Jahrgang 
27-52 (1867)
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422 Rovellen⸗

Diener des Friedens wollteſt, da ja doch der Koran ſagt, daß da, wo das Schwert herrſcht, die Feder ruht; nun ich aber den ſtattlichen Krieger mir näher beſchaue, da iſt es der Erich! Und einen Bart hat das Bürſchchen um Lippe und Kinn, gar nicht mehr flaum, ganz ordentliches Barthaar! Es iſt eine hübſche Reihe Tage hingegangen ſeit der Zeit, daß ich Dich zu Dalſtröm auf den Knieen ſchaukelte; ja, ja, ſo geht es; der Knabe wird zum Mann und ſtehet auf dem Kamme des Berges, und der Mann, der das Kind vom Fuße aus die Wallfahrt beginnen ſah, ſteigt langſam bergab, und die Laſt, die er bergauf auf den jugendſtarken Schultern kaum gefühlt, wird bergab den ergreifenden Gliedern gar ſchwer und der grünende Zweig, der Stecken der Hoffnung, iſt über der Wanderung dürr und trocken geworden. Da bricht denn zuletzt der Stab und der müde Wanderer legt ſich mit ſeiner Laſt zur ewigen Ruhe nieder und die Leute ſagen: Fahre hin, der iſt nun auch geſtorben! Aber, mein Junge, wenn man auf der Reiſe bergab einmal einhält und ſchaut ſich um und ſieht ſeinen Liebling luſtig droben auf der luftigen Spitze, ſo freuet ſich das alte Herz, und in dem Echo, das der ſtolze Ruf des Mannes in den Thälern wach ruft, klingt leiſe das Dankwort des Greiſes. So geht es uns Beiden; ich bin ein Greis geworden und Du ein Mann ſei mir gegrüßt, mein männlicher Erich!

Und fröhlich zog der Biſchof den Junker in den weichen Lehnſtuhl, dann fuhr er fort:

Setze Dich, mein Erich, ſetze Dich! Das iſt brav, daß Du den alten Olaf aufſucheſt auf dem eiſigen Island, ehe er ſchlafen geht in dem Schneegrabe des Eilandes. Da hüpft mir das Herz ordentlich in der Bruſt nun ſage mir denn auch, was Dir noth thut und wonach Du verlangſt, und dann ſprich, wie geht es denn dem Sture, meinem leiblichen Bruder?

Und Erich erzählte dem Ohm nach Verlangen und es dauerte gar nicht lange, da hatte Onkel Olaf's warmfreundliches Weſen die ganze Rinde um Erich's Herz hinweggethauet und der Junker erzählte offen und ehrlich, wie Paul, ſein Bruder, Dalſtröm erhalten und er juſt weiter Nichts habe, als ſeinen Namen und die Gage als Junker und weiter gar keine Aus⸗ ſicht, nund wie ihn der Vater deshalb nach Island ge⸗

ſendet zum Onkel und wie er daſelbſt angekommen ſei und mit dem Norſen Kordrauſon nach Iſefjord geritten und wie da.... und da fing Erich an zu ſtocken, und eine glühende Röthe lief ihm über das Antlitz, aber der Biſchof ſprach freundlich, indem er ihm beide Hände reichte: V

Sprich weiter, mein Erich; bedenke doch, ge⸗ theilter Schmerz iſt halber Schmerz und der Rath.

Zeitung.

eines alten Mannes, der es von Herzen gut mit Dir meint, iſt allewege ein nicht zu verachtend Ding; Gott iſt die Liebe und der Bronnen des Troſtes, er ruft alle Herzen zu ſich, die mühſelig und beladen ſind, um ſie zu erquicken und kann ich Dich tröſten, will ich es thun aus allen Kräften meiner Seele!

Und Erich erzählte weiter, wie er Edda geſehen und wie Alles da ſo gekonmen mit ihm und dem Nielſen Trampe, wie der auf gen Grönland ſei auf Nimmerwiederkehr und wie ihn nun die Edda von ſich gewieſen und wie ſich Nichts ſehnlicher wünſchke, als den Tod! Und über die Erzählung ward ſein An⸗ tlitz immer bleicher und bleicher, ſeine Lippen zuckten und der Strahl der Abendſonne, der durch das Fenſter fiel, ſpiegelte ſich wieder in der Thräne, die in Erichs Wimpern hing.

4(Fortſetzung folgt.)

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Gedichte von Marg. pilgram Diehl. 1

Unwiderſtehlich.

Hoch von den Bergen ſtrahlenpraͤchtig* Der Bach ſein flüſſig Silber rollt,

Es lockt, es lockt ihn zaubermächtig,

Dort nach des Stromes lichtem Gold.

Sehnſuchtgeſchwellt, mit vollem Toben, Das wilde Bergkind näher toſ't.

Es kann, es kann nicht widerſtreben, Die goldne Fluth verlockend koſ't.

Und in des Stromes Wellenarmen Ruht nun der Stürmer eingehüllt.

Du ſollſt an meiner Bruſt erwarmen, Klaräugig Kind, ich lieb' Dich wild!

Noch lag die Knospe ſtill im Mooſe Da fiel ein Strahl aus Himmelhöh'n, In ſüßen Schauern zagt die Roſe,

Sie kann dem Ruf nicht widerſteh'n.

Sie iſt erwacht in's junge Leben Das Roſenkind ſehnſüchtig ſchaut.

Im Lenzwind leis die Blaͤtter beben, Der koſend grüßt die Frühlingsbraut.

Und in dem Götterkuß der Sonne

Die Roſe zaubervoll erblüht,

Sie athmet Luſt, ſie athmet Wonne, Nicht fühlt ſie, wie ihr Leben flieht.