Vierte
Die Champions zogen einigemal in den Schranken umher und ſo oft ſie an Sr. Gnaden Balcon vorüber⸗ gingen, ſalutirten ſie gar zierlich mit ihren Gewehren. Der Waffenträger aber, der jeden Helden begleitete, ſalutirte nicht— denn man muß wiſſen, daß jeder von den Fechtern einen Knappen zur Seite hatte, der für den Nothfall noch ein paar Miſtgabeln in Vorrath trug. Dieſe Wafefenträger, Schildbuben, oder wie man iſie ſonſt nennen will, waren halber⸗ wachſene Burſchen, geſtiefelt und behoſt wie ihre Ritter und an der rechten Seite ihres Leichnams in die Farbe der Quadiille gekleidet, während die linke Hälfte ihres Jäckchens gelb und grasgrün geſtreiftewar.
Nachdem die Kämpfer den dritten Umzug voll⸗ endet hatten, nahm jeglicher Haufen eine von den vier Schranken an und nach einem gegebenen Sig⸗ nale mit den Trompeten ward der dem Balcon des Edelmanns rechts in der Ecke ſchräg gegenüber liegende Behälter geöffnet und der Stier trat heraus.... ſah die Herren mit weit geöffneten Augen an, brummte einigemal, kehrte ihnen das Hintertheil zu und ging friedfertig wieder in ſeinen Stall, um ein Reſtchen geſchnittener Hafergarben zu verzehren, da er auf dem Platze nichts Beſſeres fand; vielleicht auch aus Ah⸗ nung ſeines nahen Schickſals, und wäre dies der Fall, dann leugne Einer noch, daß es Ahnungen giebt.
Man trieb das Thier alſo wieder heraus und machte, um ihm das Umkehren zu verwehren, das
Behältniß hinter ihm zu. Das Vieh mochte nun
aber ſeine Launen haben— denn man hatte es auf beglaubte Zeugniſſe ſeiner Bösartigkeit gekauft— oder es mochte aus Ahnung ſo handeln, kurz, es ſtand ſtockſtill und that keinem Menſchen Etwas.
Nach den Geſetzen des Stiergefechts mußte aber der
Stier der angreifende Theil ſein; aber er war einmal friedfertig. Die Knappen warfen ihm jetzt etliche Dutzend
„Kieſel in die Rippen; das brachte ihn doch etwas
aus ſeiner Ruhe und wie ihm nun vollends einige Schwärmer und Raketen unter die Naſe flogen, da
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begann ihm der Geduldfaden zu reißen, und er fing an, einige Sprünge zu machen und gewaltig zu brum⸗ men. Jetzt kamen die Schwärmer in verdoppelter Zahl, der Bulle lief wie toll umher, that aber dennoch keinem Menſchen Etwas. Ein Schildknappe erſah endlich das Tempo, erwiſchte ihn bein Schwanze, ließ ſich von ihm ringsum ſchleppen und ſtach ihm dabei mit dem Dreizack in die Keulen und an Stellen, wo kein Bulle, der Ehre im Leibe hat, ſich gern prickeln läßt. So, vorn von den Schwärmern, hinten von einem muthwilligen Junker beläſtigt, mußte dem Thiere wohl endlich der letzte Geduldfaden reißen und voll Wuth ſtürzte es ſich nun auf die rothe Quadrille, von der es jedoch mit blanker Wehr ſo gut empfangen wurde, daß es in wenig Augenblicken todt im Sande lag, ohne Jemand beſchädigt zu haben.
Mit lautem Geſchmetter verkündeten die Trom⸗ peten den Fall des Stieres; man ließ jetzt den zweiten heraus, dann den dritten und vierten und alle hatten ſchnell das Loos des Vorgängers.
„Alle Hagel!“ riefen Se. Gnaden, als dem vierten Bullen das Lebenslicht ausgeblaſen war,— „das iſt curios genug; aber ſechs über einen und im Nothfall noch Helfershelfer, das iſt nichts, ſo iſt es. Mann gegen Mann, das hat noch Art und Schick; ein Bulle iſt für den Kuckuk kein Lindwurm, he?“
„In Spanien, Euer Gnaden,“ erwiderte der Ludimagiſter,„ficht auch nur ein Ritter zu Pferde gegen den Stier.“..
„Na, warum bringt Er denn ein halb Schock drüber her?“
I„Ja, Euer Gnaden, dort ſind die Ritter darauf geübt und doch kommt oftmals einer dabei um's Leben.“
„Ach Schnack! Da gehört wohl was Rechts zu, ſo'n Beeſt caput zu machen. Laß meinen Hans'mal herbringen.— Sieht Er, Präſident, that mich mein Lebstag auf ſo was nicht üben, aber Er ſoll ſehen,
daß der Bulle an mir ſeinen Mann findet.“ (Schluß folgt.)
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Das neue Paris nach dem Frieden von Amiens. Zamoyſtys, die Dolgoruckhs, die Herzogin von Curland und
Nach mündlichen Ueberlieferungen eines engliſchen Diplomaten. Mitgetheilt von E. Heuſinger.
(Schluß.)
Graf Cobenzl, Fürſt Gallitzin, von Azara, Gallo, die
ihre Töchter bildeten mit den Engländern eine abgeſchloſſene Kaſte. Dahin flüchteten ſich in ihrer Verzweiflung diejenigen des edlen Faubourg, die das Glück gehabt, die Revolution zu überleben. Sie ſuchten Troſt bei uns, als ſie den Palaſt der


