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456 Rovellen⸗Feitung.
Die gierigen Hunde
Mit hungrigem Schlunde,
Sie ſpürten am Bach
Was Riechendem nach
Und ſchauten ein Aas in der Welle— Tief lag's an gefährlicher Stelle.
Wie holen wir's her?
Das Tauchen iſt ſchwer
Und Schwimmen allein will nicht frommen; Wir trinken es aus,
Das Waſſergebraus!
Dann können wir's leichtlich bekommen.
Da trinken ſie all'
Mit ſchlürfendem Schall
Und dachten den Bach zu verſchlingen; Ihr ſchluckender Bauch
Zerdehnte ſich auch
Und mußte erbärmlich zerſpringen.
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Bibliothek der beſten Werke des 18. und 19. Jahrhunderts. Leipzig, bei Otto Wigand. 1867.
Wie Sie aus der Ankündigung dieſes fortlaufenden Unternehmens, von welchem bis jetzt zehn Bände vor⸗ liegen, erſehen können, ſoll dabei hauptſächlich auf Cultur⸗ geſchichts⸗ und Geſchichtswerke Rückſicht genommen werden, natürlich nicht blos für deutſche Literatur. Auch iſt der ſociale und hiſtoriſche Roman dabei nicht ausgeſchloſſen.
Ein ſolcher liegt in Gottwerth Müller's„Sieg⸗ fried von Lindenberg, ein pommerſcher Junker aus dem 18. Jahrhundert“ vor uns. Der Verfaſſer, aus Itzehoe gebürtig(welcher 1744— 1828 lebte), zeich⸗ net ſich im Allgemeinen und auch in dieſem ſeinen vielleicht beſten Werke keinesweges durch friſchen, ge⸗ ſunden, ſprudelnden oder gar feinen Humor aus, er neigt ſich vielmehr gern dem Flachen, Grobkomiſchen zu, hat nicht gar viel originale Erfindungskraft nnd ſeine Darſtellung und ſeine Darſtellungsweiſe iſt oft im höheren Grade breit und etwas formell gequält, als es der Geiſt des damaligen Zeitgeſchmackes mit ſich brachte.—
Dennoch aber verdient Müller's Roman unſere Aufmerkſamkeit, denn viele einzelne Scenen darin ſind mit Natürlichkeit charakteriſtiſch geſchildert und der
Leſer wird durch manchen heiteren Einfall in eine muntere Laune verſetzt. Vor Allem aber lernen wir die Sitten und Zeitzuſtände genau kennen, da der
Verfaſſer ihnen nahe ſtand und bei ſeinem Gemälde
lange nicht die Schwierigkeiten hatte, als ein Dichter der Gegenwart, der nicht nach der Wirklichkeit malen kann, ſondern dies nach dem oft wenig treuen Spiegel der Culturgeſchichte, der nur lückenhaft wiedergiebt, thun muß.
Um von dem in etwas grellen, burlesken Farben gehaltenen Gemälde einen Begriff zu geben, ſei hier eine Epiſode mitgetheilt. Siegfried von Lindenberg iſt ein ächter pommerſcher Junker der Vergangenheit: ſimpel, unwiſſend, adelsſtolz, aber ehrenhaft, couragirt und ſagar human und gutherzig. Sein Dorfſchul⸗ meiſter und Ludimagiſter Schwalbe ſucht dieſem deutſchen Don Quixote ein Factotum zu werden und veranlaßt ihn zu allem möglichen Zeitvertreib. Als er ihm eines Tages aus den Zeitungen eine Stiergefechts⸗ ſchilderung vorlieſt, befiehlt der Junker alsbald auch ein Stiergefecht in ſeinem Hof zu halten, und der Magiſter, der zum Präſidenten ernannt iſt, muß die Arrangements machen und die Bauernbuſchen einkleiden und inſtruiren. Es mag der Hergang hier folgen:
Wie nun der Kampftag anbrach, da grüßten etliche Trompeten und die Trommel, die ſchon eher der Pauken Stelle vertreten hatte, die aufgehende Sonne von den Zinnen des Schloſſes. Auf dieſes Signal machte ganz Lindenberg ſich auf die Beine und ſtrömte den Schranken zu, um ein ſo ganz neues Spectakel zu ſehen. Se. Gnaden erhoben ſich nach eingenommenem Frühſtück nach dem großen Saal, wo der Herr Präſident, der Juſtitiar und die übrigen Honoratioren ſchon verſammelt waren, und von wo aus ſie ſich nach dem Schloßplatze begaben, wo der Junker ſich in die braune Kutſche ſetzte. Die anderen Herren ſtiegen je zwei und zwei in andere Wagen, der Stallmeiſter ritt vorauf, die Livréebedienten gingen nebenher, und ſo kam der Zng bei der Treppe des hochadeligen Balkons an, wo die Trompeten und die Trommel einen gewaltigen Tuſch vernehmen ließen.
Als nun der Junker Platz genommen und die Herren vom Hofe ſich um ihn her rangirt hatten, da öffneten ſich die Schranken und es traten herein vier⸗ undzwanzig rüſtige Bauernburſchen, je ſechs und ſechs in einem Haufen, alle mit guten nagelneuen Miſt⸗ gabeln bewaffnet, deren Stiele recht hübſch nach der Farbe der Quadrillen angemalt waren. Die erſte Quadrille hatte rothe, die zweite weiße, die dritte blaue, die vierte grüne Jäckchen an, Alle aber ſchöne neue kalblederne Hoſen, mit dem Lindenbergiſchen Wap⸗ pen geſtickt und Halbſtiefeln, worauf nicht geſtickt war.


