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chen einbringt. Mehr als einmal haben Töchter der Familie Walter eine Spalte Anzeigen als Mitgift erhalten. Einmal enthielt die Times an einem einzigen Tage 2350 Anzeigen; durchſchnittlich ſenthält ſie fünfzehnhundert täglich. Hundert⸗ undzehn Setzer und fünfundzwanzig Preßgehülfen ſind in der Regel bei ihr beſchäftigt. Sämmtliche Blätter in Groß⸗ britannien enthalten jährlich etwa 2 ½ Millionen Anzeigen; davon kommen mehr als ein Achtel auf die Times allein. Die Times enthält Tag für Tag die beſtgeſchriebenen Artikel; auf das Formtalent wird bei ihren Redacteuren vorzugsweiſe geſehen, und raſche Auffaſſung und ſcharfe Beurtheilungs⸗ gabe gilt höher als Feſtigkeit der Grundſätze. Sämmtliche Mitarbeiter empfangen hohes Honorar, der Oberredacteur hat einen Gehalt von 4000 Pf. St., und mancher Leitartikel über ſchwierige Fragen iſt mit 40 bis 120 Pf. St. bezahlt worden. Die Times hat Correſpondenten in allen Welt⸗ theilen; wenn wichtige Vorgänge es erheiſchen, ſendet ſie beſondere Berichterſtatter. Die bekannteſten unter dieſen ſind: Mackay, Edwards und beſonders William Ruſſell, der im Krimkriege(aus Oſtindien während der Rebellion), während des amerikaniſchen Aufſtandes und im preußiſch⸗ öſterreichiſchen Kriege die allbekannten Berichte ſchrieb. Eine große Menge anderer Schriftſteller, und zwar die ausgezeichnetſten, ſind gleichfalls regelmäßige Mitarbeiter. In geeigneten Fällen werden neue Kräfte herangezogen; auch werden öfters für das Eintreten von Ereigniſſen, die man erwarten kann, Aufſätze zum Voraus geſchrieben. So kommt es, daß wenige Stunden nach dem Tode einer bedeu⸗ tenden Perſönlichkeit die ausführlichſte und bis in's Einzelne gehende Lebensbeſchreibung in der Times erſcheint. Zu den Redacteuren und Correſpondenten kommen noch die ſehr
zahlreichen Stenographen, welche Parlaments⸗ und Gerichts⸗
ſitzungen mittheilen; die reporters, Berichterſtatter über alle wichtigern Angelegenheiten des täglichen Lebens; die Penny-a-liners, welche den kleinen Begebniſſen auf Straßen und Plätzen nachſpüren, und einen Penny für die Zeile erhalten.
Die andern Londoner Blätter ſchließen ſich im Aeußern möglichſt eng an die Times an. Das geachtetſte iſt„Daily News“, ein ſtreng freiſinniges Blatt, ſtets auf der Seite des Rechts und der Humanität. Der„M. Advertiſer“ ward 1794 als Organ der Gaſt⸗ und Schenkwirthe gegründet, und iſt es bis heute geblieben. Er iſt ziemlich radical, ſpricht für die arbeitenden Claſſen, widerſetzt ſich aber mit tugend⸗ hafter Entrüſtung jeder Maßregel, die der Trunkſucht in den Weg treten könnte. Der Wahlſpruch des Blattes iſt: Bier und Bibel. Die„M. Poſt“ iſt whiggiſch und gehört der hochkirchlichen Richtung an; ſie iſt das eigentliche Blatt für die große Welt und die vornehme Geſellſchaft. Von den Pennyblättern iſt das verbreitetſte der„Daily Telegraph“, freiſinnig in engliſchen Angelegenheiten, in den auswärtigen das Organ jeder Unterdrückung. Die Tories haben ihr Pennyblatt im„Standard“, die Radicalen im„Sun“. Von Provinzialblättern ſind namentlich der„Mancheſter Guar⸗ dian“, der„Leeds Mercury“ und der„Scotchman“ von Einfluß. England iſt vorzugsweiſe reich an Wochenblättern; jedes kirchliche, politiſche, geſellſchaftliche, künſtleriſche, wiſſenſchaftliche Intereſſe iſt durch ein ſolches oder durch mehrere vertreten. Eines europäiſchen Rufs genießen die „Saturday Review“, das kühnſte und rückſichtsloſeſte Organ einer wahrheitliebenden Kritik, vortrefflich geſchrieben, ein unermüdlicher Bekämpfer der in England ſo allgemeinen kirchlichen Heuchelei, und der„Economiſt“, der die volks⸗
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wirthſchaftlichen Fragen mit überlegenem Talent behandelt. Unter den rein literariſch⸗kritiſchen Blättern nimmt das „Athenäum“ unbeſtritten die erſte Stelle ein. Die„Notes and Queries“ ſind eine eigenthümliche Wochenſchrift; ſie enthalten Anfragen über zweifelhafte Puncte in Geſchichte, Literatur oder Kunſt, und ſodann die von andern Schrift⸗ ſtellern hierauf erfolgten Antworten. Es iſt ein ſehr nütz⸗ liches Correſpondenzbureau für Gelehrte und ſolche, die es werden möchten. Die Wochenblätter für ſpecielle Zwecke ſind zahllos; es giebt keinen Beruf und keine Liebhaberei, die nicht das ihrige hat. Auch die Mode der„illuſtrirten Blätter“, die ſo um ſich gegriffen hat, iſt von London aus⸗ gegangen, und die„Illuſtrated London News“ iſt noch immer das beſte Blatt ſeiner Art in der Welt. 8.
