Doch ſchnell verendet.
Du haſt es nie gewußt,
Wie heiß ich glühte;
Welch' Glück an meiner Bruſt Für Dich erblühte,
O wenn Du rein empfandſt Der Wolluſt Züge—
Denn als Du Reinheit fandſt, Da fand ich Lüge.
Nicht eine zweite Gluth Wird in mir lodern;
Der Liebe Mark und Blut Wird ſtill vermodern.
Kein neuer Frühlingstraum Wird mich beſchleichen Und mir den Wonneſchaum Des Giftes reichen.
Still werd' ich untergeh'n Und Keiner wiſſen,
Von welchen Liebesweh’n Dies Herz zerriſſen.
Und kommt der letzte einſt Von unſren Tagen—
Wo Du verzweifelnd weinſt, Kann ich— entſagen.


