Vierte
die Lieder von den beiden Helgen und die Lieder von Thor’s Kämpfen mit den Rieſen entfalteten ſich vor ſeinem Auge in ihrer vollen Pracht: Aeger feiert ſein Mahl, Thor wirft den Hammer, Gerda trifft
den Axel in der Felſenſchlucht des Gebirges und mächtig rauſcht der Strom der Sage in Snorrens
Heimskringla, der die Vaulſungaſage folgte und die Nornageſteſage, bis ſich aus beiden, der Sage des deutſchen Landes ſich anſchmiegend, die Niflungaſage mit Liedern von Sigurd, Brynhild und von Gudrun
bildete. (Schluß folgt.)
Gedicht von Franz Frenzel.
Das Lied, es bricht mein Schweigen.
Wohl iſt es wahr: des Frohſinns Walten, Das Glück, was in dem Buſen lebt, Oft ſtört's die Welt und ſchnell erkalten Muß es vor Neid, der Böſes ſtrebt.
Wohl iſt es wahr: die Luſt und Freude, Sod in dem Auge wiederſtrahlt, Ach! oft wird ſie zum bittren Leide, Da meiſt die Welt mit Falſchem prahlt.
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Doch nimmer kann ich es verſchweigen, Wann tief im Herzen Glück ich fühl'; Ich will und muß es Freunden zeigen, Wie froh mein Herz bei ſeinem Ziel.
Denn dieſe ſollen mitempfinden, Sie ſollen theilen meine Luſt, Und ſehe dann ich, wie ſie finden Den Theil auch— o wie glückbewußt!
Allein auch wann mich Noth und Plage Im Inneren des Herzens quält, Bringt wieder eine offne Klage Den friſchen Muth mir, der gefehlt.
Das Lied, es bricht mein Schweigen immer; Drum theil' ich Kummer, theil' ich Luſt, Dann wird mir's froher Hoffnungsſchimmer, Bald füllt's mit Wonne meine Bruſt,
Und alle Menſchen ſind mir Freunde; Doch ſo ſich Einer falſch ergiebt, Bedaure ihn ich,— was ich meinte, Iſt, daß man Freund und Feinde liebt!—
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Jolge. 439
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Grönland und die Grönländer von Henrik Holms. Leipzig, bei Fritſch. 1867.
Sie werden demnächſt zu dieſem Buche noch einige andere als Anſchluß über Lappland, Finnland, Is⸗ land von demſelben Verfaſſer erſcheinen ſehen, und in Anbetracht dieſer umfaſſenden Ueberſicht über einen großen Theil des hohen Nordens gehen wir gern auf dieſe Edition ein, welche größeren gebildeten Leſer⸗ kreiſen in gefälliger, aber nicht unangenehm koketter Manier den lehrreichen ethnologiſchen Stoff unterbreitet.
Wie recht und billig, hat der Autor viele andere Reiſende und Geographen für ſich beobachten und be⸗
richten laſſen; doch er weiß mit Geſchick auszuwählen, mit Lebendigkeit nachzuerzählen und ſein Geſammt⸗ bild gewährt Vollſtändigkeit ehne ermüdende Er⸗ ſchöpfung für den Genießenden. Als Beweis, welche verſchiedenartig intereſſante Erſcheinung ein an ſich ſo oder vom Segen der Natur verlaſſenes, ſonnenarmes Eisland bietet, gebe ich hier eine Charakterſkizze des grönländiſchen Hundes und der Schlittenfahrt wieder: Von Hausthieren kennt der Grönländer nur den Hund. Der grönländiſche Hund iſt ziemlich groß, mit ſpitzem Kopf und ſpitzen Ohren und hat überhaupt etwas Aehnlichkeit mit einem Wolf; er bellt nicht, ſondern heult nur. Die Farbe iſt verſchieden; es giebt ſchwarze, weiße und gefleckte; allein der Grön⸗ länder legt den größten Werth auf die ſchwarzen, weil er deren Fell theils zu ganzen Kleidungsſtücken, theils zum Beſatz an ſeinem Pelz verwendet. Doch nicht dieſes bedingt den großen Nutzen, den der Grön⸗ länder von ſeinem Hunde hat, auch nicht der Umſtand, daß er in Zeiten der Hungersnoth ſeine Zuflucht zu dieſem nehmen kann, es iſt vielmehr die Verwendung der Hunde als Zugthiere vor dem Schlitten, die ſie ſo unentbehrlich für die Bewohner namentlich Nord⸗ grönlands macht; denn nicht allein, daß der Hunde⸗ ſchlitten zu Zeiten das einzige Mittel iſt, um von Ort zu Ort zu gelangen, ſo ſteht derſelbe auch in der engſten Beziehung zu dem Seehundsfang. Hierzu kommt, daß es unſchwer iſt, ſich die genügende An⸗ zahl von Hunden zu verſchaffen, da die Hündin zwei⸗ mal jährlich in der Regel ſechs Stück Junge wirft. Der Grönländer legt, wenn er nicht ganz außer⸗ ordentlichen Ueberfluß an Nahrungsmitteln hat, nie⸗ mals etwas zurück für die Hunde. Dieſe müſſen ſich mit dem Abfall von Knochen, Haut und Eingeweide begnügen, den der Grönländer als unbrauchbar weg⸗
wirft, und will er mehr, ſoam es ſich ſelbſt ver⸗ ſchaffen, muß Muſcheln nd Anderes, was


