Jahrgang 
27-52 (1867)
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446 Novellen

letzten Sylben werden nie verſchluckt, im Gegentheil, es wird der Hauptton meiſtens auf ſie gelegt.

Eine zweite ſchöne Sprache iſt die baskiſche oder Uskarah, wie ſie in ihren eignen Lauten heißt. Sie wird in den baskiſchen Provinzen, etwa von einer halben Million Menſchen, geſprochen. Mit keiner der Mengſprachen in den umliegenden Gebieten verwandt, keiner Zunge ähnlich, welche in Europa geſprochen wird oder geſprochen worden, iſt ſie um ſo eigenthümlicher, als ſie ſich bisher rein und unver⸗ miſcht in ihren engen Grenzen erhalten hat. Eine kleine Literatur dieſer Sprache wird erſt in neuerer Zeit geſammelt und es entſtand bei der Abfaſſung eines baskiſchen Wörter⸗ buches namentlich die Schwierigkeit, zu entſcheiden, welche Form eines Wortes jedesmal als die ſchriftmäßige anzuſehen ſei. Denn ſo klein auch das Gebiet des Uskarah iſt, ſo ſpricht es ſich doch faſt in jedem Thale verſchieden, und ohne daß in der einen oder der andern Art des Sprachgebrauchs

ein Vorzug zu begründen wäre, ſoll dieſe Verſchiedenheit ſo

weit gehen, daß Basken aus entfernten Theilen ihres Landes ſelbſt nicht mehr untereinander gut verſtändlich werden. Es wurde dies möglich, weil ſie bisher je an ihrem eigenſten heimathlichen Herpe beſonders und nicht blos in ſcharfer Trennung gegen die benachbarten Volksſtämme, ſondern auch unter ſich ohne lebhaften Wechſelverkehr gelebt haben. Um einige Worte dieſer wenig bekannten Sprache anzuführen, ſo heißt z. B. der Gruß, den ſich die Basken beim Begegnen zurufen: agur oder egonhun! Ein ſchönes Mädchen(das Land iſt reich an ſolchen) heißt: neschkatoqua ederra oder nescatcha pulita; komme: haugin houat; ja, Herr: bay jauna. Das Beiwort ſteht im Baskiſchen immer hinter dem Hauptwort.

Das Catalaniſche oder Limuſin, welches von den Catalanen aller Stände und namentlich in Barcelona geſprochen wird, iſt die dritte ſelbſtſtändige Sprache in Spanien und eben ſo häßlich, als die beiden vorhergehenden ſchon ſind. Sie beſitzt eine bedeutende, namentlich ältere Literatur. Wenn ſie als romaniſche Sprache eine natürliche Verwandtſchaft mit dem Caſtilianiſchen beſitzt, ſo beſtehen doch auch weſentliche Unterſchiede zwiſchen ihr und dieſem. Viel näher ſteht ſie dem Provengaliſchen und den Idiomen, welche ſich nördlich von den Pyrenäen aus der alten ge⸗ meinſchaftlichen langue d'oc entwickelt haben, einem Sprach⸗ gebiete, welches einſt der Krone von Aragon unterthan war. Ein Madrigal in der alten Sprache von oc, welches auch ſeines Inhalts wegen in Blättern über Spanien ſeinen Platz findet und unſerem Kaiſer Rothbart zugeſchrieben wird, möge hier ſtehen:

Plas mi cabalier Franzés, E la dona Catalana,

E l'ouvrar de Ginoéz

E la cour de Kastellana. Lou cantar Provenzaléz, E la danza Previsana.

E lou corps Aragonéz,

E la perla Juliana.

La mans écara Angléz,

E lou doncil Tuscana.

Ein Beiſpiel des heutigen Catalaniſchen mögen folgende Zeilen aus einer Hymne an die Virjen de Montſerrat geben: Reina dels cels, mare de Deu, perdona si fins avey not' dediqui un recort: sols cuant veu son vaixell

ZJeitung.

presa de l'ona buscan los ulls del navegant lo port... l'oreneta se acull dins del séu niu.