Was man in Spanien ſpricht.
Wie es verhältnißmäßig nur wenigen Leſern bekannt ſein wird, daß in Frankreich weſentlich zweierlei Sprachen herrſchend ſind, von denen die celtiſche vielen Raum einnimmt, ſo wird es auch Vielen neu ſein, daß ſich die pyrenäiſche Halbinſel außer dem Portugieſiſchen noch zwei andre ziemlich reich vertretene Sprachen lebendig erhalten hat.
Es iſt ein eigenthümliches Gefühl, ſagt ein beredter Reiſender, ſich auf einmal in einem Lande zu befinden, in welchem man nicht verſteht, was die Leute ſagen. In dieſer Lage befand ich mich, als ich zum erſten Male über die Bidoſſoa gefahren war. Denn die Polizei, welche die Päſſe jenſeit der Brücke durchſieht, ſprach uns auf Caſtilianiſch an und verſtand, wenigſtens zu meiner Zeit, kein Franzöſiſch. Es hat mir dies ausnehmend gefallen. Es flößt dem Ausländer Achtung vor dem Volksſinne ein, wenn ſich derſelbe ſogleich an der politiſchen Landesgrenze feſt und entſchieden in jeder Beziehung vom nachbarlichen ſcheidet. Und es wird eben beſonders die Sprache des Volkes ſein, welche, wie ſie jedesmal ihren eigenen Geiſt hat, welcher mit dem des Volkes ſelbſt übereinſtimmt, ſchätzen lehrt. Wie äußerſt abgeſchmackt kommt es dagegen jedem verſtändigen Reiſenden vor, wenn er in einem Lande überall, wo er eintritt, in Gaſthöfen, Läden, Wirthſchaften aller Art immer
auf ein eifriges Aufgeben der volksthümlichen Sitte ihm
gegenüber ſtößt!
Die herrſchende Sprache auf der pyrenäiſchen Halbinſel iſt das Caſtilianiſche. Carl V. nannte es lengua de Dios, die Sprache Gottes. Er hatte recht; es iſt nicht leicht eine ſchönere Sprache denkbar. Das Spaniſche(Caſtilianiſche) iſt ſo kräftig und ſo weich, ſo tonreich und ſo melodiſch, ſo klar und beſtimmt und zugleich ſo dichteriſch und erhaben. Die äußerſte Kraft liegt in dem ſpaniſchen j; wir erreichen ſie nicht mit unſerm ch. Aus dem Arabiſchen ſcheint die Gewohn⸗ heit herübergenommen zu ſein, für jeden Buchſtaben einen harten Hauch zu gebrauchen. Die arabiſche Sprache liebt ungemein die Kehllaute. Nicht minder kräftig tönt in der ſpaniſchen Sprache das r. Das Spaniſche wird oft mit dem Italieniſchen verglichen. Dieſes gleicht einem fortwährenden Gezwitſcher; aber das Spaniſche iſt wie Donner und Brauſen und kann doch auch wieder ſo mild ſein, wenn die Guitarre klingt in den andaluſiſchen Nächten. Unendlich weich iſt z. B. das d am Schluß der Worte(Madrid): man hört es kaum, es ähnelt dem engliſchen th. Es iſt unnachahmlich, dieſen Buchſtaben, ich möchte ſagen, hinzuſäuſeln. Das Caſtilianiſche ſteht dem Lateiniſchen noch ſehr nahe und die einzelnen Worte beſitzen deſſen beſtimmte ſichere Form; die