Dem Ohr des Fremden beſonders mißfällig iſt eine gewiſſe näſelnde Ausſprache der Worte. Zwei Abarten des Catalaniſchen ſind das Mallorkiniſche und das Valencianiſche, dies letztere den Uebergang zum Caſtilianiſchen vermittelnd. Außerdem beſchränken noch das Galiciſche und die ver⸗ ſchiedenen Idiome in den Pyrenäenthälern, welche das Celtiſche vornehmlich in ſich aufgenommen haben, das Gebiet der caſtilianiſchen Sprache, welche in Madrid und Andaluſien am reinſten geſprochen wird. 5.

Die erſten Entdecker Amerikas.

Es iſt eine längſt bekannte Erſcheinung, daß der atlan⸗ tiſche Ocean für die Vögel beider Hemiſphären eine keines⸗ wegs unüberſteigliche Scheidewand bildet. Man findet einzelne der in Europa heimiſchen Vögel hin und wieder in Amerika und umgekehrt amerikaniſche Vögel gar nicht ſelten auf den britiſchen Inſeln oder ſelbſt auf dem europäiſchen Continent. Wie ſind dieſe Thiere dahin gekommen? Offen⸗ bar durch eine Wanderung über den atlantiſchen Ocean, die freilich nur bei verhältnißmäßig wenigen eine freiwillige ſein mag. Von den in England und Scandinavien heimi⸗ ſchen Vögeln ſtellen ſehr viele jährliche Wanderungen nach Grönland an, wobei ſie ſich Islands und der Faröer als Ruhepunct bedienen. In ſehr ſeltenen Fällen ſcheinen gewiſſe Arten Grönland direct zuzuſtreben, ohne auf Island anzuhalten; allerdings mag es auch ſein, daß man dieſe Vögel während ihres Aufenthalts auf Island zufällig noch nicht beobachtet hat. Einmal in Grönland angekommen, wagen ſich nun auch einzelne dieſer europäiſchen Vögel nach dem nordamerikaniſchen Continent, ſehen ſich in Canada um, reiſen dann weiter ſüdlich und ſind ſogar im Miſſiſſippi⸗ Delta beobachtet worden. In der Regel legen ſie die Reiſe von Grönland aus in Geſellſchaft amerikaniſcher Vögel verwandter Arten zurück, die ſie förmlich dazu einladen und ſich ihnen als Wegweiſer anzubieten ſcheinen. Die europäi⸗ ſchen Vögel haben alſo jedenfalls früher, als Columbus, Amerika entdeckt, und den Engländern würde es ſehr angenehm geweſen ſein, wenn dieſe Thierchen im Namen ihres Königreichs drüben eine Beſitzergreifungsfahne hätten aufpflanzen können.

Obwohl Vögel des amerikaniſchen Continents häufig nach Grönland ſtreifen, ſo iſt es doch ſeltener, daß ſie ſich von hier direct oder über Island nach Europa begeben. Bis jetzt hat man in Jeland nur drei amerikaniſche Vögel auffinden können. Gleichwohl ſind nordamerikaniſche Vögel in England gar nicht ſo ſelten; einige hat man auch bereits auf Helgoland gefunden; ſehr wenige Landvögel, nur in fünf Fällen, auf dem europäiſchen Continent. Faſt immer gehörten dieſe Vögel ſolchen Arten an, die während des Sommers in Neu⸗England und in den öſtlichen Provinzen V des britiſchen Amerika reichlich vorhanden ſind. In England

oder auf den Bermuden fand man dieſelben in der Regel im Herbſt. Hier ſcheint eine directe Wanderung über den ſatlantiſchen Ocean, höchſtens mit Neufundland oder den Bermuden als Zwiſchenſtation, ſehr wahrſcheinlich. 4

Die eigentliche Urſache dieſer Wanderungen der Vögel beider Continente findet man in dem Studium der Geſetze, denen die Winde der nördlichen Halbkugel folgen. Henog und Loffin haben gezeigt, daß die mittlere Bewegung der